Frauen in der Gemeinde – James White

Frau mit Bibel bei der Andacht und beim Gebet

Dieser Artikel – am 25. Mai 1879 im Review and Herald erschienen – wirft neues Licht auf die Rolle der Frau in der Gemeinde. Die Unterüberschriften entstammen nicht dem Originaltext. PDF

Frauen in der Gemeinde

„ [… ] sollen die Frauen in den Gemeinden schweigen, denn es wird ihnen nicht erlaubt, zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen; denn es ist schändlich für eine Frau, in der Gemeinde zu reden.“

1. Kor 14,34-36

Relativierung der Verse nicht zulässig

Die einzig sichere und angemessene Regel biblischer Interpretation ist es, jede Stelle im Buch Gottes so zu verstehen wie sie formuliert ist, Wort für Wort, ausgenommen jene Fälle, wo Text und Kontext deutlich zeigen, dass zu einer eingehenderen Erläuterung des Themas ein Bild oder Gleichnis eingeführt wird. Im vorangestellten Text verwendet der Apostel kein Bild oder Gleichnis, weshalb seine Worte so verstanden werden sollten wie sie formuliert sind.

Scheinbarer Widerspruch

Nun gibt es gibt viele andere Stellen in den Briefen des Paulus, die ebenso klar von der Stellung der Frau im Hause und Werk Gottes sprechen wie diese es tut. Und um bei diesem Thema zur Wahrheit Gottes zu gelangen, muss eine Position gefunden werden, die alle Texte in Harmonie miteinander bringt. Das Wort Gottes ist nicht „Ja und Nein“, sondern Ja und Amen zur Ehre seines göttlichen Autors.

Weder moderner Feminismus noch reaktionäre Unterdrückung

James White

Im vierzehnten Kapitel seines Briefs an die Korinther korrigiert Paulus vorhandene Irrtümer und stellt Ordnung in der Gemeinde Christi her. Er geht sogar so weit, Regeln für diejenigen zu geben, welche unter der Kraft des Heiligen Geistes die Gabe der Prophetie und der Sprachen erhalten. Zweifelsohne gab es in den Tagen des Apostels ebenso wie heute Frauen, die wortgewandt bis widerlich über „Frauenrechte“ schwafeln konnten wie die berüchtigte Victoria Woodhull. Dazu sagt der edle Paulus im selben Brief, in dem sich der eingangs zitierte Text findet: „Ich will aber, dass ihr wisst, dass der Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, das Haupt der Frau aber der Mann, des Christus Haupt aber Gott.“ 1. Kor 11,3. Paulus fährt in den Versen 4 und 5 fort, und der Leser wird feststellen, dass er Frauen und Männer in der Stellung und in dem Werk des Lehrens und Betens in der Gemeinde Christi Seite an Seite stellt: „Jeder Mann, der betet oder weissagt und dabei etwas auf dem Haupt hat, entehrt sein Haupt. Jede Frau aber, die mit unverhülltem Haupt betet oder weissagt, entehrt ihr Haupt; denn sie ist ein und dasselbe wie die Geschorene.

Die Frau soll schweigen – aber in welcher Situation?

Doch was meint Paulus, wenn er schreibt, dass „die Frauen in den Gemeinden schweigen“ sollen? Sicherlich meint er nicht, dass Frauen nicht an jenen religiösen Versammlungen teilhaben sollen, von welchen er sagt, dass sowohl Männer als auch Frauen beten und weissagen oder den Menschen das Wort Gottes predigen. Die einzige Sichtweise, die alle Aussagen des Apostels über die Stellung und das Werk christlicher Frauen in Übereinstimmung miteinander bringt, ist diejenige, dass er Anweisungen im Hinblick auf Gemeindesitzungen gibt, in welchen es um weltliche Angelegenheiten geht, die von den Brüdern ebenso gut geführt werden können wie von den Schwestern.

Unterscheidung zwischen religiöser und weltlicher Verantwortung

Wir führen hier folgende Gründe an:

  1. Sowohl Männer als auch Frauen besuchen die Gemeindegottesdienste. Beide hören alles, was gesagt wird. Die Frau versteht das Gesagte ebenso gut wie – und manchmal besser als – ihr Ehemann. Sie kehren vom Gottesdienst zurück nach Hause. Nun wenden wir auf diese Situation Paulus‘ Aussage an: „Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen.“ Gesetzt den Fall, dass der Ehemann an einer geschäftlichen Sitzung teilgenommen hat, vielleicht um sich mit seinen Brüdern wegen des Baus eines Versammlungsraums oder der Anstellung eines Bibelarbeiters zu besprechen, für welche Angelegenheiten sie ein tiefes Interesse hat, so wird ihn die Ehefrau folgerichtiger Weise zu den Entscheidungen der Sitzung, an der sie nicht teilgenommen hat, befragen.
  2. Angenommen jedoch, dass beide eine religiöse Versammlung besucht haben, bei welcher die Ehefrau alles gehört und verstanden hat, wäre es eine lächerliche Unterstellung, der große Apostel habe gemeint, dass sich beide dann hinsetzen würden, um Fragen zu stellen und zu beantworten, wo doch beide gleich vertraut mit der Materie sind. Folgerichtigkeit, du bist ein Juwel!

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