Dieser Artikel von John Nevis Andrews erschien am 6. März 1855 im Review and Herald. Er ist der zweite Teil einer dreiteiligen Reihe zur dreifachen Engelsbotschaft aus Offenbarung 14. Der Text wurde von Tobias Fichte übersetzt. Die Zwischenüberschriften entstammen nicht dem Ursprungstext, sondern wurden nachträglich der besseren Übersicht wegen eingefügt. PDF
DIE DREI ENGEL VON OFFENBARUNG 14,6-12
VON J.N. ANDREWS
(Fortsetzung)
Der zweite Engel
„Und ein anderer, zweiter Engel folgte und sprach: Gefallen, gefallen ist das große Babylon, das mit dem Wein seiner leidenschaftlichen Unzucht alle Nationen getränkt hat.“ (Offenbarung 14:8)

Was stellt der Fall Babylons dar? Diejenigen, die behaupten, dass das Babylon der Offenbarung die Stadt Rom sei, antworten, dass der Fall Babylons der Brand Roms sei; während diejenigen, die Babylon nur zu einem Symbol der römischen Kirche machen, antworten, dass dieser Fall der Verlust ihrer bürgerlichen Macht sei – der Fall der Frau vom Tier. Wir widersprechen diesen beiden Positionen und glauben, dass der Fall Babylons ein moralischer Fall ist und dass er ihre Ablehnung als Institution [engl. body] durch Gott bedeutet. Dass der Fall Babylons nicht der Brand Roms ist, geht aus den folgenden Tatsachen hervor:
1. Der Ruf „Geht aus ihr heraus, mein Volk“, ertönt nach der Ankündigung, dass sie gefallen ist (Offenbarung 18:2.4). Es ist daher offensichtlich, dass Babylon nach seinem Fall existiert und dass sich das Volk Gottes immer noch in seiner Mitte befindet. Daher ist es offensichtlich, dass sich ihr Fall von ihrer Zerstörung unterscheidet.
2. Wenn es heißt: „Geht aus ihr heraus, mein Volk“, wird als Begründung hinzugefügt, „damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und dass ihr nicht von ihren Plagen empfangt.“ Ihr Sturz hatte stattgefunden; aber sie existierte immer noch, um gegen Gott zu sündigen, und ihre Plagen lagen noch in der Zukunft; daher waren ihr Sturz und ihre Zerstörung völlig unterschiedliche Ereignisse.
3. Wenn ihre Plagen in Vers 8 genannt werden, sollen es Tod, Trauer und Hungersnot und völlige Zerstörung durch Feuer sein. Ihre Plagen lagen zum Zeitpunkt ihres Sturzes noch in der Zukunft; folglich ist ihr Fall nicht ihre Zerstörung durch Feuer. Zwischen diesen beiden Ereignissen flüchtet das Volk Gottes aus ihr.
4. Der Brand Roms würde nicht dazu führen, dass diese Stadt zum Hort böser Geister und zum Käfig jedes unreinen und hasserfüllten Vogels wird. In der Tat wird die einzige wirksame Reinigung, die diese böse Stadt jemals erfahren wird, durch Feuer erfolgen. Diese Tatsachen beweisen deutlich, dass der Fall Babylons nicht der Brand Roms ist. Darüber hinaus haben wir klar bewiesen, dass Rom nicht das Babylon der Apokalypse ist, was in diesem Punkt ausreicht.
Ablehnung durch Gott
Dass der Fall Babylons nicht der Verlust der weltlichen Macht durch die päpstliche Kirche ist, beweisen die folgenden Tatsachen eindeutig:
1. Dies würde den Engel dazu veranlassen, zu sagen: Babylon ist gefallen, das heißt, es hat seine weltliche Macht verloren, weil es alle Nationen von seinem Wein trinken ließ. Eine solche Aussage wäre falsch; denn gerade dadurch erlangte sie ihre Macht.
2. Babylon wird infolge seines Sturzes zur Behausung jedes unreinen Geistes und zum Käfig jedes unreinen und hasserfüllten Vogels (Offenbarung 18:1, 2). Es wäre völlig absurd, dies als Folge ihres Verlusts der Staatsmacht darzustellen.
3. Die größte Absurdität erscheint jedoch in dieser Tatsache, dass sie Offenbarung 18,1-4 dazu veranlasst, eine Schlussfolgerung wie dieses auszudrücken: Babylon hat seine weltliche Macht verloren; darum geht aus ihr heraus, mein Volk.
Wir sehen, dass der Fall Babylons ihre Ablehnung durch Gott bedeutet. Dass der Heilige Geist sie infolge ihrer Entfremdung von Gott und der Vereinigung mit der Welt verlässt und dass sie somit den Geistern der Dämonen überlassen wird. Zur Veranschaulichung beziehen wir uns auf den Fall der jüdischen Gemeinde, der Hure in Hesekiel 16. Dieser Fall wird in Römer 11 deutlich dargestellt. Seine Einzelheiten können Matthäus 21:43 und 23, 12:43-45 entnommen werden. Dieser Sturz bedeutete ihre Ablehnung durch Gott: Ihre Vernichtung wurde um eine beträchtliche Zeit hinausgezögert.
1. Die Art der Gründe, die für den Fall Babylons angeführt werden, beweist, dass es sich um einen moralischen Fall handelt. Denn sie hat die Nationen mit ihrem Wein betrunken gemacht. Mit anderen Worten: Es ist ihre Bosheit, die dazu geführt hat, dass Gott sie abgelehnt hat.
2. Die Folgen ihres Sturzes bezeugen, dass dieser Sturz ihre Ablehnung durch Gott und nicht ihre Zerstörung bedeutet. Denn ihr Fall führt dazu, dass sie zum Hort böser Geister und zum Käfig unreiner und verhasster Vögel wird. Dies zeigt, dass Gott sie starken Täuschungen ausgeliefert hat. Aus diesem Grund ruft die Stimme vom Himmel: „Geht aus ihr heraus, mein Volk.“
Die Irrlehren Babylons
Die Ursache für den Fall Babylons wird folgendermaßen dargelegt: „Sie ließ alle Nationen vom Wein des Zorns ihrer Unzucht trinken.“ Ihre Unzucht war ihre ungesetzliche Verbindung mit den Königen der Erde. Der Wein ist dasjenige, womit die Kirche die Nationen der Erde berauscht hat. Es gibt nur eine Sache, auf die sich das beziehen kann; nämlich falsche Lehre. Diese Hure hat infolge ihrer rechtswidrigen Verbindung mit den Mächten der Erde die reinen Wahrheiten der Bibel verfälscht und mit dem Wein ihrer falschen Lehre die Nationen berauscht. Ein paar Beispiele ihrer Verfälschung der Wahrheiten der Bibel müssen genügen:
1. Die Lehre von der natürlichen Unsterblichkeit der Seele. Diese wurde aus der heidnischen Mythologie abgeleitet und durch angesehene Konvertiten aus dem Heidentum, die zu „Kirchenvätern“ wurden, in die Gemeinde eingeführt. Diese Lehre macht den Tod, den letzten Feind des Menschen, zum Eingangstor endloser Freude und vernachlässigt die Auferstehung als eine Sache von untergeordneter Bedeutung. Es ist die Grundlage des modernen Spiritualismus.
2. Die Trinitätslehre, die in der Kirche durch das Konzil von Nizza im Jahr 325 n. Chr. etabliert wurde. Diese Lehre zerstört die Persönlichkeit Gottes und seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. Die berüchtigten Maßnahmen, anhand welcher sie der Kirche aufgezwungen wurde und die in den Buchseiten der Kirchengeschichte erscheinen, könnten jeden Gläubigen dieser Lehre zum Erröten bringen.
3. Die Korrumpierung der Taufordnung. Das Begräbnis in der Taufe ist das von Gott autorisierte Gedenken an das Begräbnis und die Auferstehung unseres Herrn. Dies wurde durch Besprengen oder Begießen ersetzt, um nur einer Sache zu gedenken, nämlich der Torheit und Anmaßung des Menschen.
4. Die Änderung des vierten Gebots. Das heidnische Fest des Sonntags wurde von der Kirche durch den Ruhetag des Herrn ersetzt. Die Bibel lehrt deutlich, dass der geheiligte Ruhetag des Herrn das von Gott autorisierte Gedenken an die Ruhe Jehovas vom Werk der Schöpfung ist. Aber die Kirche hat diesen auf den ersten Tag der Woche verlegt, um ihn zum Gedenken an die Auferstehung unseres Herrn zu machen, und zwar anstelle der Taufe, welche wiederum zur Besprengung geändert wurde.
5. Die Lehre von tausend Jahren Frieden und Wohlstand vor dem Kommen des Herrn. Diese Lehre wird wahrscheinlich den Untergang ebenso vieler Seelen bewirken wie jede Irrlehre, die jemals zum Fluch für die Kirche wurde.
6. Die Lehre vom Erbe der Heiligen über die Grenzen von Zeit und Raum hinaus. Aufgrund dieser Fabel haben sich viele Menschen von der biblischen Sichtweise des ewigen Königreichs auf der neuen Erde abgewendet.
7. Die geistliche Wiederkunft. Es ist bekannt, dass die große Mehrheit der Religionslehrer und Kommentatoren der Gegenwart offen die Ansicht vertritt, dass die Wiederkunft Christi, wie sie in Matthäus 24 dargelegt wird, bei der Zerstörung Jerusalems stattfand; und auch, dass er das zweite Mal kommt, wann immer jemand stirbt.
8. Das Recht, Menschen in Knechtschaft zu halten und sie zu kaufen und zu verkaufen, wird jetzt von den führenden Theologen der meisten Konfessionen im Alten und Neuen Testament auf die überzeugteste Weise dargelegt; und einige der angesehensten und geschicktesten reimen sich dies anhand der goldenen Regel zusammen. Die bekennende Kirche ist in erschreckendem Maße der rechte Arm der Sklavenmacht, und unsere eigene Nation ist ein perfektes Beispiel für die Sache der Sklaverei, für eine Nation, die vom Wein Babylons betrunken ist. Dieses berüchtigtste Gesetz, das „Gesetz über flüchtige Sklaven“, wurde von unseren angesehensten Theologen als gerechte Maßnahme bestätigt.
9. Schließlich die Herabsetzung des Maßstabs der Frömmigkeit in den Staub. Dies ist so weit gegangen, dass die Massen glauben gemacht werden, dass „jeder, der sagt: Herr, Herr, in das Himmelreich eingehen wird“. Als Beweis dafür könnte ich mich auf fast jeden Grabstein oder jede Beerdigungsansprache berufen.
Gott setzte die Gemeinde ein, um das Licht der Welt zu sein, und ordnete gleichzeitig an, dass sein Wort das Licht der Gemeinde sein sollte. Aber wenn die Gemeinde dem in sie gesetzten Vertrauen untreu wird und die reinen Lehren des Evangeliums verfälscht, ist die natürliche Folge, dass die Welt von ihrer falschen Lehre berauscht wird. Dass sich die Nationen der Erde gegenwärtig in einem solchen Zustand befinden, ist zu offensichtlich, als dass man es leugnen könnte. Die Welt ist berauscht vom Streben nach Reichtum und Ehre, aber die Sünde liegt vor der Tür der Gemeinde; denn die Gemeinde billigt, was der Herr strikt verboten hat und ist darin ein Beispiel für die Welt. Wenn die Kirche die Welt nicht mit dem Wein ihrer falschen Lehren berauscht hätte, würden die klaren Wahrheiten der Bibel die öffentliche Meinung mächtig bewegen. Aber die Welt scheint vom Wein Babylons hoffnungslos betrunken zu sein.
„Geht aus von ihr…“
Zur Zeit der ersten Engelsbotschaft befand sich das Volk Gottes in Babylon; denn die Ankündigung des Falls Babylons und der Ruf „Geht aus ihr heraus, mein Volk“, erfolgte, nachdem die erste Ankündigung vernommen wurde. Auch hier haben wir ein äußerst entschiedenes Zeugnis dafür, dass Babylon sowohl protestantische als auch katholische Kirchen umfasst. Unzweifelhaft befand sich das Volk Gottes zum Zeitpunkt der Verkündigung der Stunde des Gerichts in allen Volkskirchen. Und diese Tatsache ist ein höchst eindrucksvolles Zeugnis dafür, aus wem oder was die große Stadt der Verwirrung besteht. Paulus hat das Babylon der Apokalypse und die Pflicht des Volkes Gottes in Bezug darauf mit einem Wort in 2. Timotheus 3:1-5 gut beschrieben. „Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, schändlich, haltlos, zuchtlos, dem Guten feind, Verräter, unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Ausschweifungen mehr als Gott; sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie; solche Menschen meide!“ Wer würde es wagen, diese Beschreibung auf die katholische Kirche zu beschränken?
Die Verkündigung der Stunde des Gerichts Gottes und des unmittelbaren Kommens des Herrn war zugleich die Prüfung der Gemeinde und das Mittel, durch das sie hätte geheilt werden können. Sie war die Prüfung der Gemeinde, denn sie zeigte, dass ihr Herz bei der Welt und nicht bei ihrem Herrn war. Denn als ihr die Beweise seiner unmittelbaren Ankunft vorgelegt wurden, lehnte sie die Nachricht mit Verachtung ab und klammerte sich noch fester an die Welt. Aber es hätte das Mittel sein können, sie zu heilen. Hätte sie es angenommen, was für ein Werk hätte es für sie bewirkt! Ihre unbiblische Hoffnung auf eine weltliche Herrschaft, ihre falsche Sicht auf die Wiederkunft, ihre unredliche Rechtfertigung von Unterdrückung und Bosheit, ihr Stolz und ihre Anpassung an die Welt, das alles wäre hinweggefegt worden. Leider wurde diese Warnung des Himmels abgelehnt! Um mit dem Gleichnis zu sprechen (Lukas 14): Niemand, der diesen ersten Aufruf zum Hochzeitsmahl in seinem Herzen abgelehnt hat, wird jemals als Gast an diesem Tisch erscheinen. Da das letzte Mittel, das der Himmel bereithielt, um Babylon zu heilen, versagt hatte, überließ Gott sie dem Begehren ihres eigenen Herzens.
Es ist bekannt, dass in unmittelbarem Zusammenhang mit der Verkündigung der Stunde des Gerichts Gottes überall in unserem Land die Ankündigung des Falls Babylons erfolgte. Sein Zusammenhang mit der Adventsbotschaft wird durch das Folgende von Elder Himes vom 29. August 1844 in McConnellsville, O., gut zum Ausdruck gebracht.

„Als wir 1840 mit dem Werk begannen, mit Bruder Miller den ‚Mitternachtsruf‘ zu verkündigen, hatte er bereits neun Jahre lang Vorträge gehalten. Während dieser Zeit war er fast auf sich allein gestellt. Aber seine unaufhörliche Arbeit bewirkte Erweckungen von Religionsgelehrte für die wahre Hoffnung des Volkes Gottes und die notwendige Vorbereitung auf das Kommen des Herrn zu erwecken; ebenso Erweckungen unter allen Bevölkerungsschichten der Unbekehrten zum Bewusstsein für ihren verlorenen Zustand und der Pflicht zur sofortigen Reue und Bekehrung zu Gott als Vorbereitung darauf, dem Bräutigam bei seiner Ankunft in Frieden zu begegnen. Dies waren die großen Ziele seiner Arbeit. Er unternahm keinen Versuch, Menschen zu einer religiösen Gruppierung oder Partei zu bekehren. Daher arbeitete er unter allen Parteien und Gruppen, ohne sich in deren Organisation oder Regeln einzumischen, in der Überzeugung, dass die Mitglieder der verschiedenen Gemeinschaften ihre Stellung behalten und sich gleichzeitig innerhalb dieser Verhältnisse auf die Ankunft ihres Königs vorbereiten und für die Erlösung der Menschen arbeiten könnten bis zur Erfüllung ihrer Hoffnung. Als wir von der Wahrheit der bevorstehenden Wiederkunft überzeugt waren und die Lehre öffentlich annahmen, vertraten wir dieselben Ansichten und verfolgten den gleichen Weg innerhalb der verschiedenen Gruppen, in welchen wir nach der Vorsehung Gottes zur Arbeit berufen waren. Wir sagten den Pastoren und Gemeinden, dass es nicht unserer Absicht entspreche, sie durcheinander zu bringen oder zu spalten. Wir hatten ein klares Ziel, und das bestand darin, den „Schrei“ auszusenden, die Warnung vor dem „Gericht vor der Tür“, und unsere Mitmenschen dazu zu bringen, sich auf das Ereignis vorzubereiten. Die meisten Pastoren und Gemeinden, die uns ihre Türen öffneten, und unsere Brüder, die die Adventslehre verkündeten, arbeiteten bis zum letzten Jahr mit uns zusammen. Die Geistlichen und Mitglieder, die sich unsere Mühen zunutze machten, die Lehre jedoch nicht aufrichtig angenommen hatten, sahen ein, dass sie sich entweder an die Lehre halten und sie predigen und aufrechterhalten mussten, oder in der unmittelbar bevorstehenden Krise Schwierigkeiten mit den fest entschlossenen Gläubigen haben würden. Sie entschieden sich daher gegen die Lehre und beschlossen, das Thema mit verschiedenen Vorgehensweisen zu unterdrücken. Dies brachte unsere Brüder und Schwestern in eine äußerst schwierige Lage. Die meisten von ihnen liebten ihre Gemeinden und wollten nicht daran denken, sie zu verlassen. Aber als sie verspottet, unterdrückt und auf verschiedene Weise von ihren früheren Vorrechten und Freuden ausgeschlossen wurden, und als ihnen die „Speise zur rechten Zeit“ vorenthalten wurde und von Sabbat zu Sabbat der Sirenengesang von „Frieden und Sicherheit“ in ihren Ohren erklang, wurden sie bald von ihren Gruppenzuzgehörigkeiten entwöhnt und erhoben sich in der Majestät ihrer Stärke, schüttelten das Joch ab und riefen: „Kommt heraus, mein Volk.“ Diese Lage der Dinge brachte uns in eine schwierige Position. 1. Weil wir uns dem Ende unserer prophetischen Zeit näherten, in der wir erwarteten, dass der Herr sein ganzes Volk in Einheit versammeln würde. 2. Wir hatten immer eine andere Lehre gepredigt, und jetzt, da sich die Umstände geändert hatten, wurde es von uns als unehrlich angesehen, wenn wir uns im Ruf der Trennung und Auflösung jener Kirchen vereinten, die uns und unsere Botschaft zuvor empfangen hatten. Wir zögerten daher und handelten weiter nach unserer ersten Auffassung, bis die Gemeinde und die Leitung die Angelegenheit so weit trieben, dass wir aus Gottesfurcht gezwungen waren, eine Position zur Verteidigung der Wahrheit und der unterdrückten Kinder Gottes einzunehmen .
Ein apostolisches Beispiel für unseren Kurs: ‚Er ging aber in die Synagoge und predigte frei und offen drei Monate lang, lehrte und überzeugte sie von dem Reich Gottes. Als aber einige verstockt waren und nicht glaubten und vor der Menge übel redeten von dem Weg, trennte er sich von ihnen und sonderte auch die Jünger ab und redete täglich in der Schule des Tyrannus.‘ Erst als sich einige verhärteten und vor der Menge schlecht über diesen Weg (das Kommen des Herrn) redeten, wurden die Brüder dazu bewegt, hinauszugehen und sich von den Kirchen zu trennen. Sie konnten dieses „böse Reden“ der „bösen Diener“ nicht ertragen. Und die Kirchen, die den Kurs des Widerstands und des „bösen Redens“ gegenüber denen verfolgen konnten, die nach der „seligen Hoffnung“ suchten, waren für sie nichts anderes als die Töchter des mystischen Babylons. Sie nannten sie auch so und erlangten die Freiheit des Evangeliums. Und auch wenn wir vielleicht nicht alle darüber einig sind, woraus Babylon besteht, sind wir uns doch einig über die sofortige und endgültige Trennung von allen, die sich dem bevorstehenden Kommen und dem Reich Gottes widersetzen. Wir glauben, dass es um Leben und Tod geht. Es ist der Tod, mit jenen Körperschaften in Verbindung zu bleiben, die leichtfertig über das Kommen des Herrn sprechen oder sich ihm widersetzen. Es ist Leben, aus allen menschlichen Traditionen herauszutreten, auf dem Wort Gottes zu stehen und täglich auf die Erscheinung des Herrn zu warten. Deshalb sagen wir jetzt allen, die in irgendeiner Weise mit dem Joch der Knechtschaft verstrickt sind: „Kommt aus ihrer Mitte und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt das Unreine nicht an, und ich werde euch aufnehmen und werde ein Vater für euch sein, und ihr werdet meine Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige.“ 2. Korinther 6:17, 18.“. Advent Herald.
Geistlicher Verfall der Kirchen
Die eigenen Aussagen der Kirchen aus dem Jahr 1844 reichen aus, um die Tatsache ihres Untergangs zu belegen. Im Congregational Journal ist zu lesen:
„Bei einem kürzlichen Treffen des Presbyteriums von Philadelphia erklärte Rev. Mr. Barnes, Pastor der Ersten Presbyterianischen Kirche in Philadelphia, dessen Aufzeichnungen in unseren Familien und Sabbatschulen so häufig verwendet werden, dass er seit zwanzig Jahren im Dienst sei, und bis zur letzten Abendmahlfeier die heilige Handlung nie vollzogen hatte, ohne für die Gemeinde mehr oder weniger zu empfangen. Aber jetzt gibt es keine Erweckungen, keine Bekehrungen, kaum sichtbares Wachstum in der Gnade bei den Lehrern, und niemand, der in sein Arbeitszimmer kommt, um über die Erlösung seiner Seele zu sprechen. Mit der Zunahme des Geschäftslebens und den sich aufhellenden Aussichten für Handel und Industrie nimmt auch die weltliche Gesinnung zu. So ist es bei allen Konfessionen.“
Der Christian Palladium vom 15. Mai 1844 schreibt in den folgenden, traurigen Tönen: „In alle Richtungen hören wir den schmerzlichen Klang, der in jeder Brise des Himmels weht und kühl ist wie die Windstöße der Eisberge des Nordens – der sich niederlässt wie ein Albtraum in der Brust der Furchtsamen, und die Kräfte der Schwachen aufsaugt; dass Lauheit, Spaltung, Anarchie und Verwüstung die Grenzen Zions bedrohen. Vielleicht ist es so. Was dann? Tun wir gut, wie die heulenden Frauen der alten Zeit, unser Fleisch – unsere Haare – zu zerreißen, und die ganze Atmosphäre mit unserem Wehklagen zu erfüllen? Es sind erst ein paar Monate vergangen, seit die gesamte Ausdehnung unseres weitläufigen Landes von triumphierenden Freudenschreien erfüllt war, die von den Flügeln zahlreicher religiöser Zeitschriften getragen wurden und spontan aus jedem christlichen Herzen überströmten. Alle Münder stimmten in die Rufe der Siege des Kreuzes und die triumphalen Lieder der Erlösten ein. Und jetzt ist die ganze Szene so verändert?“
„GROSSER GEISTLICHER MANGEL. – Es ist eine beklagenswerte Tatsache, vor der wir nicht die Augen verschließen können, dass die Kirchen dieses Landes jetzt schwer unter dem großen Mangel leiden, der fast überall beklagt wird. Wir haben noch nie einen so allgemeinen Niedergang der Religion erlebt wie derzeit. Wahrlich, die Kirche sollte aufwachen und nach der Ursache dieses Leids suchen; denn es ist ein Leid, das jeder sehen muss, der Zion liebt. Wenn wir uns vor Augen halten, wie „rar gesät“ Fälle wahrer Bekehrung sind und wie nahezu beispiellos unverschämt und hart die Sünder sind, rufen wir fast unwillkürlich aus:
„Hat Gott vergessen, gnädig zu sein? Oder ist die Tür der Gnade verschlossen?“
„Schau noch einmal und sieh den Geist der Welt, wie er in der Kirche herrscht. Wo ist der fromme Mensch, der nicht wegen dieser Gräuel unter uns seufzen muss? Wer ist dieser Mann in der politischen Masse, dessen Stimme deutlicher zu hören ist als alle anderen, und der als vorderster Fackelträger aus vollem Hals ruft? Oh, er ist ein Christ? Vielleicht ein Bibellehrer oder Ermahner. Wer ist diese Dame, die so lächerlich gekleidet ist, als hätte die Natur sie deformiert? O, sie ist eine Anhängerin und Nachahmerin des demütigen Jesus! Oh, schade! Sie erröten gar nicht? Das ist kein ungewöhnliches Bild, das versichere ich Ihnen. Ich wünschte Gott, es wäre so. Während ich schreibe, schmerzt mein Herz.“ – Circleville, Ohio. Religious Telescope, 1844.
Ungefähr zu dieser Zeit wurden in den religiösen Zeitungen Ankündigungen zum Fasten und zur Gebetszeit für die Rückkehr des Heiligen Geistes verschickt. Sogar in der Philadelphia Sun vom 11. November 1844 heißt es: „Die unterzeichnenden Geistlichen und Mitglieder verschiedener Konfessionen in Philadelphia und Umgebung glauben fest daran, dass die gegenwärtigen Zeichen der Zeit – der geistliche Mangel in unseren Kirchen im Allgemeinen – und die außergewöhnlichen Übel in der Welt um uns herum – alle Christen lautstark zu einer besonderen Zeit des Gebets aufzurufen scheinen. Deshalb rufen wir mit göttlicher Erlaubnis gemeinsam dazu auf, uns in einer Woche besonderen Gebets zum Allmächtigen Gott für die Ausgießung seines Heiligen Geistes auf unsere Stadt, unser Land und die Welt zu vereinen … Wer sich nicht wie oben vorgeschlagen die ganze Woche frei nehmen kann, wird gebeten, so viel Zeit wie möglich dem Anliegen zu widmen.
THOMAS H. STOCKTON und 30 Weitere.“
Bischof Soule sagt: „Im vergangenen Jahr gab es in der methodistischen Kirche einen Rückgang um 35.732 Mitglieder (1845). Im Vorjahr (1844) gab es einen Anstieg von 155.000.“ Der Northern Christian Advocate schreibt: „Im Jahr 1845 gab es einen Rückgang in den Black River-, Oneida- und Genesee-Vereinigungen von 8607.“
Der Baptistenalmanach berichtet für 1846 von einem Rückgang um 4702 Mitgliedern dieser Konfession im Bundesstaat New York. Ähnlich düstere Daten dürften aus den Statistiken aller Konfessionen hervorgehen.
Professor Finney, Herausgeber des Oberlin Evangelist, Februar 1844, sagt: „Wir sind mit der Tatsache konfrontiert, dass die protestantischen Kirchen unseres Landes als solche im Allgemeinen entweder apathisch oder feindlich gegenüber fast allen moralischen Reformen unserer Zeit waren. Es gibt teilweise Ausnahmen, die jedoch nicht ausreichen, um die Tatsache anders als allgemeingültig darzustellen. Eine weitere bestätigte Tatsache ist das fast allgemeine Fehlen eines Erweckungseinflusses in den Kirchen. Die spirituelle Apathie ist fast allgegenwärtig und erschreckend tief, wie die religiöse Presse des ganzen Landes bezeugt. Es ist zu hören und zu sehen, auch durch die religiösen Druckerzeugnisse, dass Kirchenmitglieder in großem Umfang zu Anhängern der Mode werden und sich den Gottlosen bei Vergnügungspartys, beim Tanzen, bei Festlichkeiten usw. anschließen. Aber wir müssen dieses schmerzhafte Thema nicht weiter ausführen. Es genügt, dass sich schwerwiegende Beweise verdichten, die zeigen, dass die Kirchen im Allgemeinen auf traurige Weise degenerieren. Sie haben sich sehr weit vom Herrn entfernt und er hat sich von ihnen zurückgezogen.“
Wie unähnlich ist diese großartige Stadt zu dem geworden, was Gott für sein Volk vorgesehen hatte! Die Kirche Christi sollte das Licht der Welt sein, eine Stadt auf einem Berge, die nicht verborgen bleiben konnte. Matthäus 5:14-16. Doch stattdessen hat sich sein angebliches Volk mit den Königreichen dieser Welt verbunden und eine Affinität zu ihnen geschlossen. Sie stützen sich nun auf die Erlasse der Könige und die Gesetze der Nationen und nicht auf das Wort Gottes, das einzig wahre Fundament der Gemeinde. So ist die Weisheit der Menschen an die Stelle der Macht Gottes getreten. Die rechtswidrige Verbindung der bekennenden Kirche mit der bösen Welt (Jakobus 4:4) hat hier zur Ablehnung durch Gott geführt; denn wie kann der Gott der Wahrheit und Heiligkeit diejenigen als sein Volk anerkennen, die nicht nur von ihrem Herrn abgewichen sind, sondern auch die Nachricht von seinem baldigen Kommen mit Verachtung zurückgewiesen haben?
In Offenbarung 18 wird die Botschaft, die den Fall Babylons ankündigt, erneut gegeben, mit Ergänzungen, die nach unserem Verständnis zeigen, dass es in Zukunft zu einer gewaltigen Bewegung in dieser Sache kommen wird. Wir haben keinen Zweifel daran, dass Gott viele liebe Heilige hat, die mit den verschiedenen Körperschaften bekennender Christen vereint sind. Diese, so glauben wir, werden den Ruf in Offenbarung 18:4 noch hören. Es gibt jedoch eine wichtige Tatsache, die zeigt, dass es die Vorsehung Gottes war, die vor wenigen Jahren die Verkündigung der ersten und zweiten Engelsbotschaft veranlasste. Indem die Botschaft über den Fall Babylons noch einmal präsentiert wird (Offenbarung 14:6-8 und Kap. 18), werden wir darüber informiert, dass es zum Hort unreiner Geister und zum Käfig aller unreinen und hasserfüllten Vögel geworden ist. Als Beweis dafür, dass wir in Bezug auf die Anwendung von Offenbarung 14 Recht haben, möge die gegenwärtige Bewegung, die die Geister der Toten ehrt, dienen. Eine zahllose Schar von Dämonen breitet sich über das ganze Land aus und überschwemmt die Kirchen und religiösen Körperschaften des Landes in großem Umfang. Die Unsterblichkeit der Seele, eine Lehre, die von fast jeder Kirche auf der Welt vertreten wird, ist die Basis und Grundlage all ihrer Arbeit. Diese außergewöhnliche Bewegung zeigt deutlich das schnelle Herannahen der Stunde der Versuchung, die über die ganze Welt kommen wird, um diejenigen auf die Probe zu stellen, die auf der Erde wohnen.
Erst der Fall, dann die Zerstörung
Es ist eine interessante Tatsache, dass das Gericht über die große Hure, das in Offenbarung 18 so ausführlich beschrieben wird, Johannes von einem der sieben Engel gezeigt wird, der die sieben Schalen mit dem Zorn Gottes gefüllt hat. Offenbarung 17:1. Aus Kapitel 16:17-21 erfahren wir, dass das Gericht über die Hure Babylon durch den Engel vollstreckt wird, der die siebte Schale hat. Daraus können wir zu Recht schließen, dass der Engel, der Johannes das Gericht über Babylon zeigt, einer der Sieben ist, der ihr Urteil auszuführen hat. Mit anderen Worten: Es ist der Engel, der die siebte Zornesschale besitzt. Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass der siebte Engel aus Offenbarung 16 noch in der Zukunft liegt. Daraus folgt, dass Offenbarung 18, die das Gericht über Babylon beschreibt und den Aufruf gibt, aus ihr herauszukommen, in die Zukunft gehört. Es ist offensichtlich, dass Babylon schnell zum Hort böser Geister und unreiner und hasserfüllter Vögel wird. Der Ruf, aus ihr herauszukommen, erfolgt, während ihre Plagen unmittelbar bevorstehen.
Die Zerstörung Babylons, wie in Offenbarung 18 beschrieben, findet unter der siebten Schale statt. Denn unter dieser Schale kommt sie zum Gedenken vor Gott, um ihr den Kelch mit dem Wein der Glut seines Zorns zu geben. Offenbarung 16:17-21. Das Volk Gottes wird aus ihr herausgerufen, kurz bevor die sieben letzten Plagen ausgegossen werden. Diese Plagen liegen in der Zukunft, wie wir später beweisen werden. Daher ist es sicher, dass Offenbarung 18 nicht auf die Ereignisse des 16. Jahrhunderts angewendet werden kann. Es ist offensichtlich, dass die Zerstörung Babylons beginnt, bevor die große Schlacht stattfindet; denn die Könige werden verschont, Zeuge ihres Untergangs zu werden (Offenbarung 18), aber in der großen Schlacht werden sie alle vernichtet (Offenbarung 19). Während die Heiligen das Hochzeitsmahl essen, sehen sie den Rauch ihres Brandes, und als Reaktion auf den Ruf aus Offenbarung 18:20 jubeln sie über sie (Offenbarung 19:1-9).
Babylon soll mit Gewalt niedergeworfen werden, wie ein Mühlstein in die große Tiefe geworfen wird, und es soll völlig mit Feuer verbrannt werden. Wenn diese völlige Zerstörung ihr „Sturz“ wäre, wäre die Verkündigung des zweiten Engels nicht nötig, um die Tatsache anzukündigen, denn ihre Zerstörung muss von den Königen und Kaufleuten und von jedem Schiffsführer und allen Schiffsbegleitern, den Seeleuten und allen, die auf dem Seeweg Handel treiben. Dies ist ein schlüssiger Beweis dafür, dass der Fall und die Zerstörung Babylons nicht dasselbe sind und dass Babylon selbst keine buchstäbliche Stadt ist; denn seine Zerstörung führt zu Ergebnissen, die die Zerstörung keiner Stadt auf der Welt verursachen könnte. Aus dem Gesagten geht hervor, dass die Zerstörung Babylons in unmittelbarem Zusammenhang mit der Wiederkunft Christi stattfindet. Diese Tatsache ist an sich schon eine ausreichende Widerlegung der Ansicht, die den Ruf „Geht aus ihr heraus, mein Volk“ in ein zukünftiges Zeitalter verortet. Denn Babylon ist am Beginn dieses Zeitalters bereits zerstört.Die Pflicht des Volkes Gottes wird deutlich zum Ausdruck gebracht: „Geht aus ihr heraus, mein Volk, damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und dass ihr nicht von ihren Plagen empfangt.“ Ihre Sünden reichten bis in den Himmel, und Gott gedachte ihrer Missetaten. Sie hat sich mit den Königen der Erde verbunden und sich auf den Arm des Fleisches verlassen und nicht auf den HERRN der Heerscharen. Um diesen Schutz zu gewährleisten, hat sie die schrecklichen Drohungen des Wortes Gottes gegen die Sünde gemildert und einige der schlimmsten menschlichen Verbrechen mit dem Mantel der Religion zugedeckt. Als Beispiel wollen wir das Flüchtlingssklavengesetz anführen, das mit einigen ehrenwerten Ausnahmen die Zustimmung der führenden Theologen genießt. Stolz, Liebe zur Welt und Abkehr von Gott identifizieren das Babylon der Apokalypse deutlich mit der Beschreibung der Volkskirche der letzten Tage durch Paulus:. 2. Timotheus 3:1-5 „Von solchen“, sagt der Apostel, „wendet euch ab.“ Wenn wir nicht an ihren Sünden teilhaben und so an den Plagen teilhaben wollen, die über sie ausgegossen werden, müssen wir auf die Stimme vom Himmel hören: „Geht aus ihr heraus, mein Volk.“
Fortsetzung folgt











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