Kapitel 3: Ellen Whites Trinitarische Reise
S. 58: “Die dreieine Beziehung ist das einzige Gottesbild, das die pantheistische Theorie mit ihrer Entpersonalisierung Gottes ausschließt. Das antitrinitarische Gottesbild ist hingegen die theologische Vorstufe zum Pantheismus.”
Ehrliche Frage: Was bedeutet eigentlich das Wort “dreieine”?
S. 61: “Wenn man bedenkt, dass sie als Frau von antitrinitarischen Männern umgeben war, die sie alle schätzte und respektierte, ist es erstaunlich, dass sie in ihren Schriften nie eine offen antitrinitarische Sichtweise äußerte, wie wir sie bei den Adventpionieren in Kapitel 2 gefunden haben.”
Diese Aussage ist eine Vermutung, die dem Sachverhalt nicht entspricht. Ellen White hat bewußt trinitarische Aussagen umformuliert. Die trinitarische Annahme ist, daß sich Ellen White immer weiter als Trinitarierin entwickelte, aber – ganz wichtig – aus Respekt bewußt eine trinitarische Konfrontation vermied. Konsequenterweise benütze sie keine expliziten Trinitarismen.
Zum einen werden wir ihre sogenannten trinitarischen Aussagen genau untersuchen müssen; zum anderen scheute sich sich in ihrem prophetischen Dienst nicht vor der Konfrontation. Nicht aus Stolz oder Anmaßung sondern auf göttliche Weisung hin entlarvte sie Heuchler, Ehebrecher, Pantheisten, Scharlatane. Sie schrieb Briefe, die direkt auf Sünde im Leben des Empfängers hinwiesen. In Australien konfrontierte sie Schulleiter und Lehrer, die gegen ihre Anweisungen und Ratschläge wettbewerbsorientierte Veranstaltungen organisierten. Wäre die antitrinitarische Ausrichtung wirklich so daneben gelegen, hätte sie sich geäußert. 1888 hielt sie ihren Mund nicht; sie hatte bestimmte Worte für Uriah Smith, für George Butler, für Jones und Waggoner. Und hier geht es um die Gottheit, um Gott, um Seinen Sohn, um das Evangelium – und sie hätte sich nichts gesagt?
S. 61: “Als sie [die Pioniere] nun von der Idee hörten, dass Gott ein Einzelwesen sei, das sich selbst in drei Erscheinungsformen offenbarte, wiesen sie diese Vorstellung als absurd und theologisch problematisch zurück. Zu Recht beharrten sie darauf, dass Christus Gott und gleichzeitig eine vom Vater zu unterscheidende Person war.”
Problem: Unsere jetzige Formulierung (v.a. Punkt 2) verletzt genau diese Realität: Aus drei Einzelwesen wird ein einziges Wesen.
Und auch die Behauptung, unsere Pioniere (einschliesslich EGW) wetterten nur gegen den Modalismus, und zudem änderten ihre Meinung zur “biblischen Dreieinigkeit”, ist historisch nicht haltbar:
Bruder J. N. Andrews schrieb 1885:
“Die Ursache für den Fall Babylons wird folgendermaßen angegeben: „Sie hat alle Nationen mit dem Wein des Zorns ihrer Hurerei getränkt.“ Ihre Unzucht war ihre ungesetzliche Vereinigung mit den Königen der Erde. Der Wein davon ist der, mit dem die Kirche die Nationen der Erde berauscht hat. Es gibt nur eine Sache, auf die sich das beziehen kann, nämlich falsche Lehre. Diese Hure hat infolge ihrer unrechtmäßigen Vereinigung mit den Mächten der Erde die reinen Wahrheiten der Bibel verdorben und mit dem Wein ihrer falschen Lehre die Nationen berauscht. Ein paar Beispiele ihrer Verfälschung der Wahrheiten der Bibel müssen genügen:
1. Die Lehre von der natürlichen Unsterblichkeit der Seele…
2. Die Trinitätslehre, die durch das Konzil von Nizza in der Kirche eingeführt wurde, a. d. 325. Diese Lehre zerstört die Persönlichkeit Gottes und seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. Die schändlichen Maßnahmen, durch die sie der Kirche aufgezwungen wurde und die auf den Seiten der Kirchengeschichte erscheinen, könnten jeden Gläubigen dieser Lehre erröten lassen. (1855 JNA, TAR 54 – Die drei Engel der Offenbarung 14:6-12, J. N. Andrews)
Mit dem Verweis auf Nizza handelt es sich um die Dreieinigkeitslehre an sich, nicht nur um den Modalismus!
Ellen White schreibt besorgt: “Sollen Götzen eingeschmuggelt werden? Sollen falsche Prinzipien und falsche Gebote in das Heiligtum gebracht werden? Soll der Antichrist respektiert werden? Sollen die wahren Lehren und Prinzipien, die uns von Gott gegeben wurden und die uns zu dem gemacht haben, was wir sind, ignoriert werden? … Diese Dinge sind so weit gegangen, wie sie sollten, ohne dass jemand mit einfachen Worten dagegen protestiert hat. Die Zeit des Herrn, die Dinge in Ordnung zu bringen, ist vollständig gekommen. (21MR 448)
Ganz aufschlussreich sind aber folgende Notizen – beide aus dem Jahr 1905:
“Ich überprüfe jetzt meine Tagebücher und Kopien von Briefen, die ich vor mehreren Jahren geschrieben habe … Ich habe die wertvollste Sache, die ich reproduzieren und den Menschen in Zeugnisform vorlegen kann. Während ich in der Lage bin, diese Arbeit zu tun, müssen die Menschen Dinge haben, um die vergangene Geschichte wiederzubeleben, damit sie sehen können, dass es in dem, was ich geschrieben habe, eine gerade Kette der Wahrheit gibt, ohne einen einzigen ketzerischen Satz. Dies, so wurde mir gesagt, soll ein lebendiger Brief an alle in Bezug auf meinen Glauben sein” (Ellen G. White, Brief 329a, 1905, 16. Nov., an Mabel White).
“Das, was ich geschrieben habe, hat mir der Herr geboten zu schreiben. Ich bin nicht angewiesen worden, das zu ändern, was ich ausgesendet habe. Ich stehe fest im adventistischen Glauben; denn ich bin vor den verführerischen Spitzfindigkeiten gewarnt worden, die bei uns als Volk Einzug halten werden. Die Schrift sagt: „Einige werden vom Glauben abfallen und auf verführerische Geister und teuflische Lehren achten.“ Ich stelle vor unser Volk die Gefahr, in die Irre geführt zu werden, wie es die Engel in den himmlischen Höfen waren. Die gerade Linie der Wahrheit, die mir gezeigt wurde, als ich noch ein Mädchen war, wird mir jetzt genauso klar präsentiert” (Ellen G. White, Review and Herald, 26. Januar 1905).
Wie wären bei einer jetzt heretischen Lehre folgende Empfehlungen möglich?
„Wir sollen die Worte der Pioniere wiederholen … Lasst das, was diese Männer geschrieben haben … reproduzieren“ (1MR 63; 2MR 440; Lt 229, 1903; RH, 25. Mai 1905). „Die vergangenen fünfzig Jahre haben nicht ein Jota oder einen Grundsatz unseres Glaubens getrübt, als wir die großartigen und wunderbaren Beweise erhielten, die uns 1844 zugesichert wurden … Nicht ein Wort wird geändert oder geleugnet. Das, was der Heilige Geist nach Ablauf der Zeit als Wahrheit bezeugt hat, ist das solide Fundament der Wahrheit. [Die] Säulen der Wahrheit wurden offenbart, und wir akzeptierten die Grundprinzipien, die uns zu dem gemacht haben, was wir sind – Siebenten-Tags-Adventisten, die die Gebote Gottes halten und den Glauben an Jesus haben“ (Lt 326-1905,3; Ms111-1905,4: „die wesentlichen Punkte der Wahrheit“). “Die Fundamente, die zu Beginn unseres Werkes gelegt wurden …“ (GW 307) – „Wahrheit, die Gott seit fünfzig Jahren seinen Leuten gegeben hat“ (1 SM 162). Wir „stehen auf der gleichen Plattform der Wahrheit, die wir seit mehr als einem halben Jahrhundert aufrechterhalten“ (Ms142-1905.6).
S. 62f. TG skizziert die folgenden Phasen bei Ellen Whites trinitarischem Werdegang:
1. Zurückhaltung (1847-1887): “Es ist klar ersichtlich, dass sie das Anliegen ihrer Kollegen teilte: Christus soll als göttlich, aber gleichzeitig alls getrennt vom Vater wahrgenommen werden.”
2. Entstehung (1888-1897): “Während dieser Periode erkannte Ellen White offensichtlich, dass die Göttlichkeit christi ein wichtiger Bestandteil der Erlösungslehre ist. Denn die Versöhnung ist nur dann ein Akt der wahrhaft selbstaufopfernden Liebe Gottes, durch den die Rettungstat von Gott allein bewirkt wird.” (S. 63)
3. Entschiedenheit (1898-1915): “In diesem letzten Abschnitt bezeichnete Ellen White Vater, Soh und Geist unmissverständlich als drei verschiedene Personen, die all an der Ausführung des Erlösungsplans beteiligt sind und gemeinsam ein ‘himmlisches Trio’ bilden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie verstanden, dass Jesus ewige Koexistenz mit dem Vater aufweist, die sich nicht vom Vater ‘ableitet’. Hier nannte sie den Heiligen Geist auch ausdrücklich ‘die dritte Person der Gottheit’.” (S. 63)
Es wäre interessant, Ellen White Zitate zusammenzustellen, die dieser Einteilung als Entwicklung widersprechen . . .
Interessanterweise zitiert TG hier aus dem Jahre 1901, wo EGW den Heiligen Geist im Erlösungsplan mit einbezieht, wo aber Jesus im Himmel als “eingeborener Sohn Gottes” bezeichnet wird! (Ellen White, The Australasian Union Conference Recorder, 1. April 1901, A p. 10).
Wenn TG 1SP S. 17 (1870) zitiert, interpretiert er die Aussage von Ellen White aber falsch. Hier das Zitat auf Deutsch, mit TGs Betonungen; dann die Anmerkung von TG:
“Der Schöpfer ließ die himmlischen Scharen zusammenrufen, um seinem Sohn in Gegewart aller Engel besondere Ehre zukommen zu lassen. Der Sohn saß mit dem Vater auf dem Thron und die große Menge heiliger Engel war um sie herum versammelt. Der Vater gab bekannt, dass er selbst bestimmt hatte, dass Christus, sein Sohn, ihm gleich sein sollte. Wo also der Sohn anwesend war, war auch die Gegenwart des Vaters. Dem Wort des Sohnes sollte genauso bereitwillig Folge geleistet werden wie dem Wort des Vaters. Seinen Sohn hatte er mit der Macht ausgestattet, den himmlischen Heerscharen zu gebieten. In besonderer Weise sollte der Sohn bei der vorgesehenen Erschaffung der Erde und ihrer Lebewesen mit dem Vater zusammenarbeiten. Sein Sohn würde seinen Willen und seine Absichten ausführen, aber nichts aus sich allein tun. Der Wille des Vaters würde sich durch ihn erfüllen.”
TG S. 65: “Dieser Abschnitt wird von Antitrinitariern als eine Beschreibung des Zeitpunkts verstanden, an dem Gott die Engel darüber informierte, dass er Göttlichkeit auf Jesus übertragen und bestimmt hatte, dass Christus ihm selbst an göttlichem Status gleich sein sollte. Bei dieser Interpretation tun sich erhebliche Probleme auf. Wenn Göttlichkeit etwas ist, was man auf ein Wesen übertragen kann, das nicht von Natur aus göttlich ist – was hält uns dann davon ab anzunehmen, dass wir selbst vergöttlicht werden könnten?
⚠ Ein katastrophales Missverständnis! Antitrinitarier betonen die Göttlichkeit von Jesus, und glauben NICHT, er hätte je ohne Göttlichkeit oder als nicht-göttliches Wesen existiert. Niemand
spricht von einer Übertragung der Göttlichkeit, und vor allem nicht dieses Zitat von Ellen White!
Wieder spricht TG von einen “Statuswechsel von nichtgöttlich zu göttlich” – dem muß ich vehement widersprechen. Ellen Whites Verweis auf die “wahre Stellung” von Jesus, bei der sich “seit dem Anfang nichts geändert hatte” (WAB, S. 17), ändert nichts an diesem Tatbestand.
TG meint in diesem Zusammenhang, Ellen White “vermied, ausdrücklich antitriniatirsche Aussagen zu machen” (S. 66). Allerdings lese ich v.a. die Anfangskapitel von WAB, und auch Patriarchen und Propheten, als nichttrinitarisch. Von einem 3 in einem Gott ist hier keine Spur.
TG meint auch, dass James White sich “ab 1877 langsam von seinen antitrinitarischen Wurzeln” entfernte: “Wir müssen den Vater und den Sohn schon vor Erstehung der Welten als eine schöpferische und rechtsanwendende Allianz mit gleicher Machtverteilung betrachten” (keine Referenz bez. J White).
Eine Abwendung vom Antitrinitarismus sehe ich hier nicht, auch nicht bei der Verwendung der “drei Gewalten des Himmels” (Ellen White, General Conference Bulletin, 14. April 1901; Signs of the Times, 19. Juni 1901 . . . ), die TG mehrfach zitiert.
“Drei Gewalten des Himmels” sind weit von einer trinitarischen Definition entfernt. Aber für TG
“zeigt dies unmissverständlich, dass ihre Lehre von der Gottheit vollends trinitarisch war” (S. 68)!
TG beschränkt den Heiligen Geist in seinem Verständnis des Antitrinitarismus als
“unpersönlichen Einfluss” (S. 69).
Uriah Smith wird ohne Referenzmaterial zitiert, und die Verben “geschaffen” und “gezeugt” als widersprüchlich dargestellt, eine angeblich letzte Vestige des Antitrinitarismus im frühen Adventismus. Smith wird aber keine Chance gegeben, sich zu erklären, im Sinne von “damit meine ich . . . ”. Natürlich ist es auch problematisch, dass seine Schriften nach seinem Tod geändert und kräftig editiert wurden.
Und dann kommt natürlich das Power Zitat: “In Christus ist ursprüngliches, nicht verliehenes, sondern ureigenes Leben” (Der Sieg der Liebe, S. 512).
Damit “verblassten antitrinitarische Ansichten und Ellen White wurde in ihrer trinitarischen Orientierung deutlicher” (S. 71). Dieses Zitat bedarf einer ausführlichen Erklärung, da es im Original nicht von Ellen White stammt. So kurz wie möglich gefasst:
1. John Cumming, Sabbath Evening Readings on the New Testament – St. John:
S. 5: “In ihm war Leben, das heißt ursprünglich, ungeborgt, ungenutzt. In uns ist ein Bach aus der Quelle des Lebens. Unser Leben ist etwas, das wir empfangen, etwas, das der Geber wieder zu sich zurücknimmt, über das wir keine Kontrolle haben und für das wir Gott Rechenschaft und Lob ablegen müssen. Aber in Jesus war das Leben ungenutzt, ungeborgt.”
Das Buch war in Ellen Whites Bibliothek. Allerdings spricht Cumming nie von einem drei-einigen Gott/Gottheit.
Aber es kommt noch besser: Das Zitat stammt nicht einmal von Cumming, sondern von einem William E. Channing, der es 1819 schon verfasste; es tauchte in einer unitarischen Schrift auf, der “Unitarian Christianity” von Baltimore, Maryland:
“Wir behaupten ernsthaft … dass unser Vater im Himmel ursprünglich, wesentlich und ewig versöhnlich und bereit ist zu vergeben; und dass seine ungeborgte, unerschöpfliche und unveränderliche Liebe die einzige Quelle dessen ist, was durch seinen Sohn zu uns fließt” (The Works of William E. Channing, 1882, S. 371).
Die Beziehung dieser Beschreibung ist auf den Vater gerichtet, und die Attribute fließen dann durch den Sohn! Von einem trinitarischen Zitat kann hier keine Rede sein.
Ursprünglich benützte dann Ellen White eine ähnliche, anlehnende Wortwahl in 1896, Signs of the Times, aber passen wir hier genau auf:
“In Ihm war Leben, ursprünglich, ungeborgt, ungenutzt. Dieses Leben ist dem Menschen nicht eigen. Er kann es nur durch Christus besitzen. Er kann es sich nicht verdienen; es wird ihm als kostenloses Geschenk gegeben, wenn er an Christus als seinen persönlichen Retter glaubt. „Dies ist das ewige Leben, damit sie dich, den allein wahren Gott, und Jesus Christus, den du gesandt hast, erkennen“ (Johannes 17,3). Dies ist die offene Quelle des Lebens für die Welt.“ Ms2-1896; ST 8. April 1897
J. Adams Stevens schreibt in 1929, Signs of the Times: “Unsterblichkeit ist eine Tatsache, aber sie ist eine innewohnende Eigenschaft Gottes allein, die er mit seinem Sohn, Jesus, dem Christus, geteilt hat.”
W.G. Turner, Signs of the Times, June 3, 1929 (!): “„Wir finden, dass der Sohn dem Vater in allem gleich ist, außer in dem, was durch die Begriffe ‚Vater‘ und ‚Sohn‘ ausgedrückt wird. Aber da der Vater diese göttlichen Eigenschaften allein von sich selbst besitzt, während der Sohn sie vom Vater herleitet, ist der Vater in diesem wirklichen Sinne und nur in diesem Sinne größer als der Sohn.”
Aber die klarsten und erstaunlichsten Zitate kommen direkt von Ellen White:
Der Artikel von Review & Herald vom 9. Juli 1895, Abs. 12, ist hier von Interesse: „Der ewige Vater, der Unveränderliche, gab seinen eingeborenen Sohn, riss ihn aus seiner Brust, der nach dem ausdrücklichen Bild seiner Person geschaffen war, und sandte ihn auf die Erde …”
Englisches Original: “The Eternal Father, the unchangeable one, gave his only begotten Son, tore from his bosom Him who was made in the express image of his person, and sent him down to earth…”
“Christus wird in der Heiligen Schrift als Sohn Gottes bezeichnet. Von Ewigkeit her hat er diese Beziehung zu Jehova aufrechterhalten” (Ms 22, 7. März 1905).
Englisches Original: “Christ is declared in the Scriptures to be the Son of God. From all eternity He has sustained this relation to Jehovah” (Ms 22, 1905, March 7).
Im größeren Zusammenhang:
“Christus wird in der Heiligen Schrift als Sohn Gottes bezeichnet. Von Ewigkeit her hat er diese Beziehung zu Jehova aufrechterhalten. … In seiner Inkarnation erlangte er in einem neuen Sinn den Titel des Sohnes Gottes. Der Engel sagte zu Maria: „Die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Sohn Gottes genannt werden.“ *Lukas 1:35. Als Sohn eines Menschen wurde Christus in einem neuen Sinne zum Sohn Gottes. So stand Er in unserer Welt – der Sohn Gottes, der sich jedoch durch die Geburt mit der menschlichen Rasse verbündete” (Ms 22, 7. März 1905).
Englisches Original: “Christ is declared in the Scriptures to be the Son of God. From all eternity He has sustained this relation to Jehovah. … In His incarnation he gained in a new sense the title of the Son of God. Said the angel to Mary, “The power of the Highest shall overshadow thee; therefore also that holy thing that shall be born of thee shall be called the Son of God.” *Luke 1:35.+ While the son of a human being, Christ became the Son of God in a new sense. Thus He stood in our world—the Son of God, yet allying Himself by birth to the human race.”
Gegen eine trinitarische Entwicklung spricht auch dieses bemerkenswerte Zitat:
“Engel wurden aus dem Himmel vertrieben, weil sie nicht in Harmonie mit Gott arbeiten wollten. Sie fielen von ihrem hohen Stand, weil sie erhöht werden wollten. Sie waren gekommen, um sich selbst zu erhöhen, und sie vergaßen, dass ihre Schönheit der Person und des Charakters vom Herrn Jesus kam. Diese Tatsache würden die Engel verschleiern, dass Christus der eingeborene Sohn Gottes war, und sie kamen zu der Überlegung, dass sie Christus nicht konsultieren sollten. Ein Engel begann die Kontroverse und führte sie weiter, bis es in den himmlischen Höfen unter den Engeln zu Rebellion kam. Sie wurden wegen ihrer Schönheit erhöht” (Brief 42, 29. April 1910, an D.A. Parsons).
Englisches Original: “Angels were expelled from heaven because they would not work in harmony with God. They fell from their high estate because they wanted to be exalted. They had come to exalt themselves, and they forgot that their beauty of person and of character came from the Lord Jesus. This fact the angels would obscure, that Christ was the only begotten Son of God, and they came to consider that they were not to consult Christ. One angel began the controversy and carried it on until there was rebellion in the heavenly courts among the angels. They were lifted up because of their beauty.”
“O welch ein Geschenk hat Gott unserer Welt gemacht! Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns. Gott sandte seinen eigenen Sohn in Gestalt eines sündigen Fleisches, anfällig für körperliche Gebrechen, versucht in allen Punkten wie wir. Er war der Sohn des lebendigen Gottes. Seine Persönlichkeit begann nicht mit Seiner Inkarnation im Fleisch” (Brief 77, 3. Aug. 1894 an Bruder Scazighini).
Englisches Original: “O what a gift God has made to our world! The Word was made flesh and dwelt among us. God sent His own Son in the likeness of sinful flesh, liable to physical infirmities, tempted in all points like as we are. He was the Son of the living God. His personality did not begin with His incarnation in the flesh.”
Wenn wir jetzt auf das wichtige Thema John Harvey Kellogg umschweifen, ist ein Brief von Ellen White an Kellogg wohl angebracht:
“Als Christus den himmlischen Heerscharen zum ersten Mal seine Mission und sein Werk in der Welt ankündigte, erklärte er, dass er seine Würde aufgeben und seine heilige Mission verschleiern sollte, indem er die Gestalt eines Menschen annahm, obwohl er in Wirklichkeit der Sohn des Unendlichen war Gott” (Brief 303, 29. Aug. 1903, an J. H. Kellogg).
Englisches Original: “When Christ first announced to the heavenly host His mission and work in the world, He declared that He was to leave His position of dignity and disguise His holy mission by assuming the likeness of a man, when in reality He was the Son of the infinite God.”
John Harvey Kellogg (etwas Adventgeschichte)
Panentheismus: pan = alles; en = in; theos = God → Karl C.F. Krause, Freimaurer (1781-1822). Nur Gott existiert, und das Universum ist ein Teil Gottes.
Pantheismus: Alles ist Gott; Gott ist Alles.
Einführende Erklärung: Grundsätzlich argumentiert Ty Gibson, daß es aufgrund seiner pluralen Beziehungstheorie – u. Begründung gar kein Einzelwesen geben kann. “Ich” kann nicht allein existieren; es gibt nur Wir: Ich und Du (+ Er/Sie/Es). Der Glaube an den einen Gott ist also unmöglich; Gott wird dann zum Nichtwesen, was direkt zum Pantheismus und damit auch theologisch zu pantheistischen Atheismus und moralisch zur Ausschweiferei führt. (!)
Diese Thematik ist deswegen so wichtig, weil sie direkt auf die 3fache Engelsbotschaft von Offenbarung 14 abzielt, und zwar ganz spezifisch auf den Aufruf, Gott als Schöpfer anzubeten. Hätte Ty Gibson recht, gäbe es für Antitrinitarier mindestens zwei grundsätzliche (und katastrophale) Probleme: Sie würden in den Pantheismus abrutschen, sich also diametral vom genau jenem Aufruf ablösen und entfernen, der die 1. Engelsbotschaft ausmacht, und dann noch zu Gesetzesbrechern werden, weil sie durch diesen Pantheismus zu Ehebrechern absteigen. Der Pantheismus bietet keinen Raum und Rahmen für die Sünde, da der Mensch ja auch göttlich ist oder werden kann. Im Endeffekt führe der Antitrinitarismus in den atheistischen Abgrund.
Warnung von Ellen White: “Ich bin angewiesen worden, ganz deutlich zu sprechen. „Begegne ihm“, heißt das Wort, das mir gesagt wurde. „Begegne ihm mit Festigkeit und ohne Zögern.“ Aber wir sollten ihm nicht dadurch begegnen, daß wir unsere Arbeitskräfte vom Felde wegnehmen, um die Unterschiede in der Lehre und in besonderen Punkten zu untersuchen. Solche Untersuchungen haben wir nicht durchzuführen. Im Buch Living Temple wird das Alpha der tödlichen Irrlehre dargeboten. Das Omega wird folgen und von jenen angenommen werden, die nicht willens sind, die von Gott gegebene Warnung zu beachten” (FG1 211.2).
Was TG aus dem Blickwinkel läßt ist ein Verweis auf das Alpha und das Omega drei Seiten vorher, wo Ellen White keinen anderen Bibeltext als Johannes 17 zitiert, inklusive Vers 3!
“Laßt Euch nicht täuschen; viele werden vom Glauben abfallen, weil sie verführerischen Geistern und Lehren der Teufels Beachtung schenken. Wir haben jetzt das Alpha dieser Gefahr vor uns. Das Omega wird von überraschender und erschreckender Art sein. Wir müssen die Worte Christi studieren, die er unmittelbar vor seinem Verhör und seiner Kreuzigung betete: „So redete Jesus, und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche; denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue. Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.“ Johannes 17,1-6. (FG1 208.4-209.1).
TG beginnt mit dieser Warnung an Kellogg: “Du drückst dich nicht eindeutig und klar über die Natur Gottes aus, die für uns als Volk zentral ist. Du hast praktisch Gott, den Herrn selbst, ausgelöscht” (Ellen White, Brief an John Harvey Kellogg, 16. März 1903).
Es geht um Zitate von Kellogg wie diese: “Gott ist die Erklärung für die Natur. Nicht ein Gott außerhalb der Natur, sondern in der Natur, der sich selbst durch und in allen Objekten, Bewegungen und Phänomenen des Universums äußert” (John Harvey Kellogg, The Living Temple, S. 28).
Ellen Whites Antwort: “Die Theorie, dass Gott eine Kraft ist, die alles durchdringt, ist einer von Satans raffiniertesten Tricks. Ich warne dich: lass dich nicht dazu verleiten, Theorien zu übernehmen, die zu solchen Sichtweisen führen. . . . Anstatt Gott zu ehren [Offb 14,7!], ziehen diese Theorien ihn im Denken derer, die sie annehmen, auf eine niedrige Stufe herunter. Er wird zum Nichts” (Ellen White, MR 21, 1903, S. 171).
Dann warnt Ellen White EJ Waggoner (Oktober 1903): “Ich sah die Folgen dieses abstrusen Gottesbildes in Abfall, Spiritismus und freier Liebe. Die Tendenz zur freien Liebe, die von dieser Lehre ausgeht, ist so verdeckt, dass es schwerfällt, ihren wahren Charakter deutlich zu machen. bevor Gott mir das aufzeigte, wusste ich nicht, wie ich diesen Trend nennen sollte, aber dann wurde ich angewiesen, ihn als unheilige spirituelle Liebe zu bezeichnen” (MR 3, 1903, S. 351).
“Pantheistische Auffassungen werden vom Wort Gottes nicht unterstützt. . . . Finsternis ist ihr Ursprung und Sinnlichkeit ihre Ausstrahlung. Sie befriedigen das menschliche Herz und öffnen die Tore der Lust. Diese Sichtweisen führen zur Trennung von Gott” (Ellen White, Pacific Union Recorder, 31. Dez. 1903).
Aber es geht hier nicht um Antritriniarismus! Ellen White schreibt nämlich von Geschwistern, die fehlerhaft meinten, “dass alle heilig sind” und meinten, sie würden nie fehlgehen.










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