Die Zerstörung Jerusalems – Alonzo T. Jones

Vorliegender Artikel beleuchtet anhand der Zerstörung Jerusalems die Parallelen Israels, Roms und den USA in der Ablehnung des wahren Sabbats. Erschienen am 21. November 1900 in 
„The Signs of the Times“. Übersetzt von Mattis und Tobias Fichte. PDF

„Die Zerstörung Jerusalems“ von Alonzo T. Jones als Hörtext – Herunterladen
„Die Zerstörung vom Tempel Jerusalems“ – Francesco Hayez

Was die Zerstörung Jerusalems angeht, so haben wir gesehen, dass es falsche Ansichten über den Sabbat waren, die über die wahren gesetzt wurden und die Nation der Juden dazu brachten, Jesus abzulehnen, zu verfolgen und umbringen zu wollen; dass es diese Ablehnung Seiner Person war, die die Zerstörung verursacht hat. Sie lehnten Ihn ab und brachten Ihn um, auf dass nicht die Römer kämen und ihnen sowohl ihr Land als auch ihre Nation wegnähmen. Ihre Ablehnung des Sabbats des Herrn und damit dessen, der der Herr des Sabbats war und ist, führte den Ruin dieser Nation herbei.

Es ist hier nicht wichtig, näher auf die Details der Zerstörung Jerusalems und der jüdischen Nation einzugehen; sie sind wohlbekannt. Vielmehr geht es in unserem Studium hier darum, herauszufinden, welcher Zusammenhang zum großen Thema des zweiten Kommens unseres Herrn und dem Ende der Welt besteht. Lasst uns dieses Thema bis zum Ende verfolgen.

Ein Mittel zur Zerstörung

Alonzo T. Jones

Das Mittel zur Zerstörung Jerusalems und der jüdischen Nation waren die römischen Truppen: „Wenn ihr aber Jerusalem von Heerscharen umzingelt seht, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe gekommen ist!“ Die einzigen Truppen, die es zu jener Zeit gab, waren die römischen Truppen, denn „das römische Imperium füllte die Welt“. Und die römischen Truppen, die Jerusalem in der Erfüllung der durch Lukas aufgezeichneten Worte Jesu belagerten (Lk 21,20), waren der „Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist“, stehend „an heiliger Stätte“, in der Erfüllung der Worte Jesu, die von Matthäus aufgezeichnet wurden (Mt 24,15). Wenn nun der „Gräuel der Verwüstung“, von dem Daniel, der Prophet, gesprochen hat, einmal die Bühne der Geschichte und der Prophetie betritt, wird er bis zum Kommen des Herrn und dem Ende der Welt bleiben.

Man beachte, dass Daniel in der Vision (Dan 7,7-11) ein viertes Tier sah, ein viertes
Königreich, welches Rom ist, „furchtbar und schreckenerregend“; „und es hatte zehn Hörner“. Als Daniel die zehn Hörner betrachtete, „stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor, und drei von den ersten Hörnern wurden vor ihm ausgerissen; und siehe, an diesem Horn waren Augen wie Menschenaugen und ein Mund, der große Worte redete“.

Daniel sah dieses „kleine Horn“, wie es handelte und redete, bis „einer, der alt war an Tagen, sich setzte“, und „[d]as Gericht setzte sich, und Bücher wurden geöffnet“. Und zu der Zeit des Gerichts sagt er: „Dann schaute ich wegen der Stimme der großen Worte, die das HORN REDETE; ich schaute, bis das Tier getötet und sein Leib zerstört und dem Brand des Feuers übergeben wurde“.

Er achtete wohlgemerkt auf das „kleine Horn“. Er betrachtete das „kleine Horn“ zur Zeit des Gerichts, und es erregte besonders wegen der „großen Worte, die das Horn redete“, seine Aufmerksamkeit. Und er betrachtete es weiter, bis – das Horn zerstört wurde? – Nein, sondern „bis das Tier getötet und sein Leib zerstört und dem Brand des Feuers übergeben wurde“. Damit ist völlig klar, dass das „kleine Horn“ nichts anderes als die Fortsetzung des Tiers ist, nur in anderer Form; das „kleine Horn“ ist so deutlich eine Fortsetzung des Geistes, der Eigenschaften und der Macht „des Tiers“, dass Daniel, als der Moment der Zerstörung des kleinen Horns gekommen ist, schreibt, DAS TIER wurde getötet und sein Leib zerstört, anstelle zu sagen, das Horn wurde zerstört. Somit wird also vollkommen deutlich, dass das Tier von dem Moment an, als es auftaucht, bis zum Kommen des Herrn und dem Ende der Welt fortbestehen wird, nur in einem anderen Stadium.

Wiederum: In Daniel 8,9-12 und 23-25 wird dieselbe Macht ebenfalls als „kleines Horn“ symbolisiert, das „übermäßig groß“ wurde; und es bleibt eindeutig bestehen bis zum Ende der Welt, wenn es bei der Aufrichtung von Gottes ewigem Königreich „ohne eine Hand“ zerbrochen wird, wenn der Stein losbricht, nicht durch Hände, der alle Königreiche der Erde zermalmt. Und in dieser Prophezeiung von Daniel 8 wird diese Macht unmittelbar mit dem „entsetzlichen Verbrechen“ in Verbindung gebracht, während in Daniel 11,31 und 12,11 dieselbe Macht deutlich als „verwüstender Gräuel“ bezeichnet wird. Und all diese Stellen verbindet, dass es bis zur „Zeit des Endes“ bzw. sogar bis zum Ende fortbesteht.

Und wiederum: Daniel 11,4 markiert das Zusammentreffen der Ereignisse, die den historischen und prophetischen Boden für die römische Macht bereiten. Und wenn die römische Macht auf den Plan tritt, sagt das Wort, dass es geschieht, „um die Vision zu erfüllen“ – „Gewalttätige deines Volkes [KJV: Kinder von Räubern] werden sich erheben, um die Vision zu erfüllen [KJV: aufzurichten]“. Das zeigt, dass die römische Macht der große Gegenstand der Vision ist; dass, welche Ereignisse auch immer dem Aufstieg dieser Macht vorausgehend beschrieben werden, diese nur als bestimmte Trittsteine gegeben sind bis zu der Zeit, zu der diese Macht aufkommen sollte. Und mit dem Erscheinen dieser Macht erscheint der eigentliche Gegenstand der Vision – die Vision wurde aufgerichtet. Und wenn diese Macht einmal die Szene betreten hat, bleibt sie in der einen oder anderen Gestalt bestehen bis zur Zeit des Kommens des Herrn und dem Ende der Welt.

Indem Jesus also den „Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist“ zitierte, wies Er auf dasjenige hin, was bis zum Kommen des Herrn und dem Ende der Welt fortbestehen würde. Und dass Jesus diese Macht in seiner Rede mit den Zeichen Seines Kommens und dem Ende der Welt in Verbindung bringt, bestätigt, dass ihr Werdegang Aufschluss gibt über Sein Kommen und das Ende der Welt. Und indem Er diese Macht als diejenige anführt, die Verrat an Jerusalem begehen würde, bestätigt Er, dass die Zerstörung Jerusalems Aufschluss gibt über Sein Kommen und das Ende der Welt. Nun war es ihre Ablehnung des Herrn Jesus, die die Zerstörung ihrer Stadt und Nation durch die römische Macht über dieses Volk brachte – der „Gräuel der Verwüstung“. Und durch die schlichte Betrachtung der Evangelien haben wir gesehen, dass die Ablehnung des göttlichen Gedankens des Sabbats des Herrn zu ihrer Ablehnung des Herrn des Sabbats führte. Sie verfolgten Ihn und suchten, wie sie Ihn töten könnten, bis sie Ihn getötet hatten, um die Nation vor den Römern zu retten, verursachten dadurch jedoch gerade die Zerstörung durch die Römer.

Und dann, im späteren Verlauf ihrer Geschichte, lehnte diese römische Macht selbst, dieser Gräuel der Verwüstung, zur Zeit des Aufkommens des „kleinen Horns“ aus Daniel 7,8 den göttlichen Sabbat ab, um eine ganz menschliche Vorstellung des Sabbats aufzurichten. Sie lehnten den wahren Sabbat ab und richteten einen völlig verkehrten auf, indem sie den Tag des Herrn, den von Gott geschaffenen und eingesetzten Sabbattag, sogar durch einen anderen Tag – den Sonntag – ersetzten. Diejenigen, die dies taten, sagten: „Alle Verpflichtungen, die mit dem Sabbattag verbunden waren, haben WIR auf den Sonntag übertragen“. Die römische Macht erließ Gesetze, um alle dazu zu zwingen, den falschen Sabbat anstelle des richtigen zu akzeptieren. Alle, die den Sabbat des Herrn beobachteten, galten als „von Christus verflucht“, und wer den falschen nicht akzeptierte, wurde des Sakrilegs für schuldig befunden und sah sich den Strafen der römischen Macht – dem Gräuel der Verwüstung – ausgesetzt.

Was war nun die Folge dieser zweiten Verwerfung des Sabbats des Herrn und damit des Herrn des Sabbats? Was kam über die zweite Nation, die dies tat? – Sie endete gleichermaßen im Ruin und wurde ebenso vollständig von dieser Erde gefegt wie die jüdische Nation, die als erste den Himmel auf diese Weise herausforderte. Das Römische Reich wurde eben so vollständig zerstört wie die jüdische Nation.

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