Rezension: „Der Sohn“ von Ty Gibson

Kapitel 20: Der Gewaltlose

S. 224 “Viele, die die Dreieinigkeitslehre ablehnen, glauben, dass erstens Jesus von Gott zu uralten Zeiten ins Leben gerufen wurde und zweitens der Heilige Geist nur die Gegenwart von Jesus oder die von Gott ausströmende Kraft ist.”

Diese Aussage ist zweierlei problematisch, weil es eigenartig ist, “nur” von der Gegenwart Jesu zu sprechen. Zum anderen habe ich noch nie (!) einen Nichttrinitarier getroffen, der meint, der Heilige Geist wäre nur eine “ausströmende Kraft” (obwohl Lukas der Maria den Heiligen Geist so beschreibt – Lukas 1,35)!

TG weist mit Matt 3,17 auf die Taufe hin. Ellen White beschreibt das Ereignis erstaunlicherweise so:

“Der Vater selbst wird seinem Sohn dienen. Direkt vom Thron ging das Licht der Herrlichkeit Gottes aus … Lichtstrahlen und Herrlichkeit gingen aus … und nahmen die Form einer Taube an … Die taubenähnliche Form war ein Sinnbild für die Sanftmut und Sanftmut Christi“ ( YI3/1 1874); „sie zu taufen im Namen des Vaters [eines persönlichen Gottes] und des Sohnes [eines persönlichen Fürsten und Retters] und des Heiligen Geistes [der vom Himmel gesandt wurde, um Christus zu vertreten]“ (RH 10 /26 1897).”

S. 226: “Das ist natürlich das Kernproblem der antitrinitarischen Lehre: Sie stellt letztendlich Gott als eine absolute Einzigkeit dar, als alleiniges Selbst. Damit wird dem Bild von Gott jedes sinnvolle Konzept der Liebe entzogen.”

Auch hier muß wieder von einer gewagten Aussage gesprochen werden, denn damit würden wir Gott absprechen, Liebe zu sein, wenn es unserer menschlichen Logik nicht passt. Wir schreiben also Gott vor, wie er sein kann!

S. 226: “Kurz gesagt: Der Heilige Geist weist auf Jesus, der auf den Vater weist. Daher ist der Heilige Geist weder Jesus noch der Vater.”

Sogleich zitiert TG Joh 14,16, lässt aber Vers 18 aus!

Joh 14,16 “Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, daß er bei euch bleibt in Ewigkeit, 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie beachtet ihn nicht und erkennt ihn nicht; ihr aber erkennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich lasse euch nicht als Waisen zurück; ich komme zu euch.”

Und diese kurzen Zitate aus dem Leben Jesu sind hier angebracht:
„Die Weitergabe des Geistes ist die Weitergabe des Lebens Christi“ (DA 805).

„Christus gibt ihnen den Atem seines eigenen Geistes, das Leben seines eigenen Lebens“ (DA 827; MH 159).

Kapitel 21: Eine Bundesgeschichte

S. 234 Thema verfehlt . . .

“In der Sohnschaft von Jesus findet sich die gesamte Geschichte der Sohnrolle Israels. Sie ist schlicht und einfach die Zusammenfassung der biblsichen Erzählung. Obwohl alle Propheten und apostel auf die Erfüllung der Sohnrolle hinweisen, fehlt sie erstaunlicherweise völlig in der Literatur der Dreieinigkeitsgegner. Geht man einmal die zijmelich schmale Auswahl der Argumente gegen die Dreieinigkeit durch, scheint es, als gäbe es kein konsistentes Konzept der Sohnschaft in der Bible. Zumindest wird ihre Bedeutung ignoriert. Dieses Versäumnis geschieht wohl nicht bewusst oder vorsätzlich. der rote Faden wird offensichtlich vollkommen übersehen.”

Ganz und gar nicht. Die Sohnschaft wird in der antitrinitarischen Bewegung hervorgehoben, in noch größerem und weiterem Rahmen als TGs Bündnistheologie. Reale Sohnschaft finden wir schon im Himmel, im Großen Kampf vor der Erschaffung der Welt, in der Ewigkeit, nicht erst in der Menschwerdung Christi.

TG meint, “Nur wenn man weiter zurücktritt, kann man das herrliche Panorama erkennen, das die Bäume zusammen bilden” (S. 234).

Leider tritt TG nicht weit genug zurück. Er sieht den Großen Kampf im Himmel gar nicht. Er übersieht diese riesige Komponente der Ewigkeit. Wie kann das als Adventist passieren?

S. 234-235: “Isolierte Beweistexte sind der Nährboden für Irrlehren. Die biblische Wahrheit wird offenbar, wenn man wirklich die ganze Geschichte liest.”

Genau. Traurigerweise (und erstaunlicherweise) liest TGs Sohn Gottes nicht die ganze Geschichte.

Von einen “geringeren Gott” (S. 235) ist in der antitrinitarischen Lehre bezüglich Joh 3,16 keine Spur.

S. 235: “Sobald wir die ganze Bibel lesen, verlieren die antitrinitarischen Beweistexte im Licht der großen Erzählung an Bedeutung. Keiner der neutestamentlichen Texte, die Jesus als Sohn Gottes bezeichnen, hat etwas mit seinem urzeitlichen Ursprung zu tun. Diese übernatürliche Gottesentstehung wird nirgendwo in der Bibel erwähnt. Sie ist eine philosophische Erfindung, die dem Buch übergestülpt wurde.”

Die ist eine Behauptung, die weder Micha 5 noch Sprüche 8 berücksichtigt.

S. 236: “Die Bibel will uns nicht den Seinsursprung Gottes erklären.”

Das wollen Antitrinitarier auch nicht. Gott hat kein Seinsursprung. Die Natur von Jesus ist göttlich, also ohne Seinsursprung. Aber die Person Jesus Christus kann biblisch gesehen einen Anfang gehabt haben – so verstehen Nichttrinitarier Sprüche 8 und Micha 5.

S. 236: Die Bibel “ist eine Bundesgeschichte, keine Gottesphilosophie.”

Die Dreieinigkeit ist eine Gottesphilosophie, ein künstliches Konstrukt, um die berechtigte Bezichtigung des Polytheismus zu umgehen.

Die Frage, “Wie lange und in welcher Form hat Gott schon existiert?” fragen Antitrinitarier gar nicht.

Insgesamt ein Buch, daß das Bündnis zwischen Gott dem Vater, seinem Sohn und der Welt zwar geschickt und gezielt hervorhebt, aber auch viel Inspiration ausgelässt oder übersieht. Schade. Denn das Evangelium leuchtet heller und kräftiger und noch liebevoller, wenn man den größeren Rahmen des Großen Kampfes berücksichtigt and annimmt.

Die Bibel tatsächlich eine Liebesgeschichte.
Eine Liebesgeschichte zwischen einem echtem Vater und einem echten Sohn.

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