Kapitel 4: Ein Einfallstor für Pantheismus
“Wenn Gott ein absolutes Einzelwesen ist, gibt es überhaupt keinen persönlichen Gott, sondern nur eine unpersönliche Macht, eine beziehungslose Energie, einen lieblosen natürlichen Prozess” (TG 86).
Dann vergleicht TG hebräisches (konkret, ganzheitlich, dynamisch, offen, frei) mit griechischen Denken (abstrakt, dualistisch, statisch, geschlossen, vorherbestimmt), wobei letzteres schlecht abschneidet und als Grund für theologische Verfehlungen dargestellt wird, nach Alfred North Whiteheads Motto: “Die zuverlässigste Charakterisierung der europäischen philosophischen Tradition besteht aus einer Serie von Fußnoten zu Platon” (Whitehead, Process and Reality, keine Seitenangabe).
Interessanterweise kann Gott aber mit beiden Systemen umgehen. Hebräisch ist nicht heiliger als Griechisch; die Griechen sind nicht sündhafter als die Hebräer. Schließlich mußte das Evangelium auf die Heiden ausgeweitet werden, und es war eben eine hebräisch-geprägte Führung, die dem Evangelium während der Gegenwart Christi widerstand! “Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen” (Röm 1:16).
Also sind Antitriniarier Opfer platonischer Philosophie, denn für Platon war Gott absolut, “das heißt, dass er die gesamte Realität ausmacht oder zumindest kontrolliert. . . . Somit ist die göttliche Wirklichkeit gleichbedeutend mit der gesamten Wirklichkeit. Das ist, mit einem Wort, Pantheismus” (TG 90).
Dazu kommt dann Plotin, der “die Wirklichkeit aus einem einzigen ewigen Prinzip, das er `das Eine ́ nannte,” definierte (TG 91). Purer Pantheismus.
Nachdem TG den Modalismus von Sabellius vorstellt, gibt TG zu, dass wir von Arius nichts Originales aufweisen können. Von Dritten können wir aber lesen: “Wenn der Vater den Sohn zeugte, dann hatte die Existenz dessen, der gezeugt wurde, einen Anfang. Daher ist es offenkundig, dass es eine Zeit gab, in der der Sohn nicht war. Daraus folgt notwendigerweise, dass seine Substanz aus dem Nichts entstand” (Sokrates von Konantinopel, Kirchengeschichte).
Jetzt wäre interessant, Arius selber zu fragen, ob diese Wiedergabe wirklich seiner Ansicht entspricht. Nach TG versuchte Arius einfach, den Modalismus zu korrigieren, indem Jesus eine geschaffene, d.h. separate Person vom Vater wurde und war. Arius hatte den Begriff “gezeugt” missverstanden. TG: “Die Bibel erzählt keine Geschichte, bei der ein großer Gott einen kleineren Gott ins Dasein ruft” – ein Beispiel griechischen Denkens (TG 95).
TG beharrt weiterhin darauf, daß es den Pionieren nur um eine Korrektur des Modalismus ging. Ellen White allerdings erkannte folgendes: “Jeder der drei ist eine ewige, göttliche Person in Beziehung zu den anderen, und alle drei bilden gemeinsam die Gesamtheit Gottes” (TG 96).
Man bemerke, dass es sich hier um eine Zusammenfassung von Ty Gibson handelt, nicht um ein verbatim Zitat. Wie dem auch sei, könnten wir dann (erstaunlicherweise) sagen, dass z.B. der Vater nicht gesamt Gott ist?! Es ist mir unverständlich, wie TG behaupten kann, dass sich “der Pantheismus, den Ellen White in Kelloggs Theologie entdeckte, auf den Antitrinitarismus” stützte (TG 97).
TG befürchtet im Antitrinitarismus ein Problem, weil es “Gott auf ein absolutes Einzelwesen reduziert. Damit ebnet sie den Weg für den Pantheismus und dieser ebnet den Weg für die freie Liebe” (TG 97).
Auf der anderen Seite ist für TG die Bundestheologie der Dreieinigkeit die einzige Theologie, die biblisch ist: “Gott als Liebe zu kennen ist der einzige Weg zur Liebe” (TG 98).
TG sieht den Antitrinitarismus “an den Rändern des Adventismus … im Grunde eine moderne Version von Platons Monismus oder Sabellius ́ Modalismus” (TG 99).
Damit gibt es im Antitrinitarismus die Liebe Gottes nicht. Aber nichts ist ferner von der Wahrheit, denn im Antitrinitarismus glauben wir an einen wahren Vater der Liebe, an einen wahren Sohn, und an einen Vater der diesen Sohn auf die Welt schickt. Von einem unpersönlichen Gott, von Pantheismus – und von freier Liebe (!) keine Spur!
Die Anschuldigungen sind ausgeprägt: “Das Problem ist, dass der `Jesus ́ des Antitrinitarismus nicht derselbe `Jesus ́ wie der des Trinitarismus ist” (TG 100).
Das wird mit einer falschen Aussage zementiert: “Ein höherer Gott brachte einen niedrigeren Gott ins Dasein. … Antitrinitarismus, Pantheismus und freie Liebe sind logisch mit einander verknüpft, wie Ellen White im Fall Kellogg erkannte” (TG 100). Aber Antitrinitarier glauben nicht an eine Abstufung von Gotteswesen (“höherer Gott, niedrigerer Gott” sind nicht im antitrinitarischen Vokabular zu finden), auch nicht an Pantheismus, auch nicht an freie Liebe.
So definiert TG den Antitrinitarismus: “Personen sind wesentlicher Bestandteil von Beziehung und Beziehung ist die Grundlage für Liebe. Wenn Jesus bloß eine erzeugte Erweiterung des Vaters ist, und der Heilige Geist bloß ein Einfluss ist, der vom Vater ausgeht, dann ist Gott ein Einzelwesen. Beziehung verschwindet somit aus dem Gottesbild, und mit ihr jede schlüssige Form von Liebe” (TG 101).
Nach Gibson wird im Pantheismus Gott als Einzelwesen zu einer unpersönlichen Kraft, dann wird auch der Mensch zu einem “Synonym für Gott”, in dem es keine moralischen Werte mehr gibt (TG 101). Dagegen ist unsere Glaubensüberzeugung “eine schlichte, geniale, wunderbare Deutlichkeit: Es ist ein Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist – drei in Einheit verbunden, von Ewigkeit her” (TG 103). Also ist Gott “eine Mehrzahl von Personen” (TG 104).
Gott als eine Mehrzahl von Personen ist ganz und gar nicht hebräisches Denken! Warum gibt es im Judentum keinen Trinitarismus?! Warum ist das Alte Testament so streng monotheistisch?
Wiederum seine Schlußfolgerung: “Gott zu entpersonalisieren ist der direkteste theologische Weg, Liebe aus der Darstellung des Charakters Gottes zu löschen” (TG 104). Aber genau (und ironischerweise) dies geschieht in unserer Glaubensformulierung! 3 Einheiten verschmelzen zu einem Gott. Ein Singular wird als Komposition dreier Wesen formuliert, ja definiert, obwohl im selben Paragraph die Pluralität mit einem singularen maskulinen Personalpronom weitergeführt wird – auf geringster Ebene eine grammatische Ver(w)irrung.











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