Glaube, Kommunismus & Dreieinigkeit

Wie hat sich das Gemeindeleben in der Sowjetunion verändert, nachdem der kalte Krieg vorbei war?

Berlin Wall
Früher trennte sie Ostblock und Westblock, heute ist sie ein Ausstellungstück: Die Berliner Mauer.
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Dieser Zeitabschnitt wird als Perestroika bezeichnet. Der Zusammenbruch der UdSSR überraschte viele Gläubige. Nach einer Zeit der Verfolgung, der Verbote und der ständigen Überwachung verwandelte sich plötzlich alles in große Freiheit und große Möglichkeiten in Bezug auf die Missionsarbeit. Die Gemeinde bekam die Gelegenheit, Hunderten und Tausenden frei zu predigen. Wenn während der Herrschaft des Atheismus der einzige öffentliche Ort für die Evangelisation eine Trauerfeier am Friedhof war, konnte man nun große Hallen und Kinosäle frei mieten und alle Arten von evangelistischen Veranstaltungen und Programmen abhalten. Leider war die Gemeinde nicht bereit für solche Gelegenheiten und Herausforderungen. Aufgrund mangelhafter Erfahrung wurden einige Fehler gemacht.  Aber gerade zu dieser Zeit wuchs unsere Gemeinde um ein Vielfaches. Es war eine segensreiche Zeit, als wir angesichts der Freiheiten, die wir erhielten, Erfahrungen sammelten. Gott sei Dank für diese Zeit. Leider ging sie schnell zu Ende. Die Gesellschaft war schon bald auf materielle Werte konzentriert, was unweigerlich zu Folge hatte, dass die geistlichen Werte und Interesse an Gott in den Hintergrund rückten.  

In der Gemeinde muss deine Arbeit damals sehr geschätzt worden sein – du wurdest Vereinigungspräsident und später auch Verbandsvorsteher.

Die SDA – langjährige Gemeinde von Pastor Schwarz

Im Rückblick auf unseren gemeinsamen Lebensweg, den wir im Dienst für den Herrn zurückgelegt haben, sind meine Frau und ich Gott sehr dankbar für seine Führung. Ja, es war gewiss kein einfacher Weg, denn wir mussten oft mit der ganzen Familie umziehen. Jedes Mal mussten wir unser Wohneigentum verkaufen, alles Hab und Gut in einen Container packen, an einen neuen Ort ziehen, wieder eine Wohnmöglichkeit finden und uns an einem neuen Ort niederlassen. Es war immer sehr stressig für die Familie, besonders für die Frau und die Kinder. Eine neue Gemeinde, neue Schule, neue Freunde für Kinder … während der 35 Jahre des Dienstes sind wir neunmal an einen anderen Ort umgezogen. Die feste Überzeugung, dass wir von Gott zu diesem Dienst berufen sind, gab uns die Kraft, all diese Schwierigkeiten im Leben zu überwinden. Wir selbst sind dadurch geistlich gewachsen und wurden bereichert mit neuen Erfahrungen des Vertrauens auf den Herrn.

Unser Dienst war stets verbunden mit meiner geistlichen Ausbildung, was mich wiederum sehr geprägt hat. Ich bin Gott unendlich dankbar für meine liebe Frau, die großes Verständnis in den schwierigen Zeiten aufbrachte und geduldig den Löwenanteil der Sorgen um die Familie trug. Zu Beginn war ich nur ein einfacher Pastor einer bestimmten Gemeinde oder einer Reihe von Gemeinden und Gruppen, danach bekam ich eine große Verantwortung zu tragen als ein Vorsitzender der Konferenz und später als Vorsitzender der Union. Wir haben diesen Dienst mit großer Treue, Hingabe und Liebe für den Herrn und die Menschen getragen. Natürlich gab es auch Fehler auf dem Weg. Gott hat sie durch seine Gnade begradigt, uns belehrt und Kraft gegeben um weiterzumachen.

Heute bist du nicht mehr als Prediger tätig – warum nicht?

Ja, ich bin noch nicht im Ruhestand. Heute arbeite ich als Elektrikerassistent für meinen ältesten Sohn Paul. Aber ich habe nicht aufgehört, ein Prediger des Evangeliums zu sein, weil ich das Amt als meine Berufung sehe. Ich arbeite weiterhin gemäß meiner Kapazität an Zeit, Kraft und Möglichkeit. Natürlich kann ich die Frage nachvollziehen: Warum Elektriker und nicht Pastor? Dafür gibt es mehrere Gründe. Der erste, aber nicht der wichtigste Grund, sind meine alten Schwiegereltern, die bei uns leben und pflegebedürftig sind. Unser letzter Dienstort war Südkaukasus, nämlich die Länder Aserbaidschan, Armenien und Georgien. Wir hatten unseren Eltern versprochen, dass wenn sie unsere Pflege brauchen, wir nach Deutschland zurückkehren und uns um sie kümmern werden. (Mein Schwiegervater ist übrigens 92 Jahre und meine Schwiegermutter 91 Jahre alt.)  

Ellen White (1827-1915), ein der sog. Adventpioniere

Der zweite und wichtigste Grund ist, dass ich aufgrund meiner Überzeugung heute kein Pastor in unserer Gemeinde sein kann. Natürlich bin ich und bleibe von Gott berufen das Evangelium zu predigen.  In den letzten fünf Jahren habe ich mich ernsthaft mit dem Studium der Heiligen Schrift beschäftigt und bin zu der Schlussfolgerung gekommen, dass die Lehre der offiziellen Gemeinde und die Lehre der Bibel zum Thema Gottheit sich grundlegend unterscheiden. Es gab eine Reihe ernsthafter Umstände, die mich dazu veranlassten, selbst die Bibel zu studieren. Dies führte mich zu der Überzeugung, dass die Trinitätslehre überhaupt keine biblische Lehre ist. Im Laufe der Jahre habe ich viel theologische und geschichtliche Literatur gelesen. Ich musste die Geschichte des Christentums so wie die Geschichte der adventistischen Gemeinde sorgfältig und unparteiisch studieren, und all dies bestätigte mich noch mehr, dass die Trinitätslehre ein Irrtum ist. Ich freue mich, dass mit der Gnade Gottes, ich wieder zurückgefunden habe zu den adventistischen Pionieren. Die Pioniere unserer Bewegung hätten heute gar nicht reingepasst in diese moderne Adventgemeinde. Sie wären heute alle ausgeschlossen.  

Wie kamst du dazu, das Thema der Dreieinigkeit zu studieren?

Die Dreieinigkeit – das grundlegende theol. Dogma der etablierten Großkirchen

Ein enger christlicher Freund aus der Gemeinde der STA studierte die Bibel und stellte mir Fragen. Schon sehr bald bemerkte ich, dass ich auf viele einfache Glaubensfragen keine Antwort hatte. Zu meiner Schande entdeckte ich, dass einige meiner Überzeugungen nicht auf der Bibel beruhen, sondern auf der Autorität der Gemeinde und älterer Brüder. Es fiel mir schwer, mir selbst dies einzugestehen, aber es war eine unbestreitbare Tatsache. Heute freue ich mich sehr, gebeterfüllt das Wort Gottes zu erforschen und zu sehen, wie die Verheißung unseres Herrn in meinem persönlichen Leben erfüllt wird: „Der Heilige Geist wird euch in aller Wahrheit leiten.“ Ich bin Gott unendlich dankbar für seine Offenbarungen durch das Wort Gottes.

Welche Bibelverse haben sich bei deinem Studium als Schlüsselpassagen erwiesen?

Mit unserem begrenzten Verstand sind wir nicht in der Lage, Gott zu verstehen und zu erklären. Trotzdem hat Gott seine Kinder nicht in der Dunkelheit zurückgelassen, damit wir dem dienen, den wir nicht verstehen und kennen können. Gott hat sich uns in der Heiligen Schrift so weit offenbart, wie wir ihn imstande sind zu verstehen.  „Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn sein unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken, sodass sie keine Entschuldigung haben.“ Röm 1,19-20

Die Bibel hat eine klare und eindeutige Lehre über Gott. Gott offenbarte sich als der einzig wahre, allmächtige, allgegenwärtige, unsterbliche Gott. Er ist der Schöpfer und Lebensspender von allem, was existiert.  Dieses Interviewformat erlaubt nur begrenzt biblische Schriftstellen aufzuführen, die darüber sprechen.  

5 Mos. 6,4:  „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer.“ 

Markus 12,29: „Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein.”

Johannes 17,3: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“   

1. Korinther 8,6: „So haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm, und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.“  

Außerdem: 1. Tim 2,5; Gal 3,20, Off 1,6; Off. 3:12;  1 Kor. 15:24-28  

Schlüsseltext ist für mich allerdings Mat 28,19 geworden. „Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Die Erforschung dieses Bibeltextes führte mich zu einer Reihe einfacher und klarer Entdeckungen: Die Apostel und Jünger Jesu tauften ausschließlich auf den Namen Jesu und nicht auf die Namen dreier Personen. Warum? Mir wurde klar, dass in einer solchen Version der gegenwärtigen Übersetzungen  erst nach dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 erschien. Er wurde von einer Reihe von Kirchenvätern (insbesondere von Eusebius von Cäsarea 265-340) vor dem Konzil von Nicäa wie folgt zitiert: „Gehet und macht alle Nationen zu meinen Jüngern und taufet sie auf meinem Namen!“   Das war bei mir der Beginn der Erforschung über Gott und seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn und Erlöser. Zu meiner Überraschung und sogar Enttäuschung entdeckte ich, dass die Trinität nichts mit der biblischen Lehre zu tun hat.  

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