Missionsreise #3: Anleitung zum Bäume Pflanzen und Kinder Erziehen

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg Sünder noch sitzt, da die Spötter sitzen, sondern hat Lust zum Gesetz des HERRN und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht; und was er macht, das gerät wohl. (Ps 1,1-3)

Lieber Leser, diese Worte aus dem ersten Psalm habe ich ganz bewusst an den Anfang dieses Blogeintrags gesetzt. Er vergleicht einen gerechten Menschen mit einem Baum, der an Wasserbäche gepflanzt wurde. Ich glaube, dass in diesem Bild eine tiefe geistliche Wahrheit steckt. Damit ein Mensch gute Frucht bringen kann (Jh 15,16), muss er „richtig gepflanzt“ werden. Er braucht genügend Wasser, das ist ein Bild für den heiligen Geist. Und es gibt noch weitere Faktoren, die für das Wachstum eines Baumes wichtig sind. Von allem Wissen ist die Erkenntnis, wie man ein Mensch werden kann, der „Lust zum Gesetz des Herrn“ hat und „redet von seinem Gesetz Tag und Nacht“, das wichtigste und wertvollste. Ich hoffe und bete, dass dir dieser Eintrag ein paar Impulse gibt, die dabei helfen, zu einem immergrünen Baum heranzuwachsen und deine Kinder und Nächsten in gleicher Weise zu pflanzen und zu unterrichten.

Neues aus Concord

Dass ich erst jetzt dazu komme einen neuen Blog-Beitrag zu schreiben, liegt nicht daran, dass es in letzter Zeit wenig zu berichten gegeben hätte — ganz im Gegenteil: Es war so viel los, dass ich in den vergangenen Wocheneinfach nicht dazu gekommen bin, die Erfahrungen aufzuschreiben. 

Das größte Projekt war das Pflanzen von 17 Obstbäumen und 30 Beerensträuchern. Wir haben uns dabei nach der Methode von Ellen White gerichtet, die verhältnismäßig aufwändig (aber auch sehr vielversprechend!) ist. Da ich mir vorstellen kann, dass sich einige von euch für diese Methode des Obstbaumpflanzens interessieren, werde ich dazu etwas ins Detail gehen.  Zuvor möchte ich allerdings ein paar der vielen Dinge erwähnen, die ich in den letzten Wochen hier erlebt habe.

Gemeinde

Am Sabbat auf Jerrys und Sees Grundstück

Unsere Gemeinde ist, soweit ich weiß, die einzige in unserer Umgebung, die nach wie vor reguläre Gottesdienste anbietet. Und jeden Sabbat darf ich erleben, welch großer  Segen es ist, dass wir uns nach wie vor versammeln. Ich schätze die Gemeinschaft sehr. Momentan haben wir keine Bibelgespräche am Nachmittag, da einige Geschwister, die sonst kommen, momentan lieber zuhause bleiben. Stattdessen gehen wir nach dem Mittagessen häufig gemeinsam in die Natur. Letzten Sabbat waren wir auf dem Grundstück, auf dem See (sprich: „Sie“), die Frau des Gemeindeleiters, aufgewachsen ist. Es ist ein riesiges Areal mit einem wunderschönen Bach, einer eigenen Quelle und vielen schönen Waldstücken. 

Gemeindegesang 🙂

Vor ein paar Wochen waren Shawn und Meghan über das Wochenende bei Matt zu Besuch. Sie betreiben eine kleine Ministry und setzen eine interessante missionarische Idee um. Shawn entwirft virtuelle Welten, die mit einer VR-Brille erkundet werden können. Er und seine Frau fahren damit auf Jahrmärkte und bieten den Menschen an einem Stand an, auf diese Art und Weise das Zelt der Begegnung, die Arche Noah,  die vorsintflutliche Welt, den herodianischen Tempel oder auch die Nebukadnezar-Statue aus Daniel 2 zu erleben. Hier ist ihre Webseite. Am Sabbat Nachmittag hat Shawn in der Gemeinde einen interessanten Vortrag über das Heiligtum gehalten (s. Bild). Die Zeugnisse, die Shawn und Meghan über ihre Missionstätigkeiten auf den Jahrmärkten gegeben haben, haben mich sehr inspiriert und mir Mut gemacht, selbst nach guten Ideen für die Mission zu suchen. 

Bruder Shawn in der hohepriesterlichen Kleidung
Selfie mit Demario Carter von Counsel of Prophesy

Außerdem habe ich Demario Carter, der den Missionsdienst „Counsel of Prophesy“ leitet, kennenlernen dürfen. Er hat einen sehr spanenden Vortrag über die Chronologie der letzten Ereignisse gehalten. Gegen Ende diesen Monats wird er mit seiner Familie in die Region ziehen und wir werden ihm etwas beim Umzug helfen. Ich war mit ihm beim Besichtigungstermin für das Grundstück — es ist  wirklich traumhaft dort. Und es ist riesig (80 acres, das sind gut 32 Hektar). Es steht noch kein Haus darauf und es ist erst ein kleiner Garten angelegt, da es vom Vorbesitzer zum Jagen verwendet wurde. Ihr seht, es gibt weiterhin viel zu tun hier — wenn jemand also auf der Suche nach ähnlichen Erfahrungen ist wie hier von mir berichtet, könnt ihr euch bei Matt oder Demario melden. Hier ist jeder willkommen!

Matts Familie 

Morgenandacht im Hause Dooley bei bestem Wetter

Vor einem Monat ist Matts Frau Lori mit Hannah und Haley, den beiden Töchtern, zurückgekommen. Sie waren bei der Großmutter zu Besuch. Dadurch, dass wieder die ganze Familie das Haus bewohnt, ist ein spürbarer Segen eingekehrt. Meistens arbeiten Matt, Raul und ich draußen, während Lori und Jodi häusliche Arbeiten verrichten. Die Mädchen helfen (und spielen) mal hier und mal da und sind also häufig an der frischen Luft. 

Haley, ich und Hannah in Sabbatstimmung

Seit einiger Zeit habe ich auch einen Teil des Hausunterrichts für die Mädchen übernommen. Das macht mir sehr viel Freude und ist auch in beruflicher Hinsicht (als angehender Englischlehrer an Grundschulen) interessant. Es wird beim Schriftspracherwerb viel mehr Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Laute der Schriftzeichen gerichtet. 

Haley liest mir eine Geschichte vor

Das Essen ist sehr adventistisch, also lecker. 🙂 Lori legt viel Wert auf die Richtlinien, nach denen sich die Adventpioniere und Ellen White in Bezug auf Ernährung gerichtet haben: Viel Getreide und Obst, ebenso Gemüse und für die Fette Nüsse oder Kerne. Ich musste mich nicht groß an den Speiseplan gewöhnen, da wir bei mir zuhause ähnliche Essgewohnheiten haben. Wenn du dich für dieses Thema interessierst, kann ich dir sehr das Buch „In den Fußspuren des großen Arztes“ (s. hier) empfehlen. Die Kapitel 23 bis 27 gehen spezifisch auf Ernährung ein, ich würde aber empfehlen, das Buch von vorne anzufangen zu lesen. 

Uni

Auch im Bereich meiner Ausbildung darf ich erleben, wie Gott gerade meinen Kelch zum überlaufen füllt. Es war eine wichtige vorbereitende Veranstaltung in den Semesterferien für mein Praktikum im Englischunterricht an einer Grundschule vorgesehen. Hätte ich von dieser Veranstaltung gewusst, hätte ich meine Reise nach Amerika nicht geplant. Aber ich habe davon erst erfahren, nachdem der Flug schon gebucht war. Das war ein etwas herausfordernder Moment, aber ich habe mich entschieden, im Glauben voranzuschreiten und die Sache Gott zu überlassen. Jetzt wurde wegen der Corona-Geschichte nicht nur das vorbereitende Blockseminar ins Internet verlegt, sondern der gesamte Universitätsbetrieb! Ich kann also online von Arkansas aus alle nötigen Dinge in Erfahrung bringen und auch an Online-Konferenzen teilnehmen. 

Als ich dann erfahren habe, dass mein Rückflug gestrichen wurde, war ich für eine kurze Zeit ratlos; nach einigem Recherchieren fanden wir aber einen einigermaßen erschwinglichen Rückflug, der eine Woche später stattfindet. Ich darf also noch eine weitere Woche in Amerika bleiben und kann noch beim Umzug von Demario und seiner Familie helfen, nebenbei einen anderen Bundesstaat (Kansas) kennenlernen und mich dabei auch für meine Kurse an der Uni auf dem Laufenden halten. Wenn ich die Ereignisse Revue passieren lasse und bedenke, wie eins zum Anderen geführt hat, kann ich nicht anders, als innerlich zu jubeln und Gott die Ehre zu geben. „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.“ (Rö 8,28)

Arkansas 

Private Badestelle 😉

Es ist deutlich wärmer in Arkansas als bei uns. Es hatte schon bis zu 31 Grad. Ich bin also zu einer Zeit hierher gekommen, in der es hier sehr angenehm und schön ist. Als ich angekommen bin, waren die Laubbäume noch kahl, jetzt ist alles dicht bewachsen und die weiten Ebenen hier strotzen nur so vor Leben. 

Etwa eine Meile unterhalb von Matts Grundstück fließt ein kleiner Fluss (s. Bild). Ich gehe dort häufig nach einem heißen Tag eine Runde schwimmen. 

Es ist solch ein Segen, mehr im Einklang mit der Natur zu leben! Als Shawn und Meghan gekommen sind, bin ich auf die Veranda ins Zelt ausgewichen. Seitdem schlafe ich draußen und genieße förmlich die frische Luft, die ersten Sonnenstrahlen am Morgen die Geräusche von Grillen, Fröschen, Vögeln, Cicadas und manchmal auch Kojoten.    

Morgenstimmung in Concord #1
Morgenstimmung in Concord #2
Abendstimmung in Concord mit Fledermaus
Vögelgezwitscher am Morgen
Haley und ich baden im Wind

Typisch für Arkansas ist der hohe Stellenwert der persönlichen Freiheit und Unabhängigkeit. In Amerika, besonders in den Südstaaten, sind die Menschen Reglementierungen und Einschränkungen gegenüber sehr kritisch eingestellt. Das mag hier und da auch kuriose Züge annehmen, ist aber grundsätzlich ein Vermächtnis der amerikanischen Gründerväter. Benjamin Franklin sagte: „Wer ein bisschen von seiner grundsätzlichen Freiheit aufgibt, um ein bisschen Sicherheit hinzuzugewinnen, verdient keines und verliert beides.“ Eine weitere Aussage dazu aus biblischer Perspektive: „Hier [Off 13,11] finden wir das bemerkenswerte Symbol des Auf- und Emporkommens unserer eigenen Nation. Und die lammähnlichen  Hörner, ein Symbole für Unschuld und Sanftheit, beschreiben treffend das Wesen unserer Regierung, wie sie durch ihre zwei Grundprinzipien Ausdruck findet: Republikanismus und Protestantismus“ {4Sp 277.1}. Ein kleiner (und spaßiger) Einblick in die amerikanische Freiheit wurde mir gewährt, als Bruder Jerry uns zum Heu holen auf seinem Pickup-Truck mitgenommen hat — besser als jedes Cabrio!

Allen und Theresa

Letzten Sonntag war ich bei Bruder Allen und seiner Frau Theresa. Mittags waren wir bei Allens Mutter Agnes zum Mittagessen eingeladen. Damit hat Gott tatsächlich eins meiner Gebetsanliegen, das ich Ihm seit meinem zweiten Sabbat hier in Concord beständig vorgelegt hatte, erhört. Ich konnte mich also wirklich persönlich bei ihr für den Vinschgauer Fladen bedanken. 🙂 Es gab eine sehr leckere Gemüsesuppe mit selbstgebackenem Maisbrot zu Mittagessen und am Nachmittag noch Funnel Cake (Teig wird durch einen Trichter in heißes Öl gegeben und frittiert). Wir haben es zusammen mit Erdbeeren und Cranberries gegessen. Hmmm… 

Neben Agnes durfte ich ihren Mann Bobby und Allens Stiefschwester Britney kennenlernen. Es war auch eine sehr bereichernde Erfahrung, bei einer weiteren amerikanischen Familie eingeladen zu sein (während Agnes’ Herkunft auch einige europäische Elemente mit sich bringt). Ich darf immer wieder erleben, wie freundlich die Menschen hier sind. 

Selfie mit Allens Familie 🙂

Agnes kommt ursprünglich aus Aldein, das ist eine Ortschaft in Südtirol, die am Fuße des Schwarzhorns und des Weißhorns liegt. Sie hat mir einige wunderschöne Bilder ihrer Heimat gezeigt, zu denen ich als Sohn einer Österreicherin ebenfalls einen Bezug habe. Ich kenne das Gefühl, wenn man auf einen Berg steigt und vor Glück jubeln könnte. Ehrlich gesagt gibt es keinen anderen Ort, der für mich mit solchen Glücksgefühlen verbunden ist. Genau das hat Agnes mir auch gesagt. Es wirkt auf sie so, als wäre man in den Bergen Gott besonders nah. Da ist sicherlich etwas dran: Auch Jesus stieg auf einen Berg, als er von seinem Vater verherrlicht wurde (s. Lk 9,28-36), er ging in die Berge, wenn er beten und Gott nah sein wollte (s. Mt 14,23, Mk 3,13, Lk 6,12, Jh 6,15) und er wurde von einem Berg aus in den Himmel entrückt (Mt 28,16ff). Und als wir uns so darüber austauschten, wie glücklich wir sind, wenn wir in den Bergen sind, sagte Agnes, dass ihr in diesen Momenten immer das Lied „How Great thou art“ („Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte“, Internationales Gesangbuch Nr. 3) durch den Kopf ginge. Dann schlug sie vor, das Lied gemeinsam zu singen. Es war so ein erhebender Moment als wir mit Allen und Theresa im Wohnzimmer standen und sangen: „When through the woods and forest glades I wander, and hear the brids sing sweetly in the trees, when I look down from from lofty mountain grandeur, and hear the brook and feel the gently breeze, thens sings my soul, my Saviour God to Thee: How Great thou art, how Great thou art!“. Diesen Moment werde ich mein Leben nicht vergessen.

Selfie mit Bruder Allen

Ich habe auch mit Bruder Allen einige Zeit draußen verbracht. Allen ist Förster und kennt sich gut mit Pflanzen und Tieren aus. Wenn man mit ihm durch den Wald geht, sagt er immer wieder „Die Blätter kann man Essen, probier mal!“, oder „Hörst du diesen Vogel? Das ist ein … .“ Ich finde es sehr bewundernswert, wenn man sich so gut mit der heimischen Flora und Fauna auskennt. Es fallen ihm so viele kleine Details ins Auge, die ich überhaupt nicht wahrnehme. Er hat auch auf dem Grundstück seiner Mutter als Junge einige Bäume gepflanzt, die mittlerweile riesig sind. Abends hat er einen riesigen Pilz gebraten, den er im Wald gefunden hat. Es war ein Majtake und er hat hervorragend geschmeckt. 🙂

Abends um 7 Uhr (ich habe bei Allen und Theresa übernachtet) haben wir noch gemeinsam „Aunt Dorothy“ angerufen. Sie ist die 94 Jahre alte Tante von Theresa, die mittlerweile kaum mehr sehen kann. Allen und Theresa rufen sie daher jeden Abend um 19 Uhr an, lesen ihr ein Kapitel aus der Bibel vor und tauschen Gedanken mit ihr aus. Sie sind mittlerweile bei 4. Mose 11 angelangt — ein sehr spannendes Kapitel! Während der Großteil des Volkes gegen Gott murrte und statt dem himmlischen Manna lieber Fleisch essen wollte, gab es siebzig Älteste im Volk, die den heiligen Geist erhielten. Wie Bruder Allen herausstellte gibt es hier eine interessante Parallele zum Pfingstereignis (Apg 2). Während ein Großteil des Volkes sein Herz verhärtete und gegen das Himmelsbrot (ein Bild für Christus, siehe Jh 6,51) rebellierte, gab es eine kleine Minderheit im Volk Gottes, die, ausgerüstet mit dem Geist Gottes, den Mittler des Bundes (Christus) bei seinem Werk unterstützen durfte.  Auch „Aunt Dorothy“ war sehr angetan von dem Kapitel. Es für mich sehr inspirierend, eine so alte Dame kennenzulernen, die für Jesus brennt. Sie sprühte vor Lobpreis und Danksagung, als wir gemeinsam die Bibel lasen, und sagte mir, dass sie für mich beten wird und auch ich für sie beten solle. 

Die Zeit bei Allen und Theresa war ein besonderer Segen für mich. Sie haben vor einigen Jahren ihre Baptistengemeinde verlassen, um den Sabbat zu halten. Man merkt beiden an, dass sie vom Geist Gottes geführt werden und dem Lamm Gottes folgen, wohin immer es geht. 

Obstbäume pflanzen

Ich wollte in diesem Eintrag eigentlich nur kurz über ein paar meiner Erlebnisse berichten, um dann die meiste Zeit über das Bäumepflanzen zu berichten. Jetzt bin ich schon auf Seite 8… es ist so ermutigend, sich die einzelnen Segnungen wieder vor Augen zu führen. Ich glaube, wir vergessen zu oft, wie wundersam Gott in der Vergangenheit seinen Segen über uns ausgeschüttet hat. 

Nun aber zu den Obstbäumen. Es gibt eine Aussage von Ellen White, die eine gute Richtschnur darstelltet. Es handelt sich um einen Brief aus dem Jahr 1907. Die Aussage wurde im dritten Band der „Selected Messages“ (Ausgewählte Botschaften) veröffentlicht, der leider nicht ins Deutsche übersetzt wurde, daher habe ich die relevante Stelle für euch übersetzt.

Ellen White

Als wir in Australien waren, übernahmen wir die Vorgehensweise, tiefe Gräben auszuheben und sie mit Dressing [gedüngter Erde] zu füllen, so dass gute Erde entsteht. So gingen wir beim Anbau von Tomaten, Orangen, Zitronen, Pfirsichen und Weintrauben vor. Der Mann, von dem wir unsere Pfirsichbäume erwarben, bot mir freundlich an, beim Pflanzen der Pfirsichbäume zuzusehen. Daraufhin bat ich ihn, ihm zeigen zu dürfen, wie es mir eines Nachts vor Augen geführt wurde dass sie gepflanzt werden sollten. Ich wies meinen angestellten Arbeiter dazu an, ein tiefes Loch in den Boden zu Graben, dann reichhaltige Erde hineinzuschaufeln, dann Steine, dann reichhaltige Erde. Danach gab er Schichten von gedüngter Erde und reichhaltiger Erde hinzu, bis das Loch bis oben gefüllt war. Ich erzählte dem Gärtner, dass ich auf diese Weise auf dem steinigen Boden in Amerika gepflanzt hätte und lud ihn ein, mich zu besuchen, wenn dieses Obst reif sein wird. Er sagte zu mir: „Sie brauchen von mir keine Einweisung, wie man diese Bäume pflanzt.“ Unsere Pflanzen waren sehr erfolgreich. Die Pfirsiche hatten äußerst schöne Farben und den leckersten Geschmack von allen Pfirsichen, die ich jemals gegessen habe. Wir bauten den großen gelben Crawford [Pfirsichsorte] und weitere Sorten an, daneben Trauben, Aprikosen, Nektarinen und Pflaumen. 

Übersetzt aus: Selected Messages Vol. 3, p. 328

Vorgehen

Die vorliegende Passage gibt ein prinzipielles Bild davon, wie man vorgehen kann, aber es bleiben auch einige Fragen offen. Wie soll man düngen? Wie tief sollte das Loch sein? Was genau ist „reichhaltige Erde“? Hier muss man sich natürlich immer nach den eigenen Gegebenheiten richten, aber ich will als Anhaltspunkt darlegen, wie wir vorgegangen sind.

Loch

Das Loch sollte tiefer und weiter sein, als üblich. Für die Obstbäume haben wir einen Durchmesser von etwa 3 Fuß (ungefähr ein Meter) und eine Tiefe von ebenso 3 Fuß gewählt. Die Büsche haben nicht so tiefe Wurzeln, deswegen waren wir hier deutlich weniger großzügig. Gerade, wenn man keinen nährstoffreichen Boden hat, sollte man darauf achten, ein großes Loch zu graben, um dem Baum einen guten Start zu ermöglichen. In steinigem und lehmigen Boden wie hier auf Matts Land ist es sehr anstrengend, ein so großes Loch zu Graben. Wir haben daher für einen Tag eine Maschine (Exkavator) gemietet, damit ging es deutlich schneller.

Reichhaltige Erde 

Dressing wird gemischt

Als Grundbestandteil haben wir die obere Schicht der Erde (top soil) verwendet. Diese ist dunkler, weniger lehmig und enthält mehr Nährstoffe. Dazu haben wir Kompost und Kuhdünger gemischt. Außerdem haben wir Blätterkompost bei der Kompostieranlage geholt und gesiebt, sodass nur der feine Kompost übergeblieben ist. Davon haben wir auch einiges beigemischt. Zunächst wollten wir Blätterkompost aus dem Wald holen (die lockere Erde unter den Bäumen), aber das war für die große Anzahl an Bäumen zu aufwändig. Bei besseren Gegebenheiten (Kiefern sollen sich dazu gut eignen) wäre dies aber unsere erste Wahl gewesen. Letztendlich sollte man die Erde, die einem zur Verfügung steht, begutachten und dann entscheiden, ob und wie man sie reichhaltiger machen möchte. Wenn ihr sehr fruchtbaren Boden (top soil) habt, müsst ihr eure Erde natürlich nicht zusätzlich anreichern. Auch sollte man auf den PH-Wert achten. Blaubeeren beispielsweise mögen saure Böden, deshalb haben wir altes Sägemehl (es sollte mindestens 3 Jahre alt sein, sonst entzieht es dem Boden Nährstoffe) sowie Fasertorf (peat moss) beigemischt. 

Dressing 

Unser Algendünger

Auch beim Düngemittel sollte man gut überlegen, was und wieviel man benutzt. Aus Prinzip haben wir nur natürliche Mittel benutzt, vor allem Steinphosphat (insgesamt 4/4 – 1 Liter), dazu auch etwa 1 Liter Kalk (aber Vorsicht, das erhöht den PH-Wert von Böden etwas und sollte daher nicht bei Pflanzen, die saure Böden mögen verwendet werden), 1,5 Liter Baumwollsaatmehl (Cottonseed Meal, das ist ein Tierfutter), 250 ml Meerwasser und etwa 100 ml Algendünger (kelp meal). Auch sollte man darauf achten, wie schnell die Zusätze ihre Wirkung entfalten. Steinphosphat zerfällt im Gegensatz zu  Phosphat aus Knochen recht langsam, weshalb wir unser gesamtes Dressing auch in die unterste Schicht von reichhaltiger Erde gegeben haben. Auch muss bedacht werden, dass bestimmte Düngemittel (z.B. der Algendünger) sehr konzentriert sind und die Wurzeln beschädigen können. Daher sollte man sich im Vorfeld über das Düngemittel informieren und den Dünger gut in der Erde verteilen. 

Weiteres

Die „Luftröhre“

In dem Video „Planting after the Blueprint“, nach dem wir uns größtenteils gerichtet haben, wird noch geraten, auf den Boden des Lochs eine „Air Pocket“, also einen Hohlraum (z.B. eine Röhre), in dem sich Luft ansammeln kann, zu legen. Ich weiß nicht, was der Sauerstoff an dieser Stelle bewirken soll (es werden hierfür in dem Video keine Gründe angeführt), aber ich wollte es erwähnt haben.

Pfirsichbaum mit Blätterkompost und Damm

Gerade in den ersten drei Jahren ist es wichtig, dass die Bäume die richtige Menge an Wasser erhalten. Am besten sind freilich natürliche Wasserquellen. Aber wenn man in einem Gebiet wohnt, in dem es Trockenzeiten gibt, und man eine größere Menge an Bäumen pflanzt, ist eine Wasserleitung fast unabdingbar. Wir haben eine Wasserleitung in die Mitte der Bäume gelegt und einen Hahn angebracht, sodass man mit dem Schlauch alle Bäume erreicht. Tipp: Man kann einen RV-Wasserfilter (für Wohnwagen) anbringen. Die sind nicht mal so teuer (10 Dollar) und halten recht lang. Außerdem kann man, wenn der Baum auf einem abschüssigen Gelände steht, einen kleinen Damm bauen (s. Bild), damit sich bei Regen eine Lache bildet und das Wasser unter dem Baum versickert.
Es ist außerdem ratsam, die Oberfläche mit organischem Material zu bedecken. Dadurch bleibt die Erde unter dem Baum länger feucht und es gelangen weitere Nährstoffe in den Boden. Wir haben alle Bäume mit ungefilterten Blätterkompost bedeckt (s. Bild) — die Regenwürmer lieben das. Die Blaubeeren wurden mit altem Sägemehl abgedeckt. Man sollte aber darauf achten, dass der Ansatz des Baumes nicht bedeckt wird, da dies das Wachstum des Baumes behindern könnte. Außerdem empfiehlt es sich, zusammen mit dem Baum auch Regenwürmer „pflanzen“. 

Die geistlichen Parallelen des Pflanzens und der Erziehung 

Als ich so über diese Methode des Pflanzens mit den vielen Schichten nachdachte, kam mir eine Parallele zum Erziehen von Kindern in den Sinn, die ich gerne mit euch teilen möchte. Wie bereits eingangs erwähnt vergleicht die Bibel im ersten Psalm einen gerechten Menschen mit einem Baum, der gut gepflanzt wurde. Die beiden Dinge scheinen also ähnlichen Prinzipien zu folgen. 

So wie der Baum langsam heranreift und wächst, so auch wir Menschen. Die Bibel vergleicht unsere Werke mit Früchten. Ein guter Baum bringt gute Frucht (vgl. Lk 6,43-45). Ob ein Baum gut oder schlecht ist liegt zunächst am Samen. Man kann nicht von einer Distel Blaubeeren pflücken. Über den Samen habe ich im letzten Beitrag einige Gedanken geteilt. Es ist wichtig, dass (auch in der Erziehung) nicht wir den Anfang machen, sondern der Anfang immer von Gott kommt. Dennoch entscheidet es sich nicht allein durch den Samen, ob man am Ende auch gute Früchte an dem Baum findet. Der zweite Faktor ist der Grund, also das, woraus der Baum mit seinen Wurzeln die Nährstoffe bezieht. Bietet der Boden ihm wenig Nährstoffe, wird er schwach und krank. Sind Gifte im Boden, wird er diese Gifte auch in seine Früchte transportieren, auch wenn sie ihm selbst vielleicht gar nicht schaden und man ihm die Gifte äußerlich nicht ansieht. (Deswegen ist es trügerisch für uns Menschen, einen Menschen nach seinen Werken zu beurteilen. Wir sollten gar nicht urteilen, siehe Lk 6,37). Dort, wo unsere Wurzeln sind (= das, womit wir uns umgeben), werden auch unsere Entscheidungen darüber, was wir tun und denken, geprägt.

In der Erziehung wird also der Grund gelegt für einen Menschen. In der ersten Phase des Lebens eines Kindes kann man nichts anderes tun als „düngen“. Das ist die erste Schicht. Das Kind bekommt durch die Muttermilch die besten Nährstoffe und wird umsorgt und umhegt, ohne etwas tun zu müssen. Ich glaube, dass sich in dieser frühen Phase schon sehr viel für unser Leben entscheidet, auch wenn wir scheinbar wenig Einfluss darauf nehmen können. 

Mit der Zeit wird der Baum kräftiger, er bildet Wurzeln und gelangt in die zweite Schicht. Ab dieser Phase fängt der Mensch an, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Auch hier wollen wir als Eltern eine gute Umgebung bieten, aber es ist wichtig, dass das Kind nicht mehr in gleicher Weise umhegt wird wie in der ersten Phase. Es muss lernen, selbst die richtigen Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu tragen.

Anschließend kommt eine dünne Schicht mit Steinen, was mit dem Erwachsenwerden vergleichbar ist. Hier mag es dem Kind so vorkommen, dass ihm Steine in den Weg gelegt werden, aber es dient zu seinem Besten. Ich glaube, dass in dieser Zeit dem Menschen sein wahrer sündhafter Zustand von Gott vor Augen geführt wird und er erkennt, dass er hoffnungslos verloren ist. Dieser Moment der Ausweglosigkeit ist schmerzhaft, aber notwendig. 

Wenn man trotz der leblosen, steinigen Aussichten weitergräbt, sich durch den Glauben tiefer in die Arme Christi fallen lässt, kommt man wieder in reichhaltige Erde und ist bereit, auch über den bereiteten Boden hinaus vorzudringen. In jeder Phase des Lebens ist es das Wasser, also der heilige Geist (s. Jh 4,13.14), das uns befähigt, voranzuschreiten, zu wachsen und Frucht zu bringen, die „aufwächst und zunimmt; und etliches trägt dreißigfältig, etliches sechzigfältig und etliches hundertfältig.“ (Mk 4,8)

Letztlich ist es aber beim Pflanzen wie beim Erziehen so, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Man kann einen jungen Baum hegen und pflegen und er geht trotzdem ein. Genauso ist kann man die leckersten Früchte an Bäumen finden, deren Same einfach in der freien Natur auf eine günstige Stelle gefallen ist. Es hatten viele der mächtigsten Diener Gottes keine christliche Erziehung. Gottes Wort kann dieses Wunder der Transformation auch ohne uns bewerkstelligen. Aber wo es möglich ist, dürfen wir als seine Arbeiter mithelfen.

Zuletzt

Es wird voraussichtlich noch einen weiteren Eintrag zu meinem Amerikaaufenthalt geben. Ich hoffe, dass ich diesen während meiner 18-Stündigen Rückreise nach Deutschland am 4. / 5 . Mai schreiben kann.  Ich werde, wie bereits erwähnt, in der kommenden Woche nach Kansas reisen — ich freue mich schon darauf, euch auch davon zu berichten. Auf eine Art bin ich etwas traurig, dass ich bald zurück nach Deutschland muss, aber auf eine andere Art bin ich auch voller Tatendrang und freue mich schon auf die kommenden Treffen und weiteren Projekte mit „Salz der Erde“. Außerdem freue ich mich sehr darauf, meine Familie wieder zu sehen. Und mein Studium will ich im Frühjahr auch abschließen… Es gibt also viel zu tun. Ich hoffe und bete, dass der Herr mir hierfür durch das Erlebte die nötige Kraft schenkt; und ebenso hoffe und bete ich, dass ich durch diesen Blog auch dir Mut und Freude machen konnte, sodass du deine kommenden Aufgaben für das Reich Gottes eifrig und demütig angehst. Und falls du auf der Suche nach Erfahrungen bist, wie ich sie hier beschrieben habe, dann lässt sich ein Aufenthalt hier sicherlich organisieren. Schreib mich einfach an (mattis@salzdererde.org) oder meldet euch bei Matt oder Demario.

Aus gegebenem Anlass bitte ich euch darum, für meine Rückreise zu beten. Momentan werden Flüge oft im letzten Moment abgesagt und Reisende manchmal in Transitländern aufgehalten (ich fliege über Island). Wir leben in aufregenden Zeiten…

Gnade und Friede von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Euer Bruder in Christus

Mattis 

4 Kommentare zu „Missionsreise #3: Anleitung zum Bäume Pflanzen und Kinder Erziehen

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