Missionsreise #2: Vom Säen und Ernten

Was du säst, wird nicht lebendig, es sterbe denn.  
(1Ko 15,36)

Die Menschen hier

Auf dem Sugarloaf Mountain

Was mir sehr früh aufgefallen ist, ist dass die Menschen hier in Arkansas sehr offen und freundlich sind. An der Kasse unterhält man sich gerne etwas. Meist beginnt das Gespräch mit einem freundlichen (oder lustigen) belanglosen Kommentar, aber es ist nicht selten, dass sich der Austausch rasch in ein persönliches Gespräch entwickelt. Matt hat neulich erstaunlich lange gebraucht, als er nur zur Tankstelle fahren wollte. Als er zurückkam, hat er erzählt, dass er jemanden an der Tankstelle kennengelernt hat und sich für etwa eine Stunde mit ihm unterhalten hat. Er hat mit ihm auch über den Sabbat und Endzeitprophetie gesprochen. Als ich neulich mit ihm auf dem Sugarloaf Mountain (sehr schöner Ort, s. Bild) war, war dort noch ein junges Paar mit uns. Sie haben uns gleich ganz unverkrampft angesprochen. Auch hier konnten wir ein bisschen was über den Sabbat erzählen. 

Ich selbst halte mich ehrlich gesagt Fremden gegenüber meistens in höflicher Distanz. Das hat sicherlich auch kulturelle Gründe. Aber ich will mich hier nicht mit meinem Deutschsein entschuldigen. Als Christen sollten wir auf Menschen zugehen können. Daran will ich unbedingt arbeiten. Ich glaube ohnehin, die allermeisten Menschen freuen sich, wenn sie freundlich angesprochen werden.

Gemeinde in Concord

Bruder Gene singt

Wenn schon die Fremden hier in Arkansas freundlich sind, wie sind dann erst die Geschwister? Überaus freundlich. Ich wurde wirklich außerordentlich herzlich aufgenommen von den Brüdern und Schwestern. Viele haben mich gleich nach Deutschland gefragt und nach meiner Familie. Bruder Allan ist am zweiten Sabbat auf mich zugekommen und hat mich mit einem Lächeln gefragt, ob ich nicht das gute deutsche Brot vermisse. Dann hat er mir einen Vinschgauer Fladen in die Hand gedrückt, den seine Mutter, die aus Südtirol kommt, selbst gebacken hat. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so eine Spezialität hier in Arkansas bekomme! Bitte denkt doch an Allans Mutter in euren Gebeten. Allan möchte sie in die Gemeinde einladen, damit ich sie kennenlernen kann.  Vielleicht kann ich mich ja bald bei ihr persönlich für diese nette Geste bedanken.

Vor 20 Jahren hat sich die Gemeinde von der Konferenz getrennt, aber es bestehen nach wie vor viele freundschaftliche Kontakte mit Adventisten aus der Umgebung. Die Gemeinde hier ist recht klein, aber sehr ernsthaft. Die Sabbatschule zum Buch Daniel ist sehr intensiv, obwohl auch Gäste da sind (die scheinen darüber sogar sehr froh zu sein!). Besonders gut hat mir gefallen, dass die Diskussion zu Daniel 11 letzten Sabbat sehr offen und geschwisterlich verlief. Es gab Manche, die eher zu der Auslegung von Uriah Smith (Nordkönig ist die heutige Türkei) tendierten, während andere die Auslegung von James White (Nordkönig ist heute das Papsttum) präferierten. Da ich selbst in der „Eastern Question“ nicht endgültig festgelegt bin (tendiere zur geistigen Auslegung ab Vers 29), hat es mir sehr gefallen, dass sehr brüderlich und ohne fanatischen Eifer die verschiedenen Sichtweisen miteinander verglichen wurden.

Die Predigten sind auch sehr ansprechend. Letzten Sabbat hat Bruder Garry sehr eindringlich über die Gesundheitsreform gesprochen, davor hat Matt eine Predigt gehalten, in der er die letzten Momente Christi vor dem Kreuz mit den letzten Ereignissen der Weltgeschichte verglichen hat. An meinem ersten Sabbat hier hat der Gemeindeleiter Jerry über Johannes 17,3 gesprochen.

Nach dem Gottesdienst gibt es jeden Sabbat Potluck. Es gibt hier sehr viele leckere Gerichte (denkt man gar nicht als Europäer😉). Es wird hier mehr mit mit Bohnen und Mais gekocht, als bei uns und zu fast jedem Essen stehen auch Tortillachips auf dem Tisch.

Bruder Bob leitet das Bibelgespräch am Nachmittag

Nach dem Potluck gibt es häufig noch ein Bibelstudium. Dafür kommen auch immer wieder Geschwister aus den umliegenden Adventgemeinden dazu. Momentan wird die erste Engelsbotschaft studiert. Ganz besonders haben mich die Gedanken von Bruder Bob (Gemeindeleiter der Gemeinde in Heber Springs) angesprochen, der auf eine Dreiteilung der ersten Engelsbotschaft hingewiesen hat: Fürchtet Gott und gebet ihm Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen; und betet den an, der den Himmel und die Erde gemacht hat und das Meer und die Wasserquellen.“ (Off 14,7) Diese drei Dimensionen unserer Anbetung Gottes hat er mit den drei Dimensionen der Erziehung verknüpft: Der Seelischen (Geistigen), der Geistlichen und der Körperlichen. Dieser Gedanke passt auch sehr gut zu einem Gedanken von Ellen White, den wir neulich in unserem derzeitigen Andachtsbuch (Erziehung) gelesen haben: 

„Unsere Vorstellungen über Erziehung bewegen sich in einem zu engen und niederen Bereich. Wir bedürfen eines weiteren Gesichtskreises, einer höheren Zielsetzung. Wahre Erziehung heißt mehr als ein gewisses Studium verfolgen. Sie bedeutet Höheres als sich für das jetzige Leben vorbereiten. Mit der gesamten Wesenheit des Menschen befaßt sie sich und mit der ganzen Dauer des ihm ermöglichten Daseins. Sie besteht in der harmonischen Entwicklung seiner körperlichen, geistigen und geistlichen Kräfte. Sie bereitet den Lernenden für ein freudiges Dienen in dieser Welt und für die höhere Freude eines umfassenderen Dienstes in der zukünftigen vor.“ {Ez54 11.1}

Am letzten Sabbat hat Bruder Jerry das Bibelstudium zur ersten Engelsbotschaft geleitet. Er hat mit uns darüber gesprochen, was es bedeutet, Gott zu fürchten. Es geht hierbei nicht darum, Angst zu haben, sondern eher um den Aspekt des Ernstnehmens. Außerdem lenkte er unsere Aufmerksamkeit auf die Passage „denn die Stunde Seines Gerichts ist gekommen“ und es wurden spannende Gedanken zum Untersuchungsgericht ausgetauscht.

Gemüsegarten

Raul und Jodi ziehen Sprösslinge

Matt ist mit seiner Familie erst im letzten Jahr hierher gezogen. Daher ist noch einige Pionierarbeit auf dem Anwesen zu tun, was für mich natürlich ein großer Segen ist, da ich (als Stadtkind) auf diese Weise einen Einblick bekomme, wie man sich auf dem Land einrichtet. 

Wir sind beispielsweise gerade dabei, einen Gemüsegarten anzulegen. Dafür haben wir begonnen, Sprösslinge zu ziehen und einen Zaun zu bauen. Diese Woche werden wir zudem noch einige Gemüsebäume pflanzen. Dafür gibt es eine interessante Methode, die Ellen White empfohlen hat. Dafür muss man ein recht großes Loch graben, den Baum hineinsetzen und das Loch dann mit verschiedenen Schichten von reichhaltiger Erde und Steinen füllen. Ich werde anschließend genauer darüber berichten. 

Auch das Gärtnern hat eine geistige Lektion für uns Menschen. Jesus vergleicht das Reich Gottes mit einem Samen und sagt: 

Das Reich der Himmel ist gleich einem Senfkorn, welches ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; das zwar kleiner ist als alle Samen, wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als die Kräuter und wird ein Baum, so daß die Vögel des Himmels kommen und sich niederlassen in seinen Zweigen. (Mt 13,31.32)

Mir gefällt der Gedanke, dass der Same langsam, aber beständig wächst bis er zu einem Baum wird, der anderen Halt und Schutz bietet. Genau so habe ich das Reich Gottes auch in meinem Leben wahrgenommen. Es findet ein unsichtbares, aber beständiges Wachstum statt. Und es ist auf eine Art sehr beruhigend, dass Gott sich uns auf diese Weise in unseren Leben offenbart. Er „erschlägt“ uns nicht sofort mit Anforderungen. Er sät einen Samen. Es sind die kleinen Schritte, die im Bereich unserer Fähigkeiten liegen, die er uns zeigt. Und nach einiger Zeit, ohne das wir etwas bemerken würden, werden die Schritte größer. Deswegen habe ich mir angeeignet, mich weder auf das vor mir liegende auszurichten, um nicht entmutigt zu werden, nach auf das hinter mir Liegende, um mich nicht zu erheben. Ich schaue auf den Samen, auf das Wort Gottes (Lk 8,11), das mich in der Vergangenheit befähigt hat, den rechten Weg zu gehen und mich auch in Zukunft dazu befähigen wird. 

Beim Löcher Graben für den Zaun

Corona und Mission

Der Same ist nicht nur ein Symbol für das Reich Gottes und das Wort Gottes, er ist  (neben vielen weiteren Bedeutungsebenen) auch ein Symbol für die „Söhne des Reiches“ (Mt 13,38). Die Kinder Gottes sollen in die Welt ausgesät werden, um Frucht zu bringen. Beim Säen muss man sich nach den Gegebenheiten richten und Rücksicht nehmen auf Wetter, Boden, Jahreszeit und weitere Faktoren. So ist es auch beim Missionieren. Man muss anpassungsfähig sein. 

Die Einladungskarten zum Bibelstudium

Das Coronavirus hat unseren ursprünglichen Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Von Tür zu Tür gehen ist momentan leider nicht möglich, genauso wenig können wir Evangelisationen abhalten. Daher wurde das dreiwöchige Missionstraining abgesagt, was sich zunächst sicher wie ein Rückschlag anfühlt. Gerade in dieser Arbeit wollte ich dazulernen. Aber denen, die Gott lieben, dienen alle Dinge zum Guten (s. Rö 8,28). Scheinbar ist es Gott gerade wichtiger, mich im Landleben Auszubilden. Außerdem bedeuten die geänderten Umstände ja kein Einstellen der missionarischen Tätigkeiten. Wir versuchen, kreativ zu sein und uns anzupassen. Heute haben wir rund 5000 Einladungskarten für Bibelstudien fertig gemacht, die morgen an die umliegenden Haushalte verschickt werden. Ich glaube, dass dies gerade eine gute Möglichkeit darstellt, da viele Menschen Zuhause sind und Zeit haben und zudem kaum andere Werbung verschickt wird, da ja die meisten Geschäfte geschlossen sind. Ich kann nur jeden dazu ermutigen, auf seinem (in Deutschland noch erlaubten) Spaziergang Literatur oder Flyer in den Briefkästen der Nachbarn zu verteilen.

Eine weitere Möglichkeit bietet das Internet. Wir haben eine Online-Gesprächsrunde zum Coronavirus gemacht, die uns allen wirklich große Freude gemacht hat. 

Das Treffen in West Virginia, das ich im ersten Blogeintrag angekündigt habe, wurde natürlich auch abgesagt. Aber ich freue mich darüber, dass ich hier an einem so schönen Ort bin mit so lieben Geschwistern (Matts Familie ist jetzt auch hier). Ich bin Gott sehr dankbar dafür, wie er die Dinge fügt und meinen Aufenthalt hier gestaltet. 

Ich wünsche euch allen in dieser für viele von euch sicher schwierigen Zeit Gottes Nähe und himmlische Gelassenheit.

Euer Bruder in Christus

Mattis

„Tiger“ im Pfirsichbaum

5 Kommentare zu „Missionsreise #2: Vom Säen und Ernten

  1. Danke lieber Mattis,

    für den erbaulichen und interssanten Bericht und die aufbauenden Schilderungen.
    So es Gott will, werden wir dich dann bei Zeiten auch als „ausgebildeten Landwirt“ hier in Deutschland begrüßen dürfen.

    Alles Liebe, reichlich Erkenntnis und Gottes Segen,
    Ralf.

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    1. Lieber Ralf,

      es freut mich sehr, dass der Bericht für dich ein Segen war!
      Ja, ich denke in der Tat, dass das wertvolle Erfahrungen sind für später. Wir sollten so früh wie möglich aus den Städten, das zeigt uns auch die gegenwärtige Lage eindrucksvoll.

      Einen gesegneten Sabbat!
      Mattis

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