Dieser Aufsatz wurde von Tobias Fichte erstellt. PDF
Vorbemerkung

Gottes Wort ist Wahrheit – dementsprechend beschönigt die Bibel nichts, sondern stellt Ereignisse und Sachverhalte so dar, wie sie gewesen sind, oder (in den prophetischen Texten) wie sie kommen werden. Neben den Verheißungen und Tröstungen, den Zusagen von Gnade und Vergebung, sind im Evangelium auch Warnungsbotschaften und zuweilen deutlicher Tadel enthalten, jedoch nicht, um den Wahrheitssuchenden Angst einzuflößen, sondern um ihnen den Ernst der Lage zu verdeutlichen; nicht, um Zweifelnde zu entmutigen, sondern um so viele Menschen wie möglich zu retten. Wir haben einen Gott, der nicht will, „dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen“ (2. Petrus 3,9), und er hat die Welt so sehr geliebt, „dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat“ (Johannes 3,16).
Die biblische Endzeit-Prophetie sagt den Aufstieg und Untergang von Weltmächten, religiösen und ökonomischen Systemen voraus, die heute existieren. Damit ist jedoch nicht das Schicksal aller Menschen gemeint, die gegenwärtig diesen Gruppen angehören. Vielmehr hat Gott den Menschen mit der Fähigkeit ausgestattet, seinem Gewissen folgend Entscheidungen zu treffen. Insofern geht es nicht um die Verurteilung von Menschen, sondern darum, dass Jesus seinen Nachfolgern in Zeiten unübersichtlicher Verhältnisse durch das biblische Wort eine entscheidende Hilfe gibt, Täuschungen zu erkennen und die Wahrheit zu wählen.
Einleitung
Eines der großen Rätsel im Buch der Offenbarung ist das in Kapitel 17 beschriebene scharlachrote Tier, auf dem eine Frau sitzt:
Und er führte mich im Geist hinweg in eine Wüste; und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das voller Lästernamen war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte.
Offenbarung 17,3
Bevor die Frau in den Blick genommen wird, soll zunächst das Tier betrachtet werden (Anmerkung 1). Wie der in Offenbarung 12 erscheinende feuerrote Drache und auch das Tier aus dem Meer in Kapitel 13 hat es sieben Köpfe und zehn Hörner (zu letzteren ebenfalls später). Die richtige Deutung dieser unnatürlichen Symbol-Wesen und ihrer Attribute, vor allem der augenscheinlichen Entsprechungen der jeweils sieben Köpfe und zehn Hörner, gibt prophetische Aufschlüsse über geschichtliche Verläufe des christlichen Zeitalters bis zum Ende der Weltgeschichte (Anmerkung 2).
Anmerkung 1
Eine der Grundlagen für die folgende Deutung der behandelten Texte ist das Buch Der große Konflikt (auch: Der Große Kampf zwischen Licht und Finsternis oder Vom Schatten zum Licht) von E.G. White.
Anmerkung 2
Das Tier geht erst ins Verderben, wenn es in der letzten großen Auseinandersetzung der Weltgeschichte Christus und seinem Heer unterliegen und in den Feuersee geworfen wird (Offenbarung 19,20).
Hier ist der Verstand 〈nötig〉, der Weisheit hat: Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt. Und es sind sieben Könige: 10 Die fünf 〈ersten〉 sind gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muss er eine kurze Zeit bleiben. 11 Und das Tier, das war und nicht ist, es ist selbst sowohl ein achter als auch von den sieben und geht ins Verderben.
Offenbarung 17,9-11
Viele Beiträge haben bereits zur Auslegung der vorliegenden Symbolik bzw. der gesamten Vision beigetragen (Anmerkung 3). Diese entsprechen sich in wesentlichen Zügen, wenngleich manche Einzelheiten auch voneinander abweichen. Die folgenden Gedanken basieren auf diesen aufschlussreichen Darlegungen und unternehmen eine aktualisierte Beleuchtung bestimmter Details.
Anmerkung 3
Eine Auswahl wertvoller Kommentare zum Buch der Offenbarung:
Uriah Smith (1897): Daniel and the Revelation. Battle Creek: Review and Herald Publishing Company.
Francis D. Nichol (Hg.) (1980): The Seventh Day Adventist Bible Commentary Bd.7. Philippians to Revelation. Hagerstown: Review and Herald Publishing Association.
Siegfried Wittwer (2006): Die Offenbarung Jesu Christi. Darmstadt: Stimme der Hoffnung.
Ranko Stefanovic (2009): Revelation of Jesus Christ. Second Edition. Berrien Springs: Andrews University Press.
Ángel M. Rodríguez (Hg.) (2024): Andrews Bible Commentary. Berrien Springs: Andrews University Press.
Zwei „Schlüssel“ sollen als Ausgangspunkte für später folgende Überlegungen dienen: Die Identität des Drachens, der in Offenbarung 12 erscheint, sowie Prinzipien der Auslegung biblischer Prophetie, die sich aus den Darstellungen im achten Kapitel des Buchs Daniel ergeben.
Der Drache in Offenbarung 12
Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel: Und siehe, ein großer, feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner und auf seinen Köpfen sieben Diademe hatte …
Offenbarung 12,3

Die Identität des Drachens wird noch im selben Kapitel geklärt: Er ist „die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird“ (12,9). Der Drache, die Schlange (vgl. Psalm 91,13), war seit der Verführung des ersten Menschenpaars die ganze Weltgeschichte hindurch aktiv, und im zwölften Kapitel der Offenbarung werden wesentliche Züge seiner Aktivitäten während des christlichen Zeitalters beschrieben. Es werden die Grundzüge historischer Entwicklungen über einige Jahrhunderte hinweg zunächst anhand symbolischer Darstellungen zusammengefasst und in den darauffolgenden Kapiteln sodann näher erläutert.
In Offenbarung 12 sind drei Phasen deutlich zu unterscheiden:
- Die Zeit des Römischen Reichs (12,4.5 mit einer Beschreibung des Versuchs, den Sohn Gottes zu vernichten, als er auf die Erde kam)
- Die Phase der Verfolgung der aufrichtig Gläubigen (welche durch die Frau dargestellt werden) während des Mittelalters (12,6.13-16)
- Der Krieg gegen die „Übrigen“, die Nachkommen der Frau, am Ende der Weltgeschichte (Off 12,17)
Bemerkenswert ist, dass Michael (nach Daniel 12,1 „der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt“, also Christus) und seine Engel den Drachen und dessen Engel – offensichtlich vor der zweiten Phase – besiegen, auf die Erde werfen und das himmlische bzw. geistliche Reich Christi aufrichten (12,10). Somit ist zwar eine Vorentscheidung im großen Kampf zwischen Licht und Finsternis gefallen; der Kampf ist aber dennoch nicht zu Ende, denn der Drache stellt dem Volk Gottes auf der Erde weiterhin nach. Es ist ihm immer noch möglich, gegen die Heiligen Krieg zu führen und sie sogar zu überwinden (vgl. 13,7). In den Kapiteln 13 und 17 wird deutlich, dass er sich dabei irdischer Mächte bedient, zumal ihm die dort dargestellten „Tiere“ sehr ähneln: „Sieben Köpfe und 10 Hörner“ (siehe oben); „redete wie ein Drache“ (13,11). Der Drache ist offensichtlich der Inbegriff des prophetischen Tiers. Satan ließ sich in Form des Goldenen Kalbs (dessen Vorbild antike Tier-Gottheiten waren) anbeten und ist der König jeder götzendienerischen bzw. gottlosen weltlichen Macht (vgl. Jesaja 14; Hesekiel 28).
Von besonderer Bedeutung für die biblische Prophetie sind jene Nationen, die Weltreiche waren oder heute noch sind und eine aktive Rolle bei der Verfolgung von Gottes Volk spielen. Hier kommen dem Bibelleser zunächst die vier Großmächte in den Sinn, die im Buch Daniel durch verschiedene Symbole dargestellt werden: Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom (Daniel 2, 7 und 8). Bevor wir diese Spur zu einer Deutung der sieben Häupter des Drachens bzw. des Tiers weiterverfolgen, soll noch der bereits erwähnte zweite „Schlüssel“ erläutert werden.
Prinzipien der Prophetie-Auslegung am Beispiel von Daniel 8

Der Umbruch der Verhältnisse vom Alten hin zum Neuen Bund durch das Leben, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi sowie die anschließende Inthronisierung des Sohnes Gottes im Himmel (Offenbarung 5) brachten markante Veränderungen der Situation von Gottes Volk auf der Erde mit sich. Dieses Volk war nun nicht mehr in einer irdischen Nation verankert wie vormals Israel bzw. Juda, sondern es bestand fortan aus Gläubigen aller Nationen, die als Nachfolger Jesu zum geistlichen Reich Gottes zählen (Johannes 18,36). Damit wurde in besonderer Weise offenbar, dass der Konflikt zwischen Gut und Böse, der zu Zeiten des Alten Testaments immer wieder auch mit kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und seinen Feinden einherging, eigentlich ein geistlicher Kampf ist (Epheser 6,12-18)(Anmerkung 4), welcher spätestens seit der christlichen Zeitenwende auch nicht mehr zwischen irdischen Nationen ausgefochten wird (wenngleich es z.B. in evangelikalen Kreisen dazu andere Auffassungen geben mag). Welche Konsequenzen hat dieser Übergang für die Deutung von Prophezeiungen wie etwa derjenigen in Daniel 8, die in der Zeit des persischen Weltreichs im 6. Jh. v. Chr. ihren Anfangspunkt hat (Vers 20) und bis zum Ende der Weltgeschichte reicht (Verse 17 und 25)?
Anmerkung 4
Konsequenter Weise wird die Zeit des Neuen Bunds auch „Dispensation des Heiligen Geistes“ genannt (E.G. White, Review and Herald, 2. März 1897).
Unter Berufung auf die prophetischen Bücher glaubte das Volk Israel daran, dass eines Tages der Messias (d.h. der Gesalbte) kommen, ihre Nation als irdisches Königreich Israel wiederherstellen und zum mächtigsten Reich der Erde machen würde. Nachdem Jesus von Nazareth diese Erwartungen nicht erfüllte, lehnte ihn die Führungselite und in deren Gefolge die Mehrheit des jüdischen Volkes ab. Nur wenige erkannten die geistliche Dimension des wahren göttlichen Reiches, obwohl diese durch Propheten bereits deutlich offenbart worden war (vgl. Jeremia 31,31-34). Christus, der häufig Texte des Tanachs (d.h. des Alten Testaments) zitierte, wies ausdrücklich darauf hin, dass die „wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden“ (Johannes 4,21-24).
Im Zuge der wachsenden Erkenntnis in der Zeit des Endes (wie in Daniel 12,4 vorausgesagt) haben seit dem 19. Jahrhundert vor allem der Adventbewegung angehörende Ausleger darauf hingewiesen, dass jene alttestamentarischen prophetischen Ereignisse, die sich auf das christliche Zeitalter beziehen, eine besondere geistliche Dimension haben. Dies soll hier am Beispiel von Daniel 8 exemplarisch verdeutlicht werden:
Und aus dem einen von ihnen kam ein einzelnes Horn hervor, 〈zunächst〉 klein, aber es wurde übermäßig groß gegen Süden und gegen Osten und gegen die Zierde. 10 Und es wuchs bis an das Heer des Himmels, und es warf 〈einige〉 von dem Heer und von den Sternen zur Erde herab und zertrat sie. 11 Selbst bis an den Obersten des Heeres wuchs er 〈empor〉. Und er nahm ihm das regelmäßige 〈Opfer〉 weg, und die Stätte seines Heiligtums wurde gestürzt. 12 Und ein 〈Opfer〉dienst wurde verbrecherisch gegen das regelmäßige 〈Opfer〉 eingerichtet. Und 〈das Horn〉 warf die Wahrheit zu Boden und hatte Erfolg.
Daniel 8,9-12

Die oben erwähnten Kommentatoren sind sich hier weitgehend einig: Das kleine Horn, das überaus groß wurde, stellt zunächst das Römische Reich dar. Es unterwarf u.a. das griechische Seleukiden-Reich und 63 v.Chr. auch Judäa („gegen die Zierde“). Mit der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. führte Rom schließlich das Ende der jüdischen Nation herbei („die Stätte seines Heiligtums wurde gestürzt“). Darüber hinaus jedoch trifft die Beschreibung des kleinen Horns auch in einem geistlichen Sinn auf den Nachfolger des weltlichen Rom, das Papsttum zu, das dem obersten des Himmelsheeres (Anmerkung 5) das Regelmäßige (auch übersetzt als das Beständige) „wegnimmt“, indem es die biblische Wahrheit durch die Vermischung mit heidnischen religiösen Praktiken zu Boden wirft und damit Erfolg hat. Der im Buch Daniel mehrmals erwähnte Gräuel der Verwüstung (Anmerkung 6) bezieht sich je nach Kontext sowohl auf die Zerstörung des historischen Jerusalems und seines Tempels als auch auf den Angriff auf den wahren christlichen Gottesdienst bzw. auf diejenigen, die diesen aufrecht erhalten wollen. Beides, die Zerstörung der Jüdischen Nation und die Verfolgung der wahren Christen, geschah zunächst durch das heidnische Rom, und beide Gruppen (Juden und bibeltreue Christen) wurden durch dessen Erben, des geistlichen Rom, unter der Führung des Papsttums zusammen mit seinen verbündeten europäischen Staatsmächten, das ganze Mittelalter hindurch weiterhin drangsaliert.
Anmerkung 5
Damit ist eindeutig der Engelsfürst Michael, also Jesus Christus, gemeint.
Anmerkung 6
Daniel 7,23; 8,13; 9,18; 9,27; 11,31; 12,11
Der Auslegung von William Miller folgend wird das „Tägliche“ von einigen Kommentatoren bis heute als das Heidentum gedeutet, welches durch das kleine Horn „gestürzt“ wurde. Ohne an dieser Stelle näher auf diese Frage einzugehen, vertritt der vorliegende Ansatz dagegen die Auffassung, dass das „Tägliche“ oder „Beständige“ den wahren Gottesdienst darstellt, der durch das kleine Horn „zur Zertretung preisgegeben wird“ (Daniel 8,13).
Am Ende der Zeit werden die entsprechenden Kräfte noch einmal dieselben Absichten verfolgen, und die Bibel betont, dass dieser Vorgang die Welt in großes Staunen versetzen wird:
Offenbarung 13,3.4
Und ich sah einen seiner Köpfe wie zum Tod geschlachtet. Und seine Todeswunde wurde geheilt, und die ganze Erde staunte hinter dem Tier her. 4 Und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und sie beteten das Tier an und sagten: Wer ist dem Tier gleich? Und wer kann mit ihm kämpfen?
Auf diese Weise erklärt sich die doppelte Anwendung des „Gräuels der Verwüstung“, wie sie Jesus in seiner ‚Endzeitrede‘ vornimmt:
Matthäus 24,15.16.21.22
Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist, an heiliger Stätte stehen seht – wer es liest, der merke auf! –, 16 dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen […] 21 Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. 22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden.
In diesen Darlegungen überlagern sich die Zerstörung Jerusalems durch die Truppen des römischen Thronerben Titus im Jahr 70 n. Chr. und die Bedrohung des endzeitlichen Gottesvolks durch das geistliche Rom. Dies gibt wertvolle Aufschlüsse im Hinblick auf die geistliche Bedeutungsebene der Prophetie für die christliche Ära im Allgemeinen und die Endzeit im Besonderen.
Schlussfolgerungen für die Deutung der sieben Häupter des Drachens
Dem ersten „Schlüssel“ zufolge deutet also vieles darauf hin, dass die sieben gekrönten Häupter des Drachens sieben Reiche darstellen, anhand welcher er seine Königsherrschaft über die Erde beansprucht und das Volk Gottes bekämpft hat. Welche könnten diese sieben Mächte sein? Sowohl in der antiken als auch mittelalterlichen und neuzeitlichen Geschichte gab es zahlreiche Nationen, die eine besondere Vormachtstellung behaupteten, und so weichen die Zuordnungen der verschiedenen Kommentatoren mehr oder weniger voneinander ab. Manche zählen Ägypten und Assyrien als Unterdrücker Israels dazu; andere beziehen Mächte der Neuzeit wie das Britische Empire mit ein, das auf seinem Höhepunkt ein Viertel der gesamten Landfläche der Erde beherrschte, oder die Sowjetunion, die das Christentum heftig unterdrückt und verfolgt hat. Was läge jedoch näher, als davon auszugehen, dass die Bibel sich selbst auslegt und die Antwort auf diese Frage in Gottes Wort selbst zu finden ist?
Satans alleiniger Anspruch auf die irdische Königsherrschaft wurde in augenfälliger Weise in dem Moment wirksam, als das von Gott eingesetzte, davidische Königtum aufhörte zu existieren. Dies war der Fall, als Jerusalem das erste Mal erobert und der salomonische Tempel von den Babyloniern im Jahr 587 v.Chr. zerstört wurde. Der Prophet Hesekiel, der unter den nach Babylon weggeführten Juden war, verkündete zu jener Zeit folgendes:
Hesekiel 31,31.32
So spricht der Herr, HERR: Weg mit dem Kopfbund, und fort mit der Krone! Nichts bleibt, wie es ist. Das Niedrige soll erhöht und das Hohe erniedrigt werden! 32 Zu Trümmern, Trümmern, Trümmern mache ich es. Auch das bleibt nicht – bis der kommt, dem das Recht gehört; dem gebe ich es.
Hier ist weltgeschichtlich der Beginn einer Abfolge von Weltreichen bzw. Großmächten anzusetzen, die erst endet, wenn „der kommt, dem das Recht gehört“: wenn Jesus Christus sein Königreich bei seiner Wiederkunft in Besitz nimmt.
Die ersten vier Reiche werden bereits im Buch Daniel vorausgesagt und beschrieben, ihre Deutung ist einhellig (s.o.):
- Babylon
- Medo-Persien
- Griechenland
- Rom
Aus den prophetischen Bildern (Daniel 2, 7 und 8), die diese vier Weltreiche darstellen, wird deutlich, dass Rom bis zum Schluss existiert: Die Mächte, welche die weitere – biblische – Weltgeschichte prägen sollten (zehn Zehen des Standbilds aus Daniel 2 entsprechend den zehn Hörnern des vierten Tiers aus Daniel 7), werden als historische bzw. kulturelle Erben Roms dargestellt, durch welche Satan fortan gegen das geistliche Israel streiten würde.
Der zweite „Schlüssel“ legt zudem nahe, dass die drei verbleibenden Häupter des Drachens Ideologien mit zunehmend globaler Wirkung repräsentieren, zumal das Volk Gottes nach der Zeitenwende kein nationales Zentrum mehr haben und sich zunehmend vor allem in der nach-römischen Welt ausbreiten sollte.
Bezeichnenderweise werden im Buch der Offenbarung, der neutestamentlichen Entsprechung, Fortsetzung und Vertiefung der Visionen Daniels, noch genau drei weitere Reiche oder Mächte als prophetische Tiere eingeführt, sodass sich die Summe der Siebenzahl mit den Häuptern des Drachens deckt. Über ihre Identität sind sich die adventistischen Ausleger wiederum einig: Das Tier aus dem Meer (13,1ff) stellt das Papsttum dar, das Tier aus dem Abgrund(11,7) das Frankreich der Revolution und das Tier aus der Erde (13,11ff) die USA. Die vier zuvor im Buch Daniel dargestellten Weltreiche stehen religionsgeschichtlich in einer kontinuierlichen Tradition des antiken Polytheismus; die drei Tiere im Buch der Offenbarung repräsentieren die drei wesentlichen geistigen Strömungen des Abendlands. Für die Häupter Fünf bis Sieben ergibt sich demnach folgende Zuordnung:
- Papsttum / Kirchenstaat: Römischer Katholizismus
- Revolutionäres Frankreich: Aufklärung; Säkularismus / Spiritualismus
- USA: abgefallener Protestantismus
Die besondere Bedeutung dieser drei Mächte oder Strömungen für die abendländische Geistesgeschichte werden schon daran deutlich, dass sie sprachlich das Europa bzw. die Welt darüber hinaus jeweils in ihrer Ära präg(t)en: das Latein des Mittelalters, das Französisch der Aufklärung und Englisch als Weltsprache unserer Zeit.
Das römisch-katholische System der Inquisition verfolgte über Jahrhunderte Millionen von vermeintlich oder tatsächlich Andersdenkenden sprichwörtlich; zum anderen verdunkelte die päpstliche Kirche mit ihrer stark vom antiken Heidentum beeinflussten Lehren kraft ihrer Stellung unzähligen Menschen bis heute den Zugang zum Evangelium.
Der nach dem Ende des Mittelalters aufkommende „Wettstreit“ zwischen der Reformation einerseits der Aufklärung andererseits um die Ablösung der Vormachtstellung des Katholizismus schien spätestens mit der Französischen Revolution zugunsten der Aufklärung entschieden. Jene Nation, die protestantische Bewegungen wiederholt brutal bekämpft hatte (Albigenserkreuzzug 1209-1229, Bartholomäusnacht 1572, Vertreibung der Hugenotten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts), stellte nun – in ähnlicher Radikalität gegen den katholischen Adel und Klerus vorgehend – als erster Staat Europas eine säkularistische Gesellschaftsordnung bzw. Gesetzgebung auf. Damit fügte Frankreich dem Tier aus dem Meer eine tödliche Wunde zu (13,3): Die politische Macht des Papsttums war vorerst stark eingeschränkt, und es begann eine neue Ära, in der Kirche und Staat getrennt werden sollten. Doch auch der sich auf die Bibel gründende Protestantismus sah sich zunehmend geschwächt. Nach und nach griff in Europa die Säkularisierung um sich; Denken, Bildung und gesellschaftliches Leben orientierten sich trotz der Beibehaltung äußerlicher Formen von Religiosität zunehmend an Wissenschaft und als solchen verstandenen Fortschritt.

Beispiele für spätere Vertreter antireligiöser Ideologien, unter welchen aufrechte Christen teils heftige Verfolgungen erleiden mussten, sind die kommunistische Sowjetunion mit ihren (zwangs-) verbündeten Sattelitenstaaten oder der deutsche Nationalsozialismus. Gleichwohl spielte innerhalb dieser neuen, dem Anschein nach materialistischen Systeme, transzendentales Gedankengut eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wer sich mit den persönlichen Überzeugungen führender Nationalsozialisten oder auch Kommunisten beschäftigt, wird feststellen, dass diese nicht selten von spiritualistischen Einflüssen geprägt waren. Dies traf und trifft noch heute, wenn auch unter verschiedensten ideologischen Vorzeichen, auf zahlreiche, vielfältig geschätzte „Vordenker“ zu, seien es Politiker, Philosophen, Künstler oder Naturwissenschaftler. Aus gegenwärtiger Perspektive ist festzustellen, dass Satan in über 200 Jahren des Säkularismus und Spiritualismus im „christlichen Abendland“ ganze Arbeit geleistet hat: Den Kirchen haben einen Großteil ihrer geistlichen Kraft eingebüßt. Die Mehrheit ihrer Mitglieder führt einen weltlichen Lebenswandel, ist den dämonischen Einflüssen der Unterhaltungsindustrie weitgehend ausgeliefert und kaum mehr mit biblischen Grundlagen vertraut. –
In der prophetischen Abfolge der sieben Häupter des Drachens bzw. des Tiers (Offenbarung 12, 13 und 17) steht das siebte gegenwärtig noch aus. Dieses wird dem fünften ähneln, welches zwar eine tödliche Wunde erhielt, daraufhin jedoch eine Heilung erfährt (13,3; 17,8.11). Das siebte Haupt, das nur „eine kurze Zeit“ bleibt (17,10), wird dem geheilten Tier aus dem Meer ein Bild machen (13,14.15), d.h. das protestantische Amerika wird ein scheinchristliches, postdemokratisches Regime mit ökumenischer Ausrichtung aufrichten, maßgeblich beeinflusst durch die evangelikalen Kirchen, gleichzeitig die Autorität des Papsttums anerkennend. Politisch gesehen wird diese Bewegung jene Kräfte sowohl national wie global relativieren, die noch das sechste Haupt (Säkularismus / Demokratie / Trennung von Kirche und Staat) repräsentieren. Entwicklungen in diese Richtung zeichnen sich bereits deutlich ab: Während nicht nur in Europa rechtskonservative bzw. nationalistische Kräfte auf dem Vormarsch sind, kündigt sich in den USA – getragen durch die Bewegung der „Neocons“, in welcher kirchliche Einflüsse eine bedeutende Rolle spielen – eine Zeitenwende an. Auch innerhalb der römisch-katholischen Kirche „brodelt“ es: Konservative Aktivisten und Initiativen fordern allerorts die Rückbesinnung auf die traditionellen Ordnungen sowohl die Glaubenslehre als auch das staatskirchliche Selbstverständnis betreffend, und prangern unerhört offen modernistische Attitüden der Kirchen an. Unterdessen kommen sich „amerikanischer“ Protestantismus und „europäischer“ Katholizismus immer näher – die ursprünglichen Verhältnisse stehen Kopf.
Die Auswirkungen von Klimapolitik, Corona-Krise, immer bedrohlicher werdenden Finanz- und Wirtschaftskrisen sowie der (Stellvertreter-) Kriege im Nahen Osten, in der Ukraine und weiteren Regionen dürften das Ihrige zu einer bevorstehenden Neuordnung der Welt beitragen. Diese wird sich jedoch anders gestalten, als so mancher sich den „Great Reset“ vorstellen mag, denn die unausweichliche globale Zentralisierung von Macht wird, so sagt es die Bibel, einhergehen mit einer ungeahnten Wiederbelebung kirchlicher Einflüsse in einer postmodernen Vereinigung mit verschiedensten religiösen und ideologischen Strömungen.
Die 10 Hörner
Entsprechend den 7 Häuptern dürften auch die 10 Hörner des Drachens denjenigen des Tiers entsprechen:
Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, das zehn Hörner und sieben Köpfe hatte, und auf seinen Hörnern zehn Diademe, und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung. […] 7 Und es wurde ihm gegeben, mit den Heiligen Krieg zu führen und sie zu überwinden; und es wurde ihm Macht gegeben über jeden Stamm und jedes Volk und jede Sprache und jede Nation. […] 10 Wenn jemand in Gefangenschaft ⟨geht⟩, so geht er in Gefangenschaft; wenn jemand mit dem Schwert getötet wird, so muss er mit dem Schwert getötet werden. Hier ist das Ausharren und der Glaube der Heiligen.
Offenbarung 13,1.7.10
Dass in der Beschreibung des Tiers in Offenbarung 13 nun die Hörner Kronen haben, legt nahe, dass es das Tier ist, das den durch die Hörner repräsentierten Nationen zur Macht verhilft. So trug für die Verfolgung der Heiligen das Papsttum die Hauptverantwortung, doch an der Ausführung waren auch einige europäische Königreiche beteiligt, dargestellt durch die zehn Hörner.
Dass in der Beschreibung des Tiers in Offenbarung 13 nun die Hörner Kronen haben, legt nahe, dass es das Tier ist, das den durch die Hörner repräsentierten Nationen zur Macht verhilft. So trug für die Verfolgung der Heiligen im Mittelalter das Papsttum zwar die Hauptverantwortung, doch die Ausführung erfolgte mithilfe der politischen Kräfte der europäischen Königreiche, dargestellt durch die zehn Hörner. Während diese in Daniel 7 die spätantiken Vorläufer dieser Nationen darstellen (Anmerkung 7), müssen sie in Offenbarung 17 deren endzeitliche Nachfolger repräsentieren (Kronen werden nicht mehr erwähnt, vgl. 17,3; sie erhalten jedoch „Gewalt wie Könige für eine Stunde mit dem Tier“, vgl. 17,12). Auf der Grundlage der neuzeitlichen Kolonialisierung von Gebieten aller Erdteile durch europäische Reiche und angesichts der globalen Machtausübung des Tiers in der Endzeit (13,7.8) sind die entsprechenden Mächte nun auf der ganzen Welt aktiv. Dementsprechend werden diese Verbündeten des Tiers in der letzten Auseinandersetzung der Weltgeschichte als „Könige der Erde“ identifiziert:
Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Truppen versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinen Truppen Krieg zu führen.
Offenbarung 19,19
Anmerkung 7
Hunnen, Ostgoten, Westgoten, Franken, Vandalen, Sueben, Burgunden, Heruler, Angelsachsen und Langobarden
Zur Deutung der Frau auf dem Tier
Johannes‘ Vision in Offenbarung 17 enthält eine Gesamtschau jenes Bündnisses, das am Ende gegen das Volk Gottes vorgeht – die Frau, das Tier und die zehn Hörner:
Und es kam einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten, und redete mit mir und sprach: Komm her! Ich will dir das Gericht über die große Hure zeigen, die an vielen Wassern sitzt 2 mit der die Könige der Erde Unzucht getrieben haben; und die Bewohner der Erde sind trunken geworden von dem Wein ihrer Unzucht. 3 Und er führte mich im Geist hinweg in eine Wüste; und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das voller Lästernamen war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte. 4 Und die Frau war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelgestein und Perlen, und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voller Gräuel und Unreinheit ihrer Unzucht; 5 und sie hatte an ihrer Stirn einen Namen geschrieben, ein Geheimnis: Babylon, die Große, die Mutter der Huren und der Gräuel der Erde. 6 Und ich sah die Frau trunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu. Und ich wunderte mich, als ich sie sah, mit großer Verwunderung. […] 12 Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, sind zehn Könige, die noch kein Königreich empfangen haben, aber mit dem Tier eine Stunde Macht wie Könige empfangen. 13 Diese haben einen Sinn und geben ihre Kraft und Macht dem Tier.
Offenbarung 17,1-6.12.13

Die Einleitung durch den Engel ist von Bedeutung für die Einordnung der anschließend geschilderten Vision. Es ist einer der Engel, die im vorangehenden Kapitel 16 die Zornesschalen Gottes (die letzten sieben Plagen) ausgossen, der eine Darstellung des Gerichts über die große Hure ankündigt. Nach der symbolischen Darstellung der antichristlichen Koalition der Endzeit wird en détail beschrieben, wie der Untergang dieses Bündnisses geschehen wird, und zwar erst ganz am Ende, wie aus der Beschreibung der siebten Zornesschale ersichtlich wird (16,19). Das Bündnis zerbricht, indem das Tier und die zehn Hörner die Frau zerstören (17,16), und erst daraufhin werden das Tier (offensichtlich samt seiner Hörner) und der falsche Prophet im Zuge ihrer Niederlage gegen Christus und sein Heer in den Feuersee geworfen (19,19.20). Einer solch expliziten symbolischen Aufteilung zwischen den Kirchen (Hure) und den Staatsmächten (Tier und Hörner) begegnen wir in den vorigen Kapiteln noch nicht. Sie erfolgt hier einmalig, wohl um zum einen darzustellen, dass das Bündnis der religiösen und staatlichen Institutionen schließlich durch innere Konflikte ein gewaltsames Ende finden wird, und zum anderen offenbar, um zu betonen, dass den Kirchen als den Hauptverantwortlichen für die Verführung der Menschen noch vor den staatlichen und wirtschaftlichen Gewalten ein besonderes Gericht widerfährt.
Hier ist der Verstand 〈nötig〉, der Weisheit hat: Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt. Und es sind sieben Könige: Die fünf 〈ersten〉 sind gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muss er eine kurze Zeit bleiben.
Offenbarung 17,9.10
Der eingangs erläuterte Zusammenhang legt nahe, dass die Ordnung der Köpfe des Tiers analog zu der des Drachens zu verstehen ist. Der Hinweis, dass fünf dieser Könige schon gefallen sind, einer gerade regiert und ein weiterer noch kommt, deutet darauf hin, dass die Siebenzahl der Köpfe nicht nur eine symbolische Vollständigkeit zum Ausdruck bringt, sondern konkrete historische Bezüge hat. Dass Johannes in der Vision die Frau gerade in jener Phase auf dem Tier sitzen sieht, in welcher der sechste Kopf (im Zeitalter der Aufklärung, repräsentiert durch das Tier aus dem Abgrund, 11,7) regiert, deutet besonders darauf hin, dass in diesem säkularistischen – und insofern historisch außergewöhnlichen – Zeitabschnitt Kirche und Staat institutionell getrennt sind. Die Kirchen sind somit im Bild nicht doppelt dargestellt, wie es während der Regentschaft des fünften (Katholizismus) oder siebten (Pseudo-Protestantismus) Haupts der Fall wäre, da kirchliche und politische Mächte in diesen Phasen ja nicht getrennt sind. Außerdem erhält die Charakterisierung einer abgefallenen Kirche als „Buhlerin“ (nach der Übersetzung der Simon-Bibel) auf diese Weise besonderen Nachdruck, da sie sich sogar mit atheistischen bzw. spiritualistischen Mächten gemein machen kann.
Noch einmal zu den Weltreichen, dargestellt durch das Tier bzw. seine Häupter:
Und das Tier, das war und nicht ist, es ist selbst sowohl ein achter als auch von den sieben und geht ins Verderben.
Offenbarung 17,11
Das Tier selbst, das „sowohl ein achter als auch von den sieben“ ist, „geht ins Verderben“. Das Tier als solches wird folglich durch eines der sieben Häupter repräsentiert, das schon einmal da war, eine tödliche Wunde erlitt, aber wieder geheilt wurde: das Papsttum, der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ (2. Timotheus 2,3). Im Kampf gegen Gottes Volk am „Ende der Zeitalter“ (1. Korinther 10,11) brachte Satan das geistliche Rom hervor, den „Sohn des Verderbens“, der wie durch eine Geburt die Weltbühne betritt (Offenbarung 13,1) und bis zum Schluss bleibt (Anmerkung 8). Jene anderen „Häupter“, die die politische Macht später eine Zeit lang übernehmen, können oder wollen sich dennoch nicht von seinem Einfluss lösen und sind wenig mehr als seine Ableger. So erklärt es sich, dass in jener Statue, die König Nebukadnezar im Traum sah (Daniel 2), nach dem heidnischen Römischen Reich (Schenkel aus Eisen) nur noch die tönernen Füße kommen, mit Eisen vermengt, auf welchen Satans Weltgebäude steht. Während das Eisen die römisch-kirchliche Macht repräsentiert, entspricht der Ton der zehn Zehen aus dem Traum wohl den zehn Hörnern als Darstellung politischer Mächte. In der biblischen Prophetie bleibt also (das geistliche) Rom der Hauptgegner der treuen Christen, am Ende im Bündnis mit weiteren Nationen, die sich ihm unterordnen, sowie dem falschen Propheten, den USA.
Anmerkung 8
Satan bot diese Stellung Christus an, als er ihn in der Wüste versuchte (Matthäus 4,1-11), indem er Ihm die Reiche der Welt geben würde, wenn Christus ihn anbetete.
Diese werden am Ende sämtlich in den Feuersee geworfen:
Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Truppen versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinen Truppen Krieg zu führen. 20 Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet – der mit ihm war und die Zeichen vor ihm tat, durch die er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und sein Bild anbeteten –, lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. 21 Und die Übrigen wurden getötet mit dem Schwert, das aus dem Mund dessen hervorging, der auf dem Pferd saß; und alle Vögel wurden von ihrem Fleisch gesättigt.
Offenbarung 20,19-21

Die politische Macht der USA wird demnach zusammen mit derjenigen des ‚auferstandenen‘ römischen Kirchenstaats bis kurz vor dem Ende bestehen bleiben. Die Schilderungen in Offenbarung 20 legen nahe, dass das Gericht an der Hure (den abgefallenen Kirchen) zwar schon früher, wenngleich auch nicht lange vor der Wiederkunft Christi erfolgt. Nachdem das Volk Gottes eine Phase weltweiter Verfolgung erleidet und eine Zeit großer Trübsal durchlebt, in welcher die Welt es für die chaotischen Entwicklungen in Natur, Wirtschaft und Gesellschaft verantwortlich machen will, greift Gott ein, indem er sieben „letzte Plagen“ über die Verfolger bringt. Während die Kräfte der Natur verrückt spielen, entstehen erbitterte Auseinandersetzungen, in welchen u.a. Arme gegen Reiche aufbegehren und die Menschen, die sich von den religiösen Führern getäuscht sehen und erkennen, dass sie verloren sind, gegen ihre falschen Hirten vorgehen (18,6-10). Diese Ereignisse werden in kurzer Folge, teilweise auch gleichzeitig, passieren, bis Jesus der Geschichte dieser Welt ein Ende setzen und mit großer Macht und Herrlichkeit in den Wolken des Himmels wiederkommen wird (19,11-21).
Schlussbemerkung
Am Ende wird die ganze Welt – mit Ausnahme der Übrigen, „die die Gebote Gottes und den Glauben Jesu bewahren“ (Offenbarung 14,12) – dem System Babylon unterworfen und damit ein Teil von ihm sein:
Denn von dem Wein der Wut ihrer Unzucht haben alle Nationen getrunken, und die Könige der Erde haben Unzucht mit ihr getrieben, und die Kaufleute der Erde sind durch die Kraft ihrer Üppigkeit reich geworden.
Offenbarung 18,3
In diesem antitypischen Babylon gibt es wohlgemerkt eine Hierarchie. Die von Satan angeführten, abgefallenen ‚christlichen‘ Kirchen (allen voran die römisch-katholische) stehen an der Spitze, gefolgt von den Staats-, Wirtschafts- und Finanzmächten der westlichen Industrienationen. Satan wird in der Bibel „König von Babylon“ genannt (Jesaja 14); die römische Kirche wird als „Babylon, die Große, die Mutter der Huren“ (17,5) bezeichnet, was impliziert, dass sie Töchter hat: Die protestantischen Kirchen sind zu ihren Nachkommen geworden (13,14). Wenn man zudem die Schilderungen des Gerichts über Babylon in Offenbarung 18 liest, wird deutlich, wie sehr in Babylon auch Staatswesen, Kultur und Wirtschaft inbegriffen sind:
[…] Denn in einer Stunde ist der so große Reichtum verwüstet worden. Und jeder Steuermann und jeder Küstenfahrer und Schiffsleute und alle, die auf dem Meere beschäftigt sind, standen weitab 18 und riefen, als sie den Rauch ihres Brandes sahen, und sprachen: Wer war der großen Stadt gleich? 19 Und sie warfen Staub auf ihre Häupter und riefen weinend und trauernd und sprachen: Wehe, wehe! Die große Stadt, in der alle, die Schiffe auf dem Meere hatten, reich wurden von ihrer Kostbarkeit! Denn in einer Stunde ist sie verwüstet worden.
Offenbarung 18,17-19
Je nach Fokus können unter ‚Babylon‘ also entweder die römisch-katholische Kirche, (zusätzlich) die abgefallenen protestantischen Kirchen, oder aber die Gesamtheit der gesellschaftlichen Systeme jener Staaten verstanden werden, in welchen Kirchen, Regierungen und Handel in einer unheiligen, globalen Allianz kooperieren (13,7.8.16.17).
Entscheidend für die Errichtung des endzeitlichen Babylons, wie es wohl durch kein Bild der Bibel so drastisch dargestellt wird wie durch die Frau auf dem Tier, wird die Vereinigung der drei geistigen Mächte sein, die zunächst nacheinander die abendländische Geschichte seit der Spätantike geprägt haben, und die sich kurz vor dem Ende zu einer zwar nur kurzfristigen, aber umso mächtigeren globalen Einheit zusammenschließen:
„Wenn einmal der Protestantismus seine Hand über die Kluft streckt, um die Hand der römischen Macht zu ergreifen, wenn er über den Abgrund hinweg die Hände des Spiritismus umfasst, wenn unter dem Einfluss dieser dreifachen Vereinigung die USA jeden Grundsatz ihrer Verfassung als einer protestantischen und republikanischen Regierung verwerfen und Vorkehrungen zur Verkündigung päpstlicher Unwahrheiten und Irrtümer treffen, dann können wir wissen, dass die Zeit für das außergewöhnliche Wirken Satans gekommen und das Ende nahe ist.“
E.G. White, Aus der Schatzkammer der Zeugnisse (Band 2), S. 132












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