Missionsreise #4: Kämpfen fürs himmlische Kanaan

Euch aber habe ich gesagt: Ihr sollt ihr Land erblich besitzen; denn ich will euch dasselbe zum Erbe geben, ein Land, das von Milch und Honig fließt. Ich, der HERR, bin euer Gott, der ich euch von den Völkern abgesondert habe. (3. Mo 20,24)

Lieber Leser, hast du auch Sehnsucht nach einer besseren Welt? Fühlst auch du, dass es etwas Besseres gibt, als das, was du gegenwärtig wahrnimmst? Ich habe diesen inneren Wunsch schon mein ganzes Leben lang verspürt. Mal habe ich ihn verleugnet und Glück in dieser Welt gesucht, mal habe ich versucht, die bessere Welt auf verschiedenen Wegen zu erreichen. Das Eine befriedigte mich, machte mich aber unehrlich, das Andere war eine unbefriedigende Erfahrung, aber ich fühlte mich dabei wenigstens aufrichtig. Als ich anfing, mich mit der Bibel zu beschäftigen, wurde mir ein dritter Weg gezeigt. Dieser Weg wirkt zunächst sehr ernüchternd. „Euer Herz erschrecke nicht! Vertrauet auf Gott und vertrauet auf mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen; wo nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf daß auch ihr seid, wo ich bin. Wohin ich aber gehe, wisset ihr, und ihr kennet den Weg.“ (Joh 14,1-4) Zunächst einmal nimmt uns Jesus alle Illusionen: Diese bessere Welt gibt es im Hier und Jetzt nicht. Aber er gibt ein Versprechen. Das Versprechen einer besseren Welt. Man möchte fragen: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, und wie können wir den Weg wissen?“ (V. 5) Nun, Jesus selbst ist der Weg (V. 6). Wenn wir auf ihn schauen, sein Leben betrachten, dann wissen wir, was wir zu tun haben. Das Wunderbare an diesem Weg des Dienens und der Selbstverleugnung ist, dass wir schon einen Vorschuss aus der besseren Welt bekommen, das „Pfand unsers Erbes zu unsrer Erlösung“: Den Heiligen Geist. 

Diesen Weg zu verfolgen ist sehr erniedrigend, denn man ist ununterbrochen mit seiner eigenen Unzulänglichkeit konfrontiert: Weder versucht man, diese zu leugnen, noch versucht man, sie wettzumachen. Wenn man aber ausharrt und an die Rettung glaubt, dann geschieht das große Wunder, das nur Jesus bewirken kann: Ein heiliges Leben. Es ist ein merkwürdiger Zustand, in dem stets ein gewisses Spannungsverhältnis herrscht zwischen Leid über den die eigenen Sünden und die Sünden der Welt, und dem süßen Frieden, der einen überkommt, wenn man auf Jesus schaut. Es ist kein leichter Weg, aber doch geht man ihn gern. Und es gibt die Gewissheit, dass am Ende des Wegs die bessere Welt wartet, eine Welt ohne Sünde und Leid. Bis dahin lass uns kämpfen, aber dabei stets auf Jesus schauen und Frieden haben.

Demarios Grundstück

Ich glaube, Gott lehrt uns diesen Weg der Selbstverleugnung in vielen kleineren Etappen im Leben. Bevor er uns einen Wunsch erfüllt, müssen wir erst an den Punkt gelangen, an dem wir bereit sind, den Wunsch für ihn aufzugeben. Ein Beispiel hierfür finden wir in Gottes Forderung an Abraham, seinen Sohn Isaak zu opfern (s. 1. Mo 22). Auch Mose musste erst sein Leben im Palast zurücklassen und Schafhirte werden, bevor er dazu in der Lage war, seinen lang gehegten Wunsch auszuführen und sein Volk aus der Gefangenschaft Ägyptens zu führen. Ebenso musste Petrus (und mit ihm wohl alle anderen Jünger) durch ein sehr schmerzhaftes Tal der Selbstverleugnung gehen, bevor der Herr ihm seinen Wunsch nach einer hohen Stellung im Reich Gottes erfüllen konnte.

Der Grundstückserwerb

Der vordere Teil des Grundstücks

Bruder Demario war schon sehr lange auf der Suche nach einem Grundstück auf dem Land. Er hat viel gebetet. Aber es hat nie klappen wollen. Im April kam er dann zu Matt zu Besuch und schaute sich nach Grundstücken in der Gegend um. Einmal  habe ich ihn begleitet. Als wir mit dem Makler das Grundstück betraten, waren wir beide sofort angetan. Es hat eine sehr große Wiese mit schönen, hohen Eichen darauf, die fast wie ein Park aussieht, und ein kleiner Bach fließt mitten hindurch.

Dahinter liegt ein kleineres Waldstück und dann folgt ein riesiges Areal, das momentan gerodet wird und so für den Anbau oder auch als Weidefläche nutzbar ist. Der Boden ist sehr fruchtbar, weniger steinig und weniger lehmig als in Matts Gegend. Tatsächlich ist der nächste größere Ort, Cave City, dafür bekannt, die süßesten Wassermelonen Amerikas zu produzieren. Kurzum — es war genau das Grundstück, nach dem Bruder Demario so lange auf der Suche war. Es befand tatsächlich sogar eine kleine Hütte mit Brunnen und Strom darauf, sodass er sofort mit seiner Familie dort hinziehen und Schritt für Schritt ein Haus bauen und einen Garten anlegen könnte. Als er dann mit dem freundlichen Makler über die Details sprach, wurde uns sehr schnell klar, dass das Angebot sehr gut war. Zudem war der Makler gleichzeitig der Eigentümer des Grundstücks und bot sogar eine Ratenzahlung an. Es passte einfach alles. Nach einer kurzen Nacht mit viel Gebet gab Demario ein Angebot ab uns kurz darauf hatte er den Zuschlag. Gelobt sei Gott! 

Das ist nur der Anfang des 32-Hektar-Grundstücks =)

Prophetenschule

Es war ein großer Segen für mich, bei dieser Gebetserhörung dabei sein zu dürfen. Demario hat große Pläne mit dem Grundstück. Er möchte eine Prophetenschule aufbauen nach dem Modell Samuels. „Diese Einrichtungen verfolgten mehrere Ziele. Zum einen sollten sie durch die Rückbesinnung auf Gottes Wort dem eindringenden Heidentum und der moralischen Verwahrlosung entgegenwirken. Zum andern dienten sie dazu, gottesfürchtige Lehrer auszubilden, die das geistige und geistliche Niveau der hebräischen Jugend heben sollten oder als Führer und Berater wirken konnten. Zu diesem Zweck scharte Samuel gläubige junge Männer um sich, die intelligent und fleißig genug waren, solche Aufgaben zu übernehmen. Im Volk nannte man sie „Kinder der Propheten“, weil sie von den berufenen und mit Gottes Geist ausgestatteten Sehern unterrichtet und im Wort Gottes unterwiesen wurden. Sie wurden ihrer Frömmigkeit wegen geachtet und genossen aufgrund ihrer Gelehrsamkeit hohes Ansehen im Volk. (…) Die Schüler betrieben neben ihrem Studium Ackerbau oder arbeiteten als Handwerker, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und das Bestehen der Schule zu sichern. Das war für Hebräer nichts Besonderes, denn in Israel galt körperliche Arbeit — im Gegensatz zu manchen anderen antiken Kulturen — als höchst ehrenhaft.“ (E.G. White, Erziehung, S. 45)

Matt, Raul und Demario in der Schule Christi

Früher war dies das  Bildungsideal der Adventisten, doch mittlerweile ist der Großteil der adventistischen Bildungseinrichtungen nach dem humanistischen Ideal der Welt konzipiert und körperliche Arbeit spielt meist keine Rolle mehr in den Lehrplänen. Das ist sehr bedauernswert. Gerade, wenn wir auf Jesus schauen, sollte uns bewusst werden, dass körperliche Arbeit in der Erziehung eine unersetzbare Rolle hat.

Der Umzug

Wie bereits erwähnt konnte ich durch die Stornierung meines Rückflugs seitens der Fluggesellschaft noch beim Umzug helfen, wofür ich sehr dankbar bin. Demario lebte bislang mit seiner Familie in Wichita, Kansas, das ungefähr acht Autostunden von Matts Ort entfernt liegt (Für Amerikaner ist das wenig!).   

Das ist ungefähr die Strecke von München nach Bremen…

Während Raul und Demario schon einen Tag früher nach Wichita fuhren, haben Matt und ich erst noch einige Arbeiten auf dem Dach vorgenommen und sind am  Nachmittag drauf losgefahren. Deswegen hat Matt Terry und Britt-Marie, Geschwister, die im Bundesstatt Missouri leben, gefragt, ob wir nicht bei ihnen übernachten dürfen.

Matt befestigt einen Mobilfunkempfänger

Die Fahrt nach Missouri war sehr segensreich. Matt hat mir erzählt, wie Gott ihn und seine Familie in den letzten Jahren geführt hat. Ich würde gerne mehr davon berichten, da ich Glaubenszeugnisse für äußerst erbaulich halte. Ich habe im Auto sehr deutlich Gottes Gegenwart wahrnehmen dürfen, als Bruder Matt mir von den wundersamen Begegnungen und Erfahrungen berichtete. Aber aus meiner Sicht muss ein Glaubenszeugnis am Besten persönlich erzählt werden, um wirklich kraftvoll zu sein. Vielleicht spricht er ja auch darüber, wenn er demnächst mal zu einem Treffen nach Deutschland kommt. 🙂 Wir haben uns auch über die gegenwärtige Lage im Adventismus unterhalten, aus der wir interessanterweise ganz ähnliche Schlüsse ziehen. Während wir so redeten, kamen wir in ein ganz heftiges Gewitter. Als der Himmel dann wieder aufklarte, fuhren wir einem imposanten Sonnenuntergang entgegen.  

Ich, Terry und seine Frau Britt-Marie

Terry und Britt-Marie haben uns überaus gastfreundlich bei sich aufgenommen. Sie sind ein sehr herzliches und liebevolles, älteres Paar und ich habe mich sofort sehr wohl bei ihnen gefühlt. Es ist ein wunderbares Gefühl, zu wissen, dass man überall auf der Welt Geschwister hat, die einen, auch wenn man sich bislang noch nicht kannte, gleich als Teil der geistlichen  Familie bei sich aufnehmen. 

Britt-Marie ist Schwedin und ich konnte mich gut mit ihr über bestimmte amerikanische Eigenheiten unterhalten. Ich habe auch das erste Mal in Amerika mit „normalen“ Bettzeug schlafen können. 😉 Die Amerikaner haben ein anderes, aus meiner Sicht etwas umständlicheres System: Man schläft zwischen zwei Bettlaken und legt dann so viele Decken oben drauf, wie man möchte. Ihr Mann ist ein sehr ruhiger und liebenswerter Amerikaner mit einer guten Portion Humor. 

Eine Gebetserfahrung der beiden möchte ich gerne mit euch teilen. Es sind ihnen drei Katzen zugelaufen. Alle drei hatten eine ansteckende Krankheit. Zwei von ihnen waren sehr zahm, aber die dritte war äußerst scheu und lief immer weg. Sie konnten also zwei der Katzen behandeln lassen, wussten aber nicht, wie sie verhindern können, dass die dritte Katze die beiden anderen wieder ansteckt. Sie haben auch auf verschiedene Arten und Weisen versucht, der Katze nahe zu kommen, aber sie blieb scheu wie am ersten Tag. Also entschied sich Terry, die dritte Katze zu erschießen. Als er nach draußen ging, fiel Britt-Marie auf die Knie und betete für den Kater. Nach einer Weile kam Terry wieder rein und sagte ihr „I couldn’t do it“ (Ich konnte es nicht tun). Als sie dann nach draußen ging, kam die Katze auf sie zu und strich ihr um die Beine! Ist es nicht wunderbar, dass Gott sich auch um die kleinen Geschöpfe sorgt? Das erinnert mich an einen Vers und ein schönes Lied dazu, auf das ich neulich gestoßen bin: „His eye is on the sparrow, and I know He watches me!” (Vgl. Mt 10,29).

Das alte Haus der Carters und davor der Suzuki

Am nächsten Tag konnten wir gestärkt und ausgeschlafen aufbrechen und waren dann auch schnell in Wichita. Dort haben wir die Autos für den Umzug fertig gemacht (die Ölfilter gewechselt) und beim Packen geholfen. Ich habe auch Demarios Frau kennenlernen dürfen — eine sehr freundliche, warmherzige und kommunikative Schwester. Ich lobe Gott für die vielen lieben Geschwister, die ich kennenlernen durfte. Die vielen ermutigenden Begegnungen mit Glaubensgeschwistern sind die größte Segnung, die ich bei meinem Aufenthalt empfangen habe.

Am nächsten Tag sind wir dann in der früh um sieben in einer Karawane losgefahren. Ich bin den Suzuki Vitara (mit Gangschaltung :D) gefahren und habe mich gefreut, durch diesen kleinen „Road Trip“ noch eine andere Landschaft Amerikas kennenlernen zu dürfen. Während der Norden Arkansas‘ und Missouris sehr hügelig und bewaldet ist, gibt es in Kansas überwiegend Flachland und kaum Bäume. Deshalb weht auch durchgehend ein starker Wind dort.   

Als in den 30er Jahren viele Menschen in Kansas Landwirtschaft betrieben, entstanden durch die brachliegenden Flächen schlimme Staubstürme in dieser Region, die sogenannte „Dust Bowls“, wodurch die meisten Bewohner von Kansas in andere Bundesstaaten umziehen mussten.  

Die „Dust Bowl“ – hier ein Bild von 1935 aus Texas

Ich habe auf dieser Fahrt noch mehr über Amerika lernen dürfen. Zum Beispiel gibt es unzählige christliche Radiosender. Ich konnte tatsächlich zwischen vier, fünf Predigten auswählen. Ich habe dann zwei Predigten auf einem Sender gehört, die mich wirklich sehr angesprochen haben. In der einen richtete der Prediger sich gegen die modernen theologischen Strömungen wie „Once saved, always saved“. Give me that old-time Religion!  

Auch auf der Straße merkt man, dass in Amerika der christliche Glaube deutlich fester in der Gesellschaft verankert ist, als bei uns. Immer wieder sieht man am Straßenrand Schilder mit Bibelversen und Aufrufen zur Buße. Und viele Trucks haben christliche Sprüche auf den Türen, die man beim überholen lesen kann. 

Die kleine Hütte, die schon auf dem Grundstück steht

Wir erreichten Demarios Anwesen bei bestem Wetter und konnten noch am selben Tag alles ausladen und verstauen. Auf dem Grundstück war bereits von den Vorbesitzern ein sehr langer Container abgestellt worden, in dem wir alles unterbringen konnten. Es ist wirklich bemerkenswert… als ob dieses Stück Land nur auf Bruder Demario und seine Familie gewartet hätte. Es gibt viel zu tun für ihn und seine Familie in den nächsten Wochen und Monaten. Auch wenn ich gerne den Hausbau und das Anlegen des Gartens miterlebt und unterstützt hätte, bin ich Gott sehr dankbar dafür, dass ich sie bei diesem ersten Schritt begleiten durfte.

Concord Seventh-Day Worship Center 

Haley und Hannah freuen sich über gesangliche Unterstützung von Shemaja bei der Andacht

Mein letzter Sabbat war sehr ermutigend. Wir hatten eine sehr besondere Gemeinschaft. Im Laufe der Corona-Krise hat sich unsere Anzahl mehr als verdoppelt. Es gibt viele Adventisten im Umfeld, die zu den Gottesdiensten kamen, da ihre Gemeinden keine oder nur sehr reduzierte Sabbatgottesdienste anboten. Das Schöne ist, dass sie sich sehr wohl fühlen und viele schon versichert haben, weiterhin Kontakt mit der Gemeinde halten zu wollen. Hannah und Haley freuen sich ganz besonders, dass jetzt auch andere Kinder kommen. Dafür hatten sie nämlich schon länger gebetet. 

Ich kann diese Entwicklung sehr gut verstehen, denn die Gemeinde ist wirklich sehr ernsthaft, liebevoll und vielfältig. Ich wurde sehr schnell in die Gemeindefamilie adoptiert und man merkt den Geschwistern an, dass der Glaube für sie viel mehr ist als nur eine Tradition.

Standing on the Promises of God ♫  (Das Lied handelt davon, dass man fest auf den Verheißungen Gottes steht.)

Gebetserfahrung mit Sister Elaine

Schwester Elaine und ich 🙂

Ein weiterer Segen meiner Aufenthaltsverlängerung war, dass ich Schwester Elaine kennenlernen durfte. Sie ist Gesundheitsmissionarin und hat auch in Wichita gewohnt. Sie ist eine sehr geistliche Person und ich habe mich auf Anhieb sehr gut mit ihr verstanden. Am Abend bevor ich mit Matt nach Wichita fuhr haben wir miteinander über Jesus gesprochen und darüber, wie er uns führt. Danach haben wir noch eine Gebetsgemeinschaft gehabt und der Geist hat es geführt, dass wir beide dafür gebetet haben, dass Gott, wenn es sein Wille ist, dass ich länger bleiben soll, meinen Flug erneut absagen soll. Als ich zwei Tage später in Wichita mal wieder Wlan-Empfang hatte und meine Emails abrufen konnte, erreichte mich die Nachricht, dass mein Flug erneut abgesagt wurde. Ich war erst mal perplex. In den folgenden Tagen betete und fastete ich wegen der Sache. Ich wusste nicht, was jetzt kommen sollte. Gedanklich stellte ich mich darauf ein, den ganzen Sommer in Amerika zu bleiben, bis der Corona-Spuk vorbei ist. Für Matt und Lori wäre das kein Problem gewesen (Gelobt sei Gott für solche Geschwister!). Aber ich wusste auch, dass, wenn ich länger bleiben würde, es sehr gut möglich wäre, dass Gott weitere Türen öffnet und ich eventuell mein Studium gar nicht abschließen würde. Dieser Gedanke faszinierte mich. Aber, ich muss zugeben, gleichzeitig fürchtete ich ihn auch. Denn ich habe eigentlich meine Berufung in der Arbeit mit Kindern gesehen und im Verlauf meines Studiums auch häufig wahrnehmen dürfen, dass Gott mich weiterführt und Barrieren aus dem weg räumt. Aber ich wusste, dass ich auch auf andere Art mit Kindern arbeiten könnte, und so betete ich hauptsächlich dafür, dass Gottes Wille geschehe und er mir die Kraft gebe, alle meine Wünsche und Pläne auf seinen Altar zu legen. 

Trotz aller Ungewissheit bekam ich einen tiefen inneren Frieden. Ich wusste nicht, welcher Weg der Richtige war und das war etwas unangenehm. Aber auf der anderen Seite waren beide Wege – in Amerika zu bleiben und bei der Mission und dem Hausbau zu helfen, oder nach Deutschland zurückzugehen und das Studium abzuschließen – voller Möglichkeiten. Zudem musste ich nicht die Entscheidung treffen, sondern wusste, dass Gott sie für mich treffen würde. Ich rechnete also damit, erst einmal in Amerika zu bleiben und war bereit, möglicherweise sogar mein Studium aufzugeben, wenn er es wollte. 

Als ich dann am Montag, dem ursprüngliche Abreisetag, mit der Fluggesellschaft korrespondierte, wurde mir überraschenderweise angeboten, mich auf einen Flug einer anderen Fluggesellschaft, der am nächsten Tag stattfinden würde, umzubuchen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Eigentlich hatte ich mich darauf eingestellt, länger zu bleiben und dachte auch, dass dies der Wille Gottes sei (es war ja eine Gebetserfahrung!). Zudem hatte mir die Reisegesellschaft signalisiert, dass es mit dem Umbuchen lange dauern kann. 

Das Angebot war sehr gut: es war nun ein Direktflug, zudem eine bessere Airline und zu meinem Erstaunen mit keinerlei Aufschlag verbunden. Die Tickets für solche Flüge wurden im Internet für 1500-2000 € angeboten, meine Verbindung kostete nur ein Drittel davon. Ich buchte also mein Ticket um und war schon am nächsten Tag im Flugzeug.    

Hier lächle ich — wirklich!
New York aus sicherer Entfernung
Der gespenstisch leere New Yorker Flughafen

Zuletzt

Meine zwei Monate bei Matt waren aus geistlicher Sicht die prägendsten und erholsamsten zwei Monate meines Lebens. Die Gemeinschaft, die Arbeit, die Natur, nicht zuletzt die vielen Gespräche über Gottes Wort … es war wie ein geistlicher Wellnessurlaub. Ich habe den großen Segen erleben dürfen, zusammen mit Menschen zu leben, die es ernst mit Gott meinen, fernab von allen Städten und weltlichen Einflüssen. Ich habe lernen dürfen, dass viele meiner alltäglichen Kämpfe mit meinem weltlichen Umfeld in einer Stadt und an einer Universität zusammenhängen. Und ich habe für mich den Entschluss gefasst, sobald es mir möglich ist, aufs Land zu ziehen und die Gemeinschaft mit Geschwistern mehr zu suchen. 

Ich befinde mich momentan in einer zweiwöchigen Hausquarantäne und habe schon wieder Sehnsucht nach meinen Geschwistern in Arkansas. Ich würde jetzt viel lieber dort sein und dabei helfen, Schwester Elaines Hütte auf Demarios Grundstück zu errichten, als hier für meinen „English Grammar“-Kurs finite Verbkonstruktionen zu lernen. Aber wenn ich etwas von Demario lernen durfte, dann, dass man geduldig seine alltäglichen Arbeiten verrichten soll, bis der Herr einem das verheißene Land schenkt. So lasst uns kämpfen fürs himmlische Kanaan! Onward, christian soldiers!

Euer Bruder in Christus
Mattis

Haley und Hannah sagen „Good bye, funny guy!“

PS: In einer meiner letzten Nächte sind die Kojoten sehr dicht an meinem Zelt vorbeigerannt. Hier eine kleine Impression:

3 Kommentare zu „Missionsreise #4: Kämpfen fürs himmlische Kanaan

  1. Danke, lieber Mattis,

    für den ausführlichen und berührenden Bericht – macht Lust auf mehr …
    Gerade die Bandbreite der von dir angesprochenen „Themen“ treffen es sehr gut
    und ich habe mich in deinen Worten „wohl gefühlt“ (klingt komisch – ist „aber“ so)

    Yepp, es gibt ´ne Menge zu tun.
    … und auch kann ich verstehen, daß du eher Lust verspürst, wieder jenseits des „großen Teiches“ weiter und wieder anzupacken.

    Besten Dank nchmals für deine Worte und den Bericht,
    eine gesegnete Woche,

    Ralf.

    Liken

    1. Es freut mich wirklich sehr, dass du meinen Blog von Anfang an mitverfolgt hast, lieber Ralf.
      Und danke auch für deine ermutigenden Kommentare. Dein Feedback hat mich jedes Mal sehr gefreut.
      Wegen Lust auf mehr: Auch für dich stehen die Türen der Familie Dooley offen. 🙂 Wenn demnächst die Reisebeschränkungen wieder aufgehoben werden und du Zeit haben solltest, kann ich dir einen Aufenthalt bei den Geschwistern nur empfehlen. Ich werde dann auch deinen Blog verfolgen 😉

      Gnade und Frieden von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

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