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Kommentar: „Das Trio“ von Ty Gibson

Kapitel 9: Der missachtete Bund

Prinzipielle Polarisation für Gibson: weltliche Machtstruktur oder strukturelle biblische Gleichheit? Also: Macht oder Liebe?

Hier sieht Gibson im antitrinitarischen Gottesbild eine psychologisch schädigende Hierarchie. Theologie beeinflusst massgeblich unsere menschlichen Beziehungen – im antitrinitarischen Gottesbild negativ, sogar destruktiv. Im Antitrinitarismus ist “Gott eine hierarchische Machtstruktur” (Trio, 189), und konsequenterweise weitet sich dies auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen aus.

In diesem Zusammenhang findet nach Gibson unser Verständnis der Gemeinde seine Bedeutung, denn die Einheit der Gemeinde “hat ihren Ursprung im Einssein des dreieinen Gottes” (Trio, 191 – Glaubensüberzeugung 14). Gibson im Klartext: “Grundgedanke: Gott ist eine Einheit aus drei ewigen, gleichberechtigten Personen. Schlussfolgerung: Die Gemeinde ist eine Gemeinschaft aus Gleichberechtigten, die einen Leib bilden” (Trio, 192).

Im Kontrast dazu: “Für den Antitrinitarismus und seinen ideologischen Bruder, den Subordinatianismus, bedeutet eine hierarchische Ordnung das Höchstmaß an Reife, das eine Beziehung erreichen kann” (Trio, 199).

Gedanken zum Evangelium

Gibson bevorzugt bei “durch den Glauben an Jesus” (Gal 2,16) lieber die Übersetzung “durch den Glauben Jesu”. Aber der Ausdruck ist grammatisch ambivalent und subjektive/objektive Genitive werden in der neutestamentlichen Theologie viel diskutiert, ohne Konsens [Anmerkung: subjektiv: das Buch von Mose = das Buch, das Mose schrieb; Mose ist das Subjekt. Dagegen das Buch von Mose = das Buch über Mose, das von Mose handelt; Mose ist das Objekt]. Die ähnliche Konstruktion in Markus 11,22 ist bestimmt grammatisch objektiv gemeint, also Glaube an Gott, nicht der Glaube Gottes. In Apg 24,24 stellt Lukas diese Realität mit der Präposition “in” klar: Glaube in/an Christus. Ein Kapital nach Gal 2,16 schließt Paulus diese Präposition auch mit ein: “denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an (oder: in) Christus Jesus” (Gal 3,26 Menge). Mit Präposition auch Eph 1,15; Kol 1,4; 2,5.

Und so auch Ellen White: “Die dritte Botschaft des Engels ist die Verkündigung der Gebote Gottes und des Glaubens an [of] Jesus Christus. Die Gebote Gottes sind verkündigt worden, aber der Glaube an [of] Jesus Christus ist von den Siebenten-Tags-Adventisten nicht als gleichwertig verkündigt worden, denn Gesetz und Evangelium gehen Hand in Hand. Ich finde keine Worte, um dieses Thema in seiner Fülle auszudrücken. „Der Glaube an [of] Jesus”. Es wird davon gesprochen, aber nicht verstanden. Was ist der Glaube Jesu, der zur dritten Engelsbotschaft gehört? Dass Jesus unser Sündenträger wurde, damit er unser sündenverzeihender Erlöser werden konnte. Er wurde so behandelt, wie wir es verdienen, behandelt zu werden. Er kam in unsere Welt und nahm unsere Sünden auf sich, damit wir seine Gerechtigkeit annehmen können. Und der Glaube [des Glaubenden] an [in] die Fähigkeit Christi, uns reichlich und voll und ganz zu retten, ist der Glaube an Jesus” (3SM 172.3).

Die einzige Sicherheit für die Israeliten war Blut an den Türpfosten. Gott sagte: „Wenn ich das Blut sehe, werde ich über euch hinweggehen“ (2Mo 12,13). Alle anderen Sicherheitsvorkehrungen wären vergeblich gewesen. Nichts als das Blut an den Türpfosten würde den Weg versperren, damit der Todesengel nicht eintreten konnte. Die Rettung für den Sünder liegt allein in dem Blut Jesu Christi, das uns von aller Sünde reinigt. Der Mensch mit einem kultivierten Intellekt mag über einen riesigen Wissensschatz verfügen, er mag sich mit theologischen Spekulationen beschäftigen, er mag groß sein und von den Menschen geehrt werden und als Hort des Wissens gelten, aber wenn er nicht eine rettende Erkenntnis des für ihn gekreuzigten Christus hat und durch den Glauben [des Glaubenden] die Gerechtigkeit Christi ergreift, ist er verloren. Christus „ist um unserer Übertretungen willen verwundet und um unserer Missetaten willen gequält worden; die Strafe unseres Friedens lag auf ihm, und durch seine Striemen sind wir geheilt“ (Jesaja 53,5). „Gerettet durch das Blut Jesu Christi“ wird unsere einzige Hoffnung für die Zeit und unser Lied für die Ewigkeit sein” (3SM 172.4 – deepl.com).

Nach einer langen Beschreibung des Evangeliums und des Bundes (der auch Antitrinitarier zustimmen würden] interpretiert Gibson den Antitrinitarismus wieder falsch:

“Egal ob beabsichtigt oder nicht:

” (Trio, 217). Angeblich könnten Menschen im Antitrinitarismus “einen höheren Standard an Freiheit erreichen … als Gott selbst.” . . . “Wenn Gott nun, wie der Antitrinitarismus behauptet, in seinem Wesen hierarchisch strukturiert wäre und über eine Autoritätsdynamik steuerte, die von oben nach unten wirkte, wäre die Beziehungsdynamik des neuen Bundes unvorstellbar” (Trio, 216).

Kapitel 10: Die Bundesgemeinschaft

Wieder und weiter wird der Antitrinitarismus falsch kritisiert: “Die antitrinitarische Sichtweise lenkt von der alttestamentlichen Rahmenhandlung weg und schreibt Christus eine Identität zu, die nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat, die uns die Propheten übermitteln” (Trio, 220).

Mit seinem Verständnis der Antitrinitarier wird deutlich, wie oft Gibson einen Strohmann aufstellt, der dann systematisch umgeworfen wird. Mit seiner Beschreibung der antitrinitarischen Position

kann ich mich keineswegs nicht identifizieren; es wird ein kaltes, dunkles Bild gemalt, von Pantheismus und freier Liebe, lieblosen Machtstrukturen und Hierarchieperspektiven, die mir persönlich als auch in der antitrinitarischen Literatur vollkommen fremd sind. Schade. Und ein grosser Schaden.

[Salz der Erde Kommentar für den 6. Januar 2023]

In der ersten Januarwoche erhielt ich zwei Anfragen, die in der letzten Betrachtung auch zum Vorschein kommen:

1) “Da wir wissen, dass Jesus ja der Gott des Alten Testaments ist, kommt eine Frage zum Gebet auf . . . Im Alten Testament beteten die Menschen zu Jesus, der die Gebete dann an den Vater weiterleitete. Aber an wen beteten die Menschen, als Jesus auf der Erde war?” (Die Frage wurde nicht mit trinitarischer Absicht gestellt).

2) “Ich bin seit einiger Zeit überzeugte Antitrinitarierin, fühle mich aber noch der Adventgemeinde zugezogen. Jetzt wurde ich eingeladen, ein Bibelstudium zu führen – solange ich nicht über die Dreieinigkeit spreche und diesbezüglich auch keine Fragen beantworte. Ich bin nicht militant, will aber auch nicht immer den Mund halten müssen . . . Irgendwelchen Rat? Was schlägst Du vor?

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