Kapitel 8: Gleichheit ist unerlässlich [ ⚠ ein katastrophales Kapitel der Anschuldigungen!]
Singularität oder Pluralität?
TG: “In einem monistischen Gottesbild ist” selbstaufopfernde Liebe “undenkbar. . . . Welch wunderbare Erkenntnisse offenbaren sich hingegen, wenn man Gott als ewige Gemeinschaft mehrerer göttlicher Personen betrachtet, die in hingebungsvoller Liebe eins sind!” (Trio, 164).
Die Bibel definiert Gott nie explizit als “Gemeinschaft mehrerer göttlicher Personen”. Als (eine!) Person ist Gott präzise Gott der Vater. Gäbe man Unbefangenen das Wort “Gott” als biblische Vokabel zu definieren würden sie nie auf eine partielle Komposition ala Trinität kommen!
TG: “Und dies bringt uns zu der wohl ungeheuerlichsten theologischen Übertretung, die das antitrinitarische Denken begeht: Indem Gott auf ein alleinstehendes Wesen reduziert wird, reduziert die antitrinitarische Lehre das Opfer Christi einen ultimativen Akt göttlicher Ichbezogenheit. Golgatha wird letztendlich zu einem heidnischen Opferritual von kosmischen Ausmaß”(Trio, 166).
Gibson stützt sich auf folgendes Zitat von Ellen White, Erziehung, 155: “Das Prinzip der Selbstlosigkeit, die Maxime des Reiches Gottes, erfüllt Satan dermaßen mit Hass, dass er dessen Existenz leugnet. Schon zu Beginn des Großen Kampfes hat er versucht, das Wirken Gottes als egoistisch zu brandmarken; ebenso verfährt er mit den Menschen, die Gott dienen. Seine Behauptungen zu widerlegen ist die Aufgabe von Christus und aller, die sich nach ihm bezeichnen.”
TG: “Wo immer wir also auf eine theologische oder philosophische Argumentation stoßen, die Gott etwas Geringeres als reine, selbstaufopfernde Liebe zuschreibt, ist niemand anderem als dem Teufel gedient” (Trio, 166-167). !!
Mit 2Kor 4,4, 10,4-5, und 11,14-15 sieht Gibson eine antitrinitarische Verfälschung des Evangeliums: Satan wird “durch die Predigten und Schriften vorgeblicher Diener der Wahrheit eingeschleust, deren hauptsächlicher Einfluss darin liegt, die Erkenntnis der Liebe Gottes zu schmälern. . . . Antitrinitarismus ist schlichtweg eine versteckte Variante des Monismus,” wo Gott bei Platon als Eines auftritt, bei Aristoteles als unbewegter Beweger, oder arianisch oder modalistisch, eben auch und letztendlich pantheistisch (Trio, 168).
Falscherweise schreibt Gibson: “Nach antitrinitarischer Sichtweise war derjenige, der am Kreuz starb, ein chronologisch zweitrangiges und ontologisch niedrigeres göttliches Wesen, das eine untergeordnete Stellung unter dem “einen wahren Gott” einnimmt” (Trio, 169). . . . “Wenn wir der Logik des Antitrinitarismus von seiner fatalen Denkvoraussetzung her weiter folgen, wird aus dem Opfer Christi das größte Besänftigungsopfer der Geschichte. Damit wird die selbstaufopfernde Liebe Gottes vollkommen ausgeblendet” (Trio, 171).
Eine wahrlich grobe Anschuldigung, die den Antitrinitariern das Kreuz, das Evangelium, und die Liebe Gottes abspricht! Gibson sieht und versteht nicht, daß Antitrinitarier auch an das hebräische Bundesopfer glauben, nicht an eine heidnische Besänftigung eines Dritten an Gott.
Johannes 3,16 ist auch unser Vers!
Wir bestätigen mit Ty Gibson genauso Ellen Whites Beurteilung in That I May Know Him, 292: “Christus ist seinem Vater gleichgestellt. Dies machte es für ihn möglich, zum Sündopfer für die Übertreter zu werden. Er war vollkommen geeignet, das Gesetz hochzuhalten und seinen Wert zu bestätigen.”
Hier fehlt dem Buch eine Abhandlung zu Jesaja 53. Gibson meint, im Antitrinitarismus “litt und starb jemand anderes als Gott für unsere Erlösung” (Trio, 176). Dabei fehlt bei Gibson eine dringend notwendige Definition von “Gott” – Gott der Vater? Gott der Sohn? Gott das 3-fache Gemeinschaftswesen? Wer ist “Gott”? Starb Gott der Vater für uns? Und genauso wichtig: Starb Gottes Sohn nicht für uns? Gab der Vater Seinen Sohn nun doch nicht? Wie sollen wir jetzt das Evangelium verstehen, und genauer gesagt, die Sprache des Neuen Testaments, die sich auf zwei Parteien beruft: Vater und Sohn? Wenn nur davon die Rede ist, dass Gott sich selbst gab, schlingern wir hier nicht ironischerweise genau in jenen Monismus (und Modalismus), vor dem Gibson sich scheut?!
Gibson treibt diesen Gedanke Seite für Seite weiter: “Diesbezüglich ist die antitrinitarische Lehre eine Form des Heidentums, weil sie annimmt, dass Gottheit oder Göttlichkeit ein Zustand ist, den Wesen erlangen können, die nicht ultimativ Gott sind” (Trio, 177). Somit landet man in “einer ziemlich teuflischen Vorstellung”. ⚠ In seiner Beschreibung des Antitrinitarismus meint Gibson, dass der Tod Christi “der erschreckenste Akt von Selbstsucht, den man sich vorstellen kann,” ist, denn hier sandte der wahre Gott “jemand, der für die gefallene Menschheit sterben musste . . . den er ins Leben gerufen hatte, um an seiner Stelle zu leiden und zu sterben” (Trio, 177). “Golgotha ist entweder ein Beweis dafür, dass Gott Liebe ist, oder ein Beweis dafür, dass Gott ein blutrünstiges Monster ist. . . . Willkommen in einem Universum, in dem die mächtigste Person in erster Linie eigennützig handelt” (Trio, 178). ⚠
Erschreckend und enttäuschend diese Darstellung, und was für ein krasses Missverständnis und Verzerrung des antitrinitarischen Verständnisses von Gott! Kein Antitrinitarier meines Wissens würde behaupten oder auch nur darauf hindeuten, dass ein nichtgöttliches Wesen Göttlichkeit im Wesen erlangen könnte.
Für Gibson setzt sich Gott “in all seiner übersinnlichen Göttlichkeit aus drei lebendigen Personen zusammen. Drei ebenbürtige Mächte, drei gleichermaßen Bevollmächtigte, die in ihrer Natur, ihrem Charakter und in ihrer Liebe eins sind” (Trio, 179). Er meint damit auch, dass Ellen White uns Gott als himmlisches Trio vorstellte. Dies tat sie allerdings gar nicht. Nie definiert sie “Gott” als Trio. Anders ausgedrückt definiert Ellen White das himmlische Trio nicht als Gotteswesen. Thema verfehlt!
Hier zitiert Gibson sogar Ellen White wenn sie eigentlich gegen seine Theologie schreibt: der Vater “gab seinen einzigartigen Sohn hin” (SL, 18-19). Aber um seine Theologie aufrecht zu halten muss Gibson auf eine eigenartige Sprachform ausweichen: “Damit die Trennung Gottes von Gott auf Golgatha echt ist, muss es eine Mehrzahl von Personen in einer tatsächlichen
Beziehung untereinander innerhalb der Parameter von Gottes eigener und göttlicher Realität geben, die diese Trennung durchmachen können” (Trio, 183).
Bemerkenswert ist die sehr philosophisch-orientierte Formulierung. Dabei lese ich nichts von Joh 3,16, wo Gott der Vater Seinen Sohn gibt. Für Gibson gibt Gott sich selber, nicht Seinen Sohn.
Ty Gibson formuliert auch eine falsche Trennung zwischen hebräischem und griechischem Denken; das Neue Testament ist auf Griechisch überliefert, wie auch die wichtigste Übersetzung des Tanakhs, die Septuaginta. Nicht alles Griechische ist dunkel – trotz eines möglichen hebräischen Ursprungs des Neuen Testament ist es eben auf Griechisch überliefert. Griechisch war mindestens ausreichend, um das Evangelium von Jesus Christus zu formulieren!
Allein dieses Kapitel würde reichen, keine weitere trinitarische Apologia zu lesen.










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